Im rot-grünen Lager wartet man noch ab. Gar zu trefflich überdeckt das "Gehänge und Gewürge" (SPD-Generalsekretär Olaf Scholz) beim politischen Gegner die Reformdiskussion und das Wundenlecken der Sozialdemokraten nach der Wahlschlappe in Hamburg.
Im SPD-Parteipräsidium mahnte Gerhard Schröder am Montag denn auch die eigenen Leute zur Zurückhaltung. Keine Spekulationen, keine Namen - bloß nicht vom Leid der Opposition ablenken.
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Seit Montag abend allerdings sind SPD und Grüne zumindest Teil des Spiels geworden. Da kreuzte nämlich FDP-Chef Guido Westerwelle im Kanzleramt auf, und tags darauf bei Grünen-Chef Reinhard Bütikofer.
Zweck des Besuches: Der FDP-Chef wollte sondieren, ob es für einen liberalen Kandidaten die Unterstützung der Koalition geben könne.
Dem Vernehmen nach bezeichnete Westerwelle Fraktionschef Wolfgang Gerhardt als seine persönliche Präferenz.
Da dies bei Rot-Grün als wenig aussichtsreich gilt, brachte Westerwelle auch den Namen der früheren Ausländerbeauftragten Cornelia Schmalz-Jacobsen ins Spiel.
Wie bekanntwurde, ließen sowohl der Kanzler als auch Bütikofer eine Entscheidung offen.
Wahrscheinlichkeitsfaktor Schmidt
Sollten Union und FDP allerdings doch noch gemeinsam Wolfgang Schäuble präsentieren, wird Rot-Grün einen eigenen Kandidaten aufstellen, genauer gesagt: eine eigene Kandidatin.
Denn die Forderung nach einer Frau, die Schröder bereits im Herbst 2003 erhoben hat, steht ziemlich unumstößlich im Raum und wird auch von den Grünen unterstützt.
Für die Betroffene wäre das eine undankbare Aufgabe, da sie mit größter Wahrscheinlichkeit nur als Zählkandidatin fungieren würde. Eine Chance, gewählt zu werden, hätte sie nur, wenn die Entscheidung für Schäuble viele FDP- und Unions-Abgesandte in der Bundesversammlung so verstimmen würde, dass sie das Lager wechseln könnten.
Am wahrscheinlichsten wäre für diesen Fall eine Kandidatur von Renate Schmidt. Sie hat Schröder nach der Bundestagswahl 2002 schon einmal ausgeholfen, als der Kanzler zunächst keine Frau für das Familienministerium fand.
(SZ vom 3.3. 2004)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev