Rücktritt von Klaus Wowereit Die Party ist aus

Nach 13 Jahren im Amt schmeißt Klaus Wowereit hin. Der Rücktritt kommt zum richtigen Zeitpunkt - vor allem für ihn. Er hätte ohnehin kaum noch eine Chance gehabt, wiedergewählt zu werden. Und dass er den Flughafen Berlin-Brandenburg noch im Amt hätte eröffnen können, daran glaubt er wohl selbst nicht mehr.

Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Rücktritte können so oder so ausfallen. Der von Klaus Wowereit gehört sicher zu den besseren. Ein unscheinbarer Dienstag kurz nach Ende der Schulferien in Berlin. Keiner hatte damit gerechnet, dass ausgerechnet heute Klaus Wowereit nach 13 Jahren im Amt seinen Rücktritt als Regierender Bürgermeister von Berlin erklären wird. Außer vielleicht sein engstes Umfeld.

Es ist gerade eine Phase relativer Ruhe. Kein aktueller Skandal rüttelt die Senatskanzlei durch. Auch keine Rücktrittsforderung der Opposition macht Wowereit zu schaffen. Sein Rücktritt sieht aus wie ein Rückzug aus freien Stücken.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die Umfragewerte der Berliner SPD sind im Keller. Seit gut einem Jahr liegt die SPD im besten Fall gleich auf, ansonsten aber deutlich hinter der CDU. Das liegt nicht etwa an der guten politischen Arbeit der CDU. Es liegt an Wowereit. An ihm ganz allein.

Vom Party-Wowi zu Pannen-Wowi

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Wowereit war eine zeitlang gefühlt der nächste Kanzler

Sein Rücktritt kommt zum richtigen Zeitpunkt. Vor allem für ihn persönlich. Er hätte kaum noch eine Chance gehabt, im Herbst 2016 erneut gewählt zu werden. Spätestens mit Beginn des Pleiten-, Pech- und Pannen-Chaos am Berliner Flughafen vor etwas über zwei Jahren sinkt Wowereits einst schillerender Stern am Berliner Himmel.

Wowereit war zeitweise ein Popstar der Politik, gefühlt schon der nächste Kanzler. Zwei Sätze werden mit ihm verbunden: Er sei schwul und das sei "auch gut so", sagte er, als er sich 2001 erstmals hat zum Spitzenkandidaten der Landes-SPD küren lassen. Und: "Berlin ist arm, aber sexy."

In Berlin wurde er dafür gefeiert. Er hat das Lebensgefühl vieler Berliner getroffen. Wowereit hat gerne damit kokettiert, anders zu sein als andere Landeschefs. Er wollte nicht der gutmütige Landesvater sein, der schon alles richten wird. An manchen Tagen sah sein Terminkalender aus wie das Wochenend-Programm einer der tausenden Junggesellen-Abschieds-Truppen, die täglich in Berlin einfallen: Party an Party reihte sich da.

Aber er machte Fehler. Vor allem die Krise um den Berliner Flughafen bekam er nicht in den Griff. Er war Chef des Aufsichtsrates, ist es heute wieder. Aber er will nicht mitbekommen haben, dass auf der Riesenbaustelle gehörig etwas schieflief. Noch wenige Wochen vor dem offiziellen ersten Eröffnungstermin Ende Mai 2012 lobte Wowereit den Bau in den höchsten Tönen. Am 8. Mai 2012 wurde die Eröffnungsfeier abgesagt.

Er wollte die Flughafen-Krise aussitzen

Mit diesem Tag begann auch Wowereits endgültiger Abstieg. Er reagierte launisch und in den Augen vieler Berliner uneinsichtig. Jedenfalls war er nicht bereit, für den Pannen-Flughafen die Verantwortung zu übernehmen. Letztlich wurde ihm die Schuld für die Misere auch von jenen in die Schuhe geschoben, die selbst tief im Morast standen.

Wowereit wollte die Krise aussitzen. Aber der Flughafen kam nicht aus den Schlagzeilen heraus. Immer neue Skandale, immer neue Verschiebungen. Und Schuld war immer Wowereit. Es war sein Traum, den Flughafen Berlin-Brandenburg noch im Amt eröffnen zu können. Daran glaubt er wohl selbst nicht mehr.

Unbeliebter als heute war lange kein Regierender Bürgermeister von Berlin mehr. Wowereit verlässt sein Amt am Tiefpunkt seiner politischen Karriere. Aber immerhin erhobenen Hauptes und weitgehend zu einem selbstgewählten Zeitpunkt. Mehr war für ihn wohl nicht mehr drin. Jetzt kann er zusehen, wie in der SPD um die Nachfolge gekämpft wird. Womöglich gibt es einen Mitgliederentscheid. Eines ist aber jetzt schon klar: Von Wowereits einstigem Format sind alle möglichen Kandidaten noch weit entfernt.