Rücktritt von Oertel Gabriel nennt Pegida-Krise "Erlösung für Dresden"

Kathrin Oertel ist zurückgetreten. Über die Gründe gibt es unterschiedliche Angaben.

(Foto: AFP)
  • Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel hat sich zurückgezogen. Das bestätigte Vereinsgründer Lutz Bachmann der SZ.
  • Die Stadt Dresden gibt bekannt, dass die Pegida-Demonstration für kommenden Montag abgesagt worden sei.
  • Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht den Zenit der Pegida-Demonstrationen überschritten. Dies könne auch eine Erlösung für Dresden sein.
Von Jan Bielicki

Pegida-Sprecherin Oertel tritt zurück

Noch ein Rücktritt im Vorstand des Pegida-Vereins: Sprecherin Kathrin Oertel hat sich zurückgezogen. Pegida-Gründer Lutz Bachmann bestätigte der Süddeutschen Zeitung Oertels Rückzug. Die Sprecherin sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Es müsse kommende Woche ein neuer Vorstand gewählt werden. Weder Frau Oertel noch er stünden dafür zur Verfügung, sagte Bachmann zur SZ. "Ich bin auch froh, dass ich da draußen bin, ich will gar nicht mehr."

Geplante Demonstration wird abgesagt

Wie die Stadt Dresden mitteilt, wurde die Pegida-Demonstration, die für kommenden Montag geplant war, abgesagt. Gründe nannte die Stadt nicht. Später begründete Pegida auf Facebook die Absage mit "organisatorischen und rechtlichen Gründen". Am darauf folgenden Montag möchte die rechtspopulistische Bewegung wieder in Dresden demonstrieren. Für die kommenden Tage wurde eine "detaillierte Pressemitteilung" angekündigt.

Gabriel nennt Pegida-Krise "Erlösung für Dresden"

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht angesichts der Pegida-Führungskrise den Zenit der islamkritischen Bewegung überschritten. Die Organisatoren zerlegten sich gerade, "was ja vielleicht auch eine Erlösung für Dresden ist", sagte Gabriel am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Was nun?". "Ich glaube, dass wahrscheinlich der öffentliche Zenit dieser Demonstrationen überschritten ist", sagte der Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister.

Gabriel kritisierte zudem die Medien für die Berichterstattung über seinen Besuch bei einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. Es sei der falsche Eindruck erweckt worden, der SPD-Vorsitzende nehme an einer von Pegida organisierten Veranstaltung teil. "Wenn ich das in der Zeitung lesen würde, würde ich auch denken: Der hat nicht alle Tassen im Schrank." Dort hätten aber Anhänger und Gegner von Pegida diskutiert. "Es ist das normalste von der Welt, mal zuzuhören", sagte Gabriel. Man dürfe nicht denken, bei den Demos liefen nur Rechtsradikale mit.

Verwirrung über weitere Rücktritte bei Pegida

Der Dresdner Verein erklärt auf seiner Facebook-Seite: "Fakt ist, Kathrin hat vorerst ihr Amt als Pressesprecherin niedergelegt."

René Jahn, der zweite Vorsitzende des Pegida-Vereins, bestätigte zuvor der Bild-Zeitung zufolge die Personalien: "Kathrin Oertel, Achim Exner, Bernd-Volker Lincke, Thomas Tallacker und ich sind von unseren Ämtern zurückgetreten."

Als Hintergrund nannte Jahn den Verbleib Bachmanns im Orga-Team sowie "die mangelnde Abgrenzung von Legida in Leipzig" - und begründet Oertels Rückzug demnach vollig anders als Bachmann.

Thomas Tallacker wollte die Causa auf Anfrage der SZ weder bestätigen noch dementieren. Auf Facebook schrieb Pegida, Tallacker habe mit seiner Firma durch den Verlust etlicher öffentlicher Aufträge "massive Probleme und zieht sich auch zurück".

Medien: Bachmann ist Grund für Austritt

Zuerst hatte der Stern über Oertels Ausstieg berichtet. Dem Magazin zufolge seien Oertel und die anderen drei Mitglieder des Orga-Teams schon am Dienstag zurückgetreten. Auch der Stern nannte Bachmann als Auslöser.

Besiegelt der Oertel-Rücktritt das Ende von Pegida?

Nach dem Rücktritt von Lutz Bachmann hat nun auch Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel ihre Ämter niedergelegt. Die geplante Demonstration für kommenden Montag wurde abgesagt. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Bachmann hatte die Anti-Islam-Bewegung begründet, war aber in der vergangenen Woche zurückgetreten. Es waren Bilder aufgetaucht, auf denen er mit Hitlerbärtchen posierte, zudem rassistische Facebook-Kommentare in denen er Asylbewerber als "Dreckspack" und "Gelumpe" bezeichnet hatte. Bachmann hatte bei seinem Rücktritt erklärt, er werde sich vollständig von Pegida zurückziehen, um der Bewegung nicht zu schaden.

Dem Stern-Bericht zufolge ließ er diesen Worten aber keine Taten folgen. Er soll versucht haben, im Hintergrund weiter eine Führungsrolle zu spielen. Dies habe bei seinen Mitstreitern zu Verärgerung geführt, weshalb sie sich nun entschlossen, den Verein Pegida e. V. zu verlassen.

Bachmann firmierte auch nach Rücktritt als Pegida-Vorsitzender

Neben Oertel, die als das neue Gesicht von Pegida galt, verliert die Bewegung damit parteipolitisch erfahrene Köpfe. Achim Exner ist in der AfD, Thomas Tallacker saß für die CDU im Stadtrat von Meißen.

Der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich kann und will mich mit den Äußerungen von Lutz Bachmann nicht identifizieren."

"Ich entschuldige mich aufrichtig"

Der Druck war zu groß: Lutz Bachmann, Gründer der Pegida-Bewegung, tritt von seinen Funktionen bei der islamfeindlichen Organisation zurück. Er bedauert schriftlich, dass er im Internet Ausländer geschmäht hat. Von Hannah Beitzer, Leipzig, und Oliver Das Gupta mehr ...

Der Pegida-Verein war im November in Dresden gegründet worden. Am unteren Rand eines am 23. Januar bei Facebook veröffentlichten Schreibens hieß es, der Verein habe zehn Mitglieder. Einen Hinweis, dass es bei Pegida Unstimmigkeiten in Führungsfragen geben könnte, enthält das Dokument auch. Denn dort firmiert Lutz Bachmann als Vorsitzender. Dabei war er zwei Tage zuvor zurückgetreten.

Mitarbeit: Oliver Das Gupta.