Israelischer Verteidigungsminister Barak Kein Mann für den ungeordneten Rückzug

Ist es Strategie, tiefe Frustration oder sogar beides? Die Ankündigung von Israels Verteidigungsminister Barak, bei der Wahl im Januar nicht mehr anzutreten, kommt für alle überraschend. Vielleicht hofft er, dass man ihn später in höchster Not ruft.

Peter Münch, Tel Aviv

Zum Abschluss hat er noch einmal Krieg geführt und dann der Politik den Rücken zugewandt. Nur wenige Tage nach den Angriffen auf Gaza kommt die Ankündigung von Israels Verteidigungsminister Ehud Barak, bei der Wahl am 22. Januar nicht mehr anzutreten, für alle überraschend. Doch eines ist klar: Barak, der hochdekorierte General und gewiefte politische Strippenzieher, ist kein Mann für den ungeordneten Rückzug. Entweder steckt eine Strategie hinter seinem Entschluss oder aber tiefe Frustration. Wahrscheinlich sogar beides.

Frustriert könnte Barak sein, weil länger schon gemunkelt wird, dass Außenminister Avigdor Lieberman nach der Wahl seinen Posten übernehmen will. Dabei gilt (und sieht sich) Barak doch als eine Art Verteidigungsminister auf Lebenszeit, schließlich hatte er sich auf dem Posten in den verschiedensten Regierungen gehalten. Doch nun ist nicht einmal klar, ob er es mit der von ihm gegründeten Partei namens "Unabhängigkeit" überhaupt noch ins Parlament schafft.

Vielleicht aber wartet er auch nur darauf, dass man ihn nach der Wahl in höchster Not ruft - zum Beispiel, wenn für den Fall eines Irankriegs ein Verteidigungsminister mit Erfahrung gesucht wird. Der Rückzug gäbe ihm die Möglichkeit, dieses Amt dann auch bei einem Sieg der Opposition zu übernehmen. Und wenn nicht? Dann gibt es in Israels Politik eben einen Wendehals weniger.