Personen machen Geschichte: Diese Form der personalistischen Sicht auf die Geschichte ist zwar nicht modern, aber trotzdem nicht ganz falsch. Natürlich ist der Begriff "machen Geschichte" zu simpel und zu apodiktisch, weil die gesellschaftlichen und politischen Umstände, weil die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen, weil also Interessen und Strukturen sich als treibende Kräfte in der großen und der kleinen Politik erweisen. Personen können gegen diese Tendenzen auf Dauer nicht agieren.

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In der großen Politik wäre aber vor zwanzig Jahren die deutsche Einheit nicht so glatt gegangen, wenn sich nicht einerseits der CDU-Kanzler Kohl und sein FDP-Außenminister Genscher, und andererseits Kohl mit dem Kreml-Chef Gorbatschow sowie Genscher mit seinem sowjetischen Kollegen Schewardnadse so gut verstanden hätten.

"Männer machen Geschichte", hat der Historiker Heinrich von Treitschke vor 130 Jahren gesagt; hätte er Margret Thatcher und Angela Merkel schon erlebt, würde er Frauen miteinbezogen haben. Wenn man aber Geschichte schon personalistisch betrachtet, dann sind die Beziehungen zwischen den Personen oft noch wichtiger als die einzelnen Personen. Das gilt auch für Koalitionen: Koalitionen sind Bündnisse auf Gedeih, nicht auf Verderb. Persönliche und politische Anziehung ist nicht unbedingt Voraussetzung für eine gedeihliche Koalition. Abstoßung aber führt zu ihrem Verderb.

Persönliche Abstoßungsreaktionen führen derzeit dazu, dass die angeblich natürlichen Bündnispartner Rot, Rot und Grün nicht zueinander finden. Es herrscht Zoff im linken Lager, so etwas wie ein politischer Lagerbürgerkrieg.

Solange der dauert, geht es der Union besser, als es ihr angesichts schwindender Wählerzustimmung eigentlich gehen dürfte. Der Streit im linken Lager macht vorübergehend vergessen, dass die CDU im Saarland und in Thüringen furchtbar verloren hat. Die Grünen können das Weberschiffchen spielen, das zwischen SPD und CDU hin- und hersaust und die Polit-Muster in Deutschland verändert.

Schwarz-Grün ist seit eineinhalb Jahren in Hamburg etabliert. Es ist ein Bündnis der arrivierten mit der alternativen Bürgerlichkeit. Eine schwarz-grün-gelbe Koalition brächte nun ein weiteres Element hinzu: das Bündnis der alten und der neuen Liberalen. Und die linken Bündnisse? Sie werden kommen, brauchen aber noch Zeit. Die deutsche Einheit wird dann vollendet sein, wenn es irgendwann auch Bündnisse zwischen der CDU und den Linken gibt.

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  1. Zoff im linken Lager
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(SZ vom 12.10.2009/lala)