Russlands Präsident Medwedjew in Europa: Heute trifft er die Kanzlerin, am Mittwoch erstmals Obama. Der Politologe Dmitrij Trenin über Moskaus Ziele und die fehlende Strategie in der Außenpolitik.
sueddeutsche.de: Herr Trenin, am Mittwoch treffen sich Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew und US-Präsident Barack Obama zum ersten Mal. Werden sie wie ihre Außenminister den Neustart-Knopf drücken und ein neues Kapitel in den Beziehungen einleiten?
Russland hat er schon erobert: Barack Obama lacht schon von den Matroschka-Figuren der Souvenir-Märkte - neben dem seinem russischen Amtskollegen Medwedjew. (© Foto: AFP)
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Dmitrij Trenin: Beide werden sich bei diesem Gespräch fragen: Was ist mein Gegenüber für ein Mensch, kann ich mit ihm zusammenarbeiten? Bei dem Treffen in London wird nicht verhandelt, sondern es geht ums Kennenlernen. Ich vermute, dass sie gut miteinander auskommen werden - bisher haben sie sich wohlwollend über den anderen geäußert.
sueddeutsche.de: Die russische Rhetorik war in den letzten Jahren sehr antiwestlich und vor allem antiamerikanisch. Ist dies nicht ein Hindernis?
Trenin: Das wird bei diesem Treffen keine Rolle spielen. Zuletzt hat man im Kreml diese wütenden Aussagen immer in politisch kontrollierter Weise genutzt: Putins Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 sollte deutlich machen, unter welchen Bedingungen Russland zur Zusammenarbeit bereit ist - nämlich nur, wenn es als gleichberechtigt angesehen wird. Anfang November hat sich Medwedjew in der Rede zur Lage der Nation sehr antiwestlich geäußert, aber das später korrigiert. Er verhält sich in dieser Hinsicht berechnend und ohne Emotionen. Obama wird charmant sein und versuchen zu überzeugen: "Ich vertrete die neue Regierung und mache vieles anders als Bush." Das betrifft nicht nur den Klimawandel und Afghanistan, sondern auch Russland.
sueddeutsche.de: Worüber werden die Präsidenten sprechen?
Trenin: Russland wünscht sich von Obama ein Signal, dass sich die Nato nicht weiter nach Osten ausweitet. Kroatien, Albanien, die Balkanstaaten - das ist in Ordnung, aber einen Beitritt der Ukraine und Georgiens kann Moskau nicht akzeptieren. Obama wird nicht sagen, dass er die russische Einflusssphäre akzeptiert, aber er könnte deutlich machen, dass diese Themen nicht oben auf seiner Agenda stehen. Moskau wird drängen, das Thema Raketenabwehr zu klären und hier zu kooperieren. Man will wissen, ob es Obama ernst meint mit seinen Angeboten.
sueddeutsche.de: Wie sieht es mit Abrüstung aus?
Trenin: Ich vermute, dass im Abschlusskommuniqué eine neue Runde der Abrüstungsgespräche angekündigt wird. Für Obama ist das Thema Iran sicher wichtig. Er wird mit Medwedjew darüber reden, wie man gemeinsam reagiert, wenn Teheran das Angebot der USA und der internationalen Gemeinschaft ablehnt. Aber man darf nicht naiv sein: Die Interessen sind hier sehr unterschiedlich. Moskau hat kein Interesse, dass sich Teheran von Russland abwendet und sich zu nahe an die USA annähert. Hier zeichnet sich eine künftige Rivalität zwischen beiden ab.
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Immer wieder die gleichen Fragen, immer wieder die gleichen erwünschten Antworten - Der Journalist muss nur wissen, wen er fragen soll (u.a. Carnegie-Stiftung, natürlich).
Paar Jahre hat man verschiedene Kaugummi-Methapher mit Putins Augen ausgelutscht, jetzt gibt es natürlich den "Reset-Überspannungs-Knopf" als nächstes Bonbon um den gleichen Brei ein wenig anders zu dekorieren. Kindergarten, tschesnoje slowo.