Rumänien Premier Ponta kürt Holocaust-Leugner zum Minister

Victor Pontas jüngster Schachzug birgt Sprengstoff: Der Premier beschert dem EU-Land einen Minister, der noch vor Monaten den Holocaust in Rumänien geleugnet hat.

Von Oliver Das Gupta

Die jüngste Volte von Premier Victor Ponta hat es in sich: Nachdem der rumänische Regierungschef erfolgreich Richter und Parlamentspräsident ins Abseits gestellt hat, aber mit der Ablösung von Staatschef Präsident Traian Basescu gescheitert war, bildete Ponta sein Kabinett um. Ausgerechnet Dan Sova profitiert davon: Der ehemalige Sprecher von Pontas Sozialdemokratischer Partei (PSD) wurde zum Minister für die Beziehungen zum Parlament ernannt.

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Die Personalie birgt Sprengstoff: Denn mit Sova bekommt das EU-Mitglied einen Minster, der noch vor wenigen Monaten den Holocaust in Rumänien geleugnet hat.

Sova, wie Ponta Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, hatte im März 2012 behauptet, während des Weltkrieges sei auf rumänischem Boden "kein Jude zu Schaden gekommen". Allerdings schränkte er die Behauptung gleich wieder ein - zumindest etwas: Einem Pogrom, den mit dem nationalsozialistischen Deutschland verbündete Faschisten 1941 in der Stadt Iasi verübt hatten, seien lediglich 24 Menschen zum Opfer gefallen. Diese seien "von deutschen Soldaten umgebracht worden", behauptete Sova.

Historiker gehen davon aus, dass allein bei dem drei Tage währenden Massaker zwischen 13.000 und 15.000 Juden ermordet wurden, hauptsächlich von rumänischen Polizisten, Soldaten und der Bevölkerung. Insgesamt wurden im Zuge des Holocaust in Rumänien zweifelsfrei mehr als 280.000 Juden ermordet.

Den mit Hitler-Deutschland verbündeten rumänischen Diktator Ion Antonescu lobte Sova, er habe die Juden im Land beschützt. In Wirklichkeit wird der faschistische "Staatsführer" für den Tod von Zehntausenden Juden verantwortlich gemacht.

"Ein großer Ausrutscher"

Sovas Aussagen lösten internationale Proteste aus, worauf Ponta ihn als Parteisprecher ablöste. Sova ruderte zurück: Der Pogrom und die antisemitische Politik Antonescus seien "unbestreitbare Fakten", erklärte er. Man habe ihn falsch verstanden.

"Es war ein großer Ausrutscher", sagte Ponta damals und riet seinem Parteifreund, das Holocaust-Museum in Washington zu besuchen.

Nun, nach etwa einem halben Jahr im politischen Abklingbecken, wähnt Ponta seinen Weggefährten, den er in der Vergangenheit schon als "General mit der starken Hand" gelobt hatte, offenbar für geläutert und wieder vorzeigbar.

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