Rüstungsindustrie Deutsche Waffen, neue Märkte

Ein Kampfpanzer Leopard 2 des deutschen Unternehmens Krauss-Maffei Wegmann in voller Fahrt: Für die Rüstungsindustrie läuft es bestens - trotz sinkendem Absatz in Europa. (Foto: KMW)

(Foto: dpa)

Weltweit steigt der Umsatz mit Waffen und Deutschlands Rüstungsindustrie ist ganz vorne mit dabei. Nur aus den USA und aus Russland kommen noch mehr Panzer und Kampfflugzeuge. Um das Level zu halten, liefern deutsche Unternehmen zunehmend nach Asien und Südamerika - und künftig wohl auch in arabische Staaten.

Von Silke Bigalke, Stockholm

Der Umsatz mit weltweiten Waffengeschäften ist gestiegen. Im Zeitraum von Anfang 2009 bis Ende 2013 lag er um 14 Prozent höher als in den fünf Jahren zuvor, berichtet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. Die meisten Waffen lieferten die USA, Russland und Deutschland. China hat seine Waffenexporte mehr als verdreifacht und ist auf Platz vier aufgerückt.

Die Exporteure profitierten von der Aufrüstung in Asien - mit Indien, Pakistan und auch China als den größten Abnehmern. Sipri rechnet in Zeiträumen von fünf Jahren, da die Lieferungen in Jahresfrist stark schwanken können.

Obwohl sich Deutschland auf Platz drei der wichtigsten Lieferanten halten konnte, leidet die Rüstungsindustrie unter der geringen Nachfrage in Europa. Die gesamten Waffenexporte sanken um 24 Prozent. Nicht eingerechnet sind ausstehende Lieferungen von 23 U-Booten und 280 Panzern, darunter 62 Leopard-2-Panzer für das Emirat Katar. Es wäre laut Sipri das erste Mal, dass Deutschland Kampfpanzer dieses Typs in einen arabischen Staat liefert.

Deutschland liefert an Chile, Brasilien, Indonesien und Singapur

"Die westlichen Industrien versuchen alles, um ihren Anteil am Exportmarkt zu halten und den wachsenden östlichen Rüstungsindustrien etwas entgegenzusetzen", sagt Pieter Wezeman, Autor des Sipri-Reports. Bis vor zehn Jahren habe Deutschland kaum Panzer außerhalb Europas oder der Nato verkauft, nun liefere es an Chile, Brasilien, Indonesien und Singapur. "Die deutschen Rüstungsunternehmen kämpfen um die Erlaubnis, unter weniger Restriktionen exportieren zu dürfen."

Russland dagegen konnte seine Lieferungen um 28 Prozent erhöhen und bleibt zweitgrößter Exporteur nach den USA. Das sei überraschend, sagt Wezeman, war Russland doch lange Zeit wirtschaftlich nicht in der Lage, in die Industrie zu investieren. "Heute hat Putin offenbar Mittel, die Branche wieder aufzublasen. Er investiert stark in neue Entwicklungen."

Russlands Hauptabnehmer sind Indien, China und Algerien. Auch das vom Bürgerkrieg zerrüttete Syrien erhalte weiterhin Waffen aus Moskau. Einige Lieferungen hält es jedoch zurück, darunter Kampfflugzeuge und Flugabwehrsysteme, da Syrien nicht zahlen kann. Russland hat traditionell wenig Skrupel, Regime wie Sudan, Venezuela und, im Rahmen der UN-Sanktionen, Iran mit Waffen auszustatten.

Die meisten Waffen importiert Indien

Sein Hauptkonkurrent in diesen Ländern ist China, das Frankreich von Platz vier der Waffenexporteure verdrängt. Drei Viertel der chinesischen Lieferungen landen in Pakistan, Bangladesch und Myanmar. Bemerkenswert sei, dass die Türkei als Nato-Mitglied das chinesische Flugabwehrsystem HQ-9 Angeboten aus Russland und den USA vorgezogen habe, sagt Wezeman. "Das zeigt, dass Chinas Rüstung an Qualität gewonnen und China gelernt hat, seine Waffen zu vermarkten." Nato-Partner waren empört über den Deal.

Die Nachfrage nach Waffen hat in den meisten Teilen der Welt außer in Europa zugenommen. Die meisten Waffen importiert seit einigen Jahren Indien, das seine Einkäufe von 2009 bis 2013 im Vergleich zu den Vorjahren mehr als verdoppelte. Hauptgrund für die Aufrüstung dürfte das Misstrauen gegenüber dem Erzrivalen Pakistan sein, der hinter China auf Platz drei der größten Importeure steht.

"Zugleich reagieren China und Japan und China und die USA aufeinander. Andere Länder folgen, zum Beispiel Australien und Südkorea, die ihre Rüstung aufgrund der Importe Chinas erhöhen", sagt Wezeman. Trotzdem ist er vorsichtig, von Wettrüsten zu sprechen. "Denn ein solches wäre außer Kontrolle, was es hier wohl noch nicht ist."