Rüstungsindustrie Weniger Geld für Waffen und Streitkräfte

Weltweit sind im vergangenen Jahr die Militärausgaben gesunken. Dafür ist vor allem der Westen verantwortlich - hier wird gespart, die übrigen Staaten aber rüsten auf.

Von Silke Bigalke, Stockholm

Weltweit wurden vergangenes Jahr 1747 Milliarden Dollar für Waffen und Streitkräfte ausgegeben, 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahlen stammen aus dem jährlichen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri zu weltweiten Militärausgaben, der an diesem Montag erscheint. Die Ausgaben sind das zweite Jahr in Folge zurückgegangen.

Den größten Anteil daran haben die USA. Sie haben unter anderem nach dem Ende des Irakkrieges und dem beginnenden Rückzug aus Afghanistan 7,8 Prozent weniger in ihre Streitkräfte investiert als 2012. Ihr Anteil wiegt schwer, denn mit 640 Milliarden Dollar im Jahr 2013 geben sie nach wie vor mehr für ihre Streitkräfte aus als jedes andere Land. Auf Platz zwei und drei liegen China und Russland, die beide ihre Investitionen deutlich erhöht haben. Würde man die USA aus der Rechnung nehmen, zeigten die Sipri-Zahlen ein völlig anderes Bild: Einen Anstieg der weltweiten Rüstungsausgaben um 1,8 Prozent. Während der Westen spart, rüstet der Rest der Welt auf.

"Die Militärausgaben in Entwicklungsländern steigen"

"Die Militärausgaben in Entwicklungs- und Schwellenländern steigen unvermindert weiter", sagt der zuständige Sipri-Experte Sam Perlo-Freeman. In einigen Fällen sei dies die natürliche Folge ökonomischen Wachstums oder Ausdruck echter Sicherheitsbedürfnisse, in anderen eine Verschwendung von Gewinnen aus Bodenschätzen, die Dominanz autokratischer Regime oder regionales Wettrüsten.

Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, haben 23 Länder ihre Ausgaben seit 2004 mehr als verdoppelt, darunter Russland, China und Saudi-Arabien. Der Golfstaat ist zum viertgrößten Militärinvestor vor Frankreich und Großbritannien aufgestiegen. 67 Milliarden Dollar steckte er 2013 in seine Streitkräfte, 14 Prozent mehr als 2012. Mögliche Gründe sind laut Sipri Spannungen mit Iran sowie die Sorge vor Protesten ähnlich denen des arabischen Frühlings. Noch deutlicher erhöht haben ihre Ausgaben Irak und Bahrain. Insgesamt schätzt Sipri die Militärausgaben im Mittleren Osten auf 150 Milliarden Dollar.

Russland investierte erstmals seit 2003 einen größeren Anteil seines Bruttoinlandsprodukts ins Militär als die USA. Sein Ziel ist es, 70 Prozent seiner Rüstung bis 2020 durch moderne Waffen zu ersetzen, für umgerechnet 705 Milliarden Dollar. Deutschlands Investitionen haben sich mit 48,8 Milliarden Dollar 2013 nicht wesentlich verändert.

Militärausgaben 2013 Die Top 15 weltweit
  • USA. Ausgaben: 640 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +12%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 3,8%.
  • China. Ausgaben: 188 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +170%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,0%. (Geschätzte Daten)
  • Russland. Ausgaben: 87,8 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +108%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 4,1%. (Geschätzte Daten)
  • Saudi-Arabien. Ausgaben: 67 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +118 %. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 9,3%.
  • Frankreich. Ausgaben: 61,2 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: -6,4%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,2%.
  • Großbritannien. Ausgaben: 57,9 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: -2,5 %. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,3%.
  • Deutschland. Ausgaben: 48,8 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +3,8%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,4%.
  • Japan. Ausgaben: 48,6 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: -0,2%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,0%
  • Indien. Ausgaben: 47,4 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +45%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,5%.
  • Südkorea. Ausgaben: 33,9 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +42%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,8%.
  • Italien. Ausgaben: 32,7 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: -26%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,6%.
  • Brasilien. Ausgaben: 31,5 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +48%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,4%.
  • Australien. Ausgaben: 24 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +19%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,6%.
  • Türkei. Ausgaben: 19,1 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +13%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,3%.
  • Vereinigte Arabische Emirate. Ausgaben: 19 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +85%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 4,7%. (geschätzte Daten von 2012)
  • Weltweit. Ausgaben: 1747 Milliarden Dollar. Veränderung seit 2004: +26%. Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 2,4%.

Quelle: Sipri Fact Sheet April 2014