Runder Tisch zur Heimerziehung Heimkinder empört über geplante Entschädigung

Eklat am runden Tisch: Die Opfer, die unter unmenschlichen Erziehungsmethoden litten, bleiben dem Treffen fern. Sie halten die in Aussicht stehenden Hilfen für viel zu gering.

Von J. Bielicki u. M. Drobinski

Mit einem Eklat haben am Donnerstag die Abschlussgespräche des runden Tisches über eine Entschädigung für ehemalige Heimkinder begonnen. Die drei Vertreter der Heimkinder blieben den Gesprächen zunächst demonstrativ fern. Mit ihrem Wegbleiben wollten sie gegen aus ihrer Sicht völlig unzureichende Hilfen und Entschädigungen protestieren, wie sie der Entwurf des Abschlussberichts für Opfer vorsieht, die unter oft unmenschlichen Erziehungsmethoden in bundesdeutschen Kinderheimen der fünfziger und sechziger Jahre gelitten haben. Daraufhin sollen die Vertreter von Bund, Ländern und Heimträgern gedroht haben, die Gespräche platzen und ohne Ergebnis enden zu lassen, berichteten Teilnehmer der Runde der Süddeutschen Zeitung. Ob die Gespräche wiederaufgenommen werden sollten, war zunächst noch unklar.

Heimkinder litten in bundesdeutschen Kinderheimen der fünfziger und sechziger Jahre oft unter unmenschlichen Erziehungsmethoden.

(Foto: iStockphoto/online.sdeleben)

Nach einem Vorschlag der Grünen-Politikerin Antje Vollmer, die den "Runden Tisch Heimerziehung" moderiert, soll eine Stiftung ehemalige Heimkinder entschädigen. Allerdings soll es keine pauschalen Entschädigungszahlungen für Opfer der Heimerziehung geben. Vielmehr soll im Einzelfall geprüft werden, ob ein früheres Heimkind bis heute unter den Folgen der damaligen Misshandlungen leidet und daher finanzielle Hilfe benötigt. Der runde Tisch schlägt dem Bundestag vor, zwei Fonds einzurichten, mit deren Mitteln ehemaligen Opfern geholfen werden soll. Aus einem Topf sollen etwa Traumatisierte Kosten für ihre spätere Therapie ersetzt bekommen. Aus dem anderen Topf sollen Ex-Heimkinder Geld als Ersatz für entgangene Rentenansprüche erhalten, weil die Heime für die von den Kindern erzwungene Arbeit oft keine Rentenbeiträge entrichtet hatten.

Die Vertreter der Heimkinder halten diese Regelungen jedoch für völlig unzureichend. Sie fordern Entschädigungen für alle früheren Heimkinder. Nach ihren Vorstellungen soll den Opfern eine Pauschalzahlung von 54.000 Euro oder eine Monatsrente von 300 Euro zustehen. Diese Forderung hatten Vollmer und die Vertreter von Bund, Ländern und Heimträgern aber als unrealistisch und unbezahlbar zurückgewiesen.

Völlig unklar ist auch noch, wer wie viel in die geplante Stiftung einzahlen soll. "Bund, Länder und Kirchen sollen jeweils ein Drittel des Stiftungsvermögens stellen", sagte Vollmer der Frankfurter Rundschau. Welche Summe so zusammenkommen könnte, ist jedoch ungewiss. Vor allem die Länder weigern sich bislang, sich zu Zahlungen zu verpflichten. Die Landesvertreter am runden Tisch, erklärten, sie hätten "nicht das Mandat, für alle Länder verbindliche Feststellungen zu treffen". Erst wenn sich der Bundestag mit den Empfehlungen des runden Tisches befasst habe, werde es "eine Entscheidung über eine Beteiligung der Bundesländer an einem Entschädigungsfonds geben können", erklärte das bayerische Sozialministerium.

Vollmer zeigte sich dennoch optimistisch: "Auch die Länder werden sich am Ende ihren finanziellen Beitrag leisten müssen", sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Länder hätten sich zu ihrer Mitverantwortung für die häufig von Gewalt und Demütigungen begleitete Heimerziehung bekannt: "Da können sie jetzt nicht so tun, als gehe sie das alles nichts mehr an."