Annette Schavan im Porträt Leise Karriere einer unprätentiösen Politikerin

Knacks in der Karriere: Das Foto zeigt Schavan im Jahr 1993.

(Foto: dpa)

Sie stemmte sich gegen mehr Gymnasiasten und hielt lange am Modell der Hauptschule fest: Mit Annette Schavan scheidet eine langjährige Ministerin aus dem Amt - ein herber Rückschlag auch für eine enge Vertraute.

Mit dem Rücktritt von Annette Schavan erleidet Bundeskanzlerin Angela Merkel einen doppelten Verlust. Zum einen hatte sich Schavan ein erhebliches Ansehen in der deutschen Forschungs- und Bildungslandschaft erarbeitet. Zum anderen war die Bundesbildungsministerin auch innerhalb der CDU eine Stütze im Machtsystem der ostdeutschen Protestantin Merkel.

Die Vertrautheit beider entsprang nicht nur der Tatsache, dass beide Frauen fast dasselbe Alter haben, einen starken Bezug zur Religion und sich in Männerdomänen durchsetzen mussten. Merkel und Schavan einte auch ein eher unprätentiöser und leiser Politikstil und eine Vorliebe für Forschungsthemen, was Schavan stetig steigende Etats sicherte.

Am Samstag dann eine gemeinsame Erklärung der Parteifreundinnen, in der die 57-jährige Bundesbildungsministerin ihren Rücktritt verkündet: "Wenn eine Forschungsministerin gegen eine Universität klagt, dann ist das mit Belastungen verbunden für mein Amt, für das Ministerium, die Bundesregierung und auch die CDU. Und genau das möchte ich vermeiden, das geht nicht, das Amt darf nicht beschädigt werden."

Noch nie war ein Bundesbildungsminister so lange im Amt wie Schavan. Und noch ein weiterer Superlativ wird in Erinnerung bleiben: Noch nie hatte ein Bundesminister für Bildung und Forschung soviel Geld zur Verfügung. Doch die Bilanz, ob mit diesem Geld auch die richtigen Anstöße gegeben wurden, ist politisch äußerst strittig.

Die milliardenschwere Exzellenzinitiative ihrer Amtsvorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD) zur Stärkung der Spitzenforschung setzte sie erfolgreich fort. Mehrere andere Projekte, wie etwa das von ihr unter FDP-Druck auf den Weg gebrachte "Deutschland-Stipendium" für besonders leistungsstarke Studenten, kommen dagegen aus den Anlaufproblemen nicht hinaus. Die überfällige Bafög-Erhöhung zur Breitenförderung schiebt Schavan dagegen schon im zweiten Jahr vor sich her.

Gegen mehr Gymnasiasten gestemmt

Kritiker vermissen eine Struktur in ihrer Bildungspolitik. Bevor Schavan 2005 den Ministerposten in Berlin übernahm, war sie zehn Jahre Kultusministerin in Baden-Württemberg - und obendrein Bildungssprecherin der unionsgeführten Bundesländer. In dieser Zeit stand sie für eine besonders konservative Bildungspolitik. Lange hielt Schavan an der Hauptschule fest, stemmte sich vehement gegen mehr Gymnasiasten, Abiturienten und Studenten.

Die vom Bund 2003 den Ländern angebotenen Milliarden zum Aufbau von Ganztagsschulen verspottete sie als "Suppenküchenprogramm". Das Bafög wollte die CDU-Politikerin komplett umwandeln in einen Mix aus Leistungsstipendien und Krediten - inklusive Studiengebühren. Mit dem neuen Amt in Berlin folgten auch schnell neue Einsichten.

Das mit der Föderalismusreform 2006 ins Grundgesetz eingefügte Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildung - an dem Schavan als Landesministerin maßgeblich mitgewerkelt hatte - engte nun ihren Spielraum stark ein. Schavan scheiterte mit ihrem Vorstoß, das Verbot mit einer Verfassungsänderung "light" wieder aufzulockern.

Schavan studierte katholische Theologie, Philosophie und Pädagogik in Bonn und Düsseldorf. Ihre Doktorarbeit ist ihr einziger Studienabschluss. Ihre Berufslaufbahn startete sie bei der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk in Bonn.

Auch in der CDU machte Schavan schnell Karriere. Von 1998 bis 2012 war die enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel Partei-Vize. Ende 2004 unterlag Schavan in Baden-Württemberg bei einer CDU-Mitgliederbefragung über die Nachfolge des vorzeitig ausgeschiedenen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU).