(SZ vom 27.3.2001) - Für chronische Optimisten vom Schlage des EU- Außenpolitikers Javier Solana ließe sich der Mazedonien-Konflikt in zwei Phasen der Ruhe einteilen: in Rede- und in Gefechtspausen.
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Unglücklicherweise aber wird in den Redepausen heftig geschossen und während der Gefechtspausen viel zu martialisch daher geredet. Beides heizt den Konflikt kräftig an.
Ein Beispiel: Am Wochenende hatten die Regierungstruppen eine Offensive gegen die Albaner-Miliz UCK in den Bergen rund um Tetovo gestartet, und als am Montag endlich ein wenig Ruhe einkehrte, wurden die Erfolgsmeldungen abgefeuert: Schlüsselstellungen seien erobert und die Rebellen zurückgedrängt worden, heißt es aus Skopje.
Kann man also glauben, dass nach diesem militärischen Erfolg die Regierung nun wieder Herr der Lage ist? Solana scheint es zu glauben. Jedenfalls sagt er, der Konflikt in Mazedonien sei damit vorerst unter Kontrolle.
Das Gegenteil ist richtig: Mit jedem Gefecht droht die Lage weiter außer Kontrolle zu geraten - egal, ob die Regierung nun vorübergehend vorrückt oder nicht.
Die Dynamik des Konfliktes entfaltet sich nach dem einfachen Schema, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt. Wenn Solana also am Montag gemeinsam mit Nato-Generalsekretär George Robertson in Skopje Reformen zugunsten der albanischen Minderheit forderte, dann verhält er sich zwar politisch korrekt, aber er ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit.
Zuerst nämlich muss die Regierung davon abgehalten werden, den Extremisten durch zu radikales Vorgehen die Massen der Albaner in die Arme zu treiben. Deutliche Worte und spürbarer Druck werden nötig sein.
Führungsstreit der Linken