Von Nico Fried

Die Kanzlerin und die halbe Ministerschar im Urlaub, da fällt es schon schwer, ein beschlussfähiges Kabinett zusammenzubekommen. Da schlug die Stunde des Vizekanzlers.

Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) kam sich am Mittwoch im Kabinett plötzlich ein wenig verlassen vor.

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Und das kam so: Wegen Urlaubs fehlten auf der Kanzlerseite des Tisches mit Angela Merkel, Kanzleramtschef Thomas de Maizière und den Staatsministern Maria Böhmer und Bernd Neumann gleich vier Leute aus der Machtzentrale. Sie bilden vor der braunen Wand trotz Zugehörigkeit zur CDU gewöhnlich den linken Flügel.

Um allein schon für die Fotografen ein geschlossenes Bild abzugeben, mussten nun andere ran um die Löcher neben Vizekanzler Franz Müntefering aufzufüllen. So rückte zum Beispiel Umweltminister Sigmar Gabriel, der sonst, trotz Zugehörigkeit zur SPD, neben Seehofer die rechte Flanke sichert, auf die gegenüberliegende Seite des Ovals, was ihm immerhin erstmals Gelegenheit bot, den Blick in den Berliner Tiergarten zu genießen.

Der Platz neben Seehofer aber blieb leer, was zu einem kurzen Geplänkel zwischen Verbraucherschutz- und Umweltminister geführt haben soll, dessen Inhalt aber nicht überliefert ist.

Insgesamt waren acht Minister da, das Kabinett damit exakt beschlussfähig. Es wurde Anfang der Woche noch einmal rumtelefoniert, damit auch keiner ausfällt.

Aus jedem Lager, also Union und SPD, waren vier Minister zugegen. Scherzhaft war deshalb in Regierungskreisen bereits von den Berliner 4+4-Gesprächen die Rede.

Vizekanzler Müntefering saß übrigens auf dem Stuhl von Merkel, hatte aber sein Namensschild mitgenommen. Erler wiederum saß auf Münteferings Platz. Merkels "guter Geist war jederzeit spürbar. Sie war im Geiste dabei und hat vorher noch mit Müntefering telefoniert und wurde anschließend unterrichtet", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg.

Münte wiederum bewies, dass er nicht nur kurze Sätze kann, sondern auch kurze Sitzungen. Die Sitzung dauerte Steg zufolge genau 62 Minuten und wurde von Müntefering "ergebnisorientiert" geleitet. Bis auf einige ergänzende Bemerkungen zu den einzelnen Vorlagen hielt man sich strikt an die Tagesordnung. Kontroverse Debatten gab es keine.

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(sueddeutsche.de)