Sondierungsgespräche in Thüringen: Sozialdemokraten, Linke und Grüne nähern sich an - doch auch die neue CDU-Spitze soll sich um die SPD bemühen.
SPD, Linkspartei und Grüne sind sich bei einem ersten Gespräch über eine mögliche Regierungsbildung in Thüringen ein Stück nähergekommen. Der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow, und SPD-Landeschef Christoph Matschie äußerten sich nach der rund zweistündigen Unterredung in Weimar sehr zufrieden. SPD und Linke hätten den Grünen ein gemeinsames Angebot gemacht, sagte Matschie. Letztere wollen nach den Worten von Vorstandssprecherin Astrid Rothe-Beinlich nunmehr die Parteibasis über die Aufnahme formeller Sondierungsgespräche entscheiden lassen.
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Bodo Ramelow, Spitzenkandidat der Linken für das Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen, in Weimar. (© Foto: AP)
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Grünen-Vorstandssprecherin Rothe-Beinlich sagte nach dem ersten Dreiertreffen, die Gespräche mit SPD und Linkspartei seien ein "sehr interessanter, sachlicher, sehr ernsthafter Austausch" gewesen. "Jetzt werden die Gremien entscheiden, ob wir in Sondierungsgespräche eintreten werden", kündigte sie an. In Weimar habe man zunächst ein Grundsatz- und noch kein Sondierungsgespräch geführt.
Ziel: Politikwechsel
Inhaltliche Fragen seien nicht besprochen worden, sagte SPD-Verhandlungsführer Christoph Matschie. Ziel sei eine tragfähige Mehrheit für die Regierung in den nächsten Jahren. "Unser Ziel ist der Politikwechsel in Thüringen", sagte Linken-Spitzenkandidat Ramelow. Dafür hätten alle drei Parteien die gemeinsame Verantwortung.
Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir äußerte sich im Hamburger Abendblatt jedoch skeptisch über eine Regierungsbeteiligung seiner Partei in Thüringen. "Die Grünen dort werden sich Gesprächen mit der SPD und Linkspartei nicht verweigern. Fraglich ist allerdings, wozu wir gebraucht werden, da Rot-Rot eine eigene Mehrheit hat", wird er zitiert.
"Große Erleichterung"
In Erfurt tagte gleichzeitig die CDU-Landtagsfraktion in Anwesenheit des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Bei den Abgeordneten stieß die Benennung von Sozialministerin Christine Lieberknecht als neue Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidentin auf große Zustimmung, wie es nach der Sitzung hieß. Sie will sich in weiteren anstehenden Gesprächen mit der SPD um die Bildung einer schwarz-roten Landesregierung bemühen.
In der CDU-Fraktion herrsche "große Erleichterung, dass die personellen Fragen endlich geklärt sind". Es gehe nicht um einen Machtwechsel, sondern darum, mit dem neuen Führungsteam sehr vernünftige Sondierungsgespräche mit der SPD zu führen. Die CDU habe mit den Entscheidungen der vergangenen Tage alle Voraussetzungen geschaffen, dass diese Gespräche erfolgreich beendet werden können.
Über die künftige Rolle von Althaus in der neuen Fraktion besteht nach den Worten Diezels noch Ungewissheit. Fraktionschef Mohring sagte, er erwarte nicht, dass Althaus eine besondere Funktion übernehmen werde. Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski äußerte im Bayerischen Rundfunk die Erwartung, dass es mit Lieberknecht als Regierungs- und Diezel als Parteichefin einen anderen Politikstil als unter Althaus geben werde.
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(AP/ehr)
Führungsstreit der Linken
Herr Maschie will ja wohl nicht einen politischen Neueanfang mit der CDU wagen ? Das wäre auch keiner. Der einezige Neuanfang ist dieses Dreierbündniss. Wenn ich in den Medien und auch hier höre, es wäre eine dünne Mehrheit kann ich nur lachen. Herr Schröder hat mit einer Stimme Mehrheit in Niedersachensen regiert, ebenso Herr Koch in Hessen. Also wo ist das Problem? Ein politisacher Neuanfang ist auch aufgrund der derzeitigen Krise, die die Neoliberalen zu verantworten haben, das Gebot der Stunde. Für mehr soziale Gerichtigkeit in unserem Land.
Eine Rot-rote Koalition braucht die Grünen nicht. Allerdings sind nur eine Stimme Mehrheit im Parlament doch sehr dünn. Fallen im Lauf der Legislaturperiode Abgeordnete aus (wie auch hier in Berlin geschehen) dann kann es eng werden.
Wer die Grünen wirklich braucht, das ist Matschie. Kommt es in der Koalition zum Streit, dann kann sich die Minderheitspartei SPD gegen die Mehrheitspartei ( die Linke) nur mit Hilfe der Grünen behaupten.
Hier in Berlin sind die Grünen zwar nicht an der Regierung beteiligt, trotzdem gibt es genügend Beispiele für die Unterstüzung der Regierungposition durch die Grünen.
"3. Einfluss der Linken geschmälert"
Im Gegenteil, sogar gestärkt, wenn man stärkste Fraktion in der Regierung ist und nicht nur Opposition ist.
und Richtungsentscheidend für die SPD, zumindest in Thüringen und im Saarland.
Sieht man sich den Bundestagswahlkampf und den Wahlkampf in Thüringen der SPD an, sieht man dass die SPD sich zurück nach Links bewegt. Meint es die SPD ernst mit ihren Forderungen kommt Sie auf lange Sicht nicht um eine Koalition mit der Linken herum. Aber vielleicht ist ja auch nur Wahlkampf und morgen ist wieder alles anders....
Weiter so! mit einer Koalition mit der CDU, dann schafft die Linke bei der nächsten Wahl die 30% in Thüringen.
Der Vorschlag Ramelows eine(n) Dritte(n), parteilose(n), zum MP zu machen ist ein interessanter Vorschlag, bei dem beide Parteien das Gesicht wahren könten. Die Grünen mit ins Boot zu holen wäre ein Schachzug.
1. stabile Verhältnisse (man zittert sicher vor "Hessischen Verhältnissen")
2. ein Test für Rot-Rot-Grüne Optionen auf Bundesebene 2013
3. Einfluss der Linken geschmälert
Gehts schief, kann man glaubhaft die Linke prügeln und sich in eine GroKo retten... wärum also nicht darüber reden und evtl. wagen?
...muss man den Verzicht auf den MP-Posten! Es scheint ihm wirklich darum zu gehen, die Inhalte seiner Partei umzusetzen.
Wie auch immer man zu diesen Inhalten steht - ich persönlich halte sie für gefährlich und naiv - diese Anerkennung hat Ramelow verdient und sie stünde so manchem Gockel (Koch, Huber, Kohl) gut zu Gesicht, der an seinem Posten klebte und damit die Politk seiner Partei schädigte.
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