Rot-Grün gewinnt in Niedersachsen Zweite Chance für Steinbrück

Beinahe hätte der Kanzlerkandidat den Genossen in Niedersachsen den sicher geglaubten Sieg verhagelt. Die knappe Mehrheit für Rot-Grün ist auch für Peer Steinbrück ein großes Glück, denn nun kann er seine Kandidatur aufpäppeln. Falls er das Signal von Hannover gehört hat.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Nicht mal Peer Steinbrück hat es am Ende geschafft, SPD und Grünen ihren Sieg zu nehmen. Knapp war es. Verdammt knapp. So knapp, dass Rot-Grün jetzt mit einem Sitz mehr als die neue schwarz-gelbe Opposition im hannoverschen Landtag Niedersachsen regieren kann.

Besser wäre allerdings, von der grün-roten Koalition zu sprechen. Ohne die Grünen wäre es dazu nicht gekommen. Mit 13,7 Prozent haben sie ihr bestes Wahlergebnis in Niedersachsen eingefahren. Und im Gegensatz zur FDP können sie darauf verweisen, dass dafür so gut wie keine Leihstimmen nötig waren.

Steinbrück hätte die SPD mit seinen Vortragshonoraren und Kanzlergehaltsspekulationen beinahe gegen die Wand gefahren. Gut für Stephan Weil, den SPD-Spitzenmann in Niedersachsen, dass er sich die Qual nicht hat anmerken lassen, die ihm mit Steinbrück aufgebürdet wurde. Diese Zurückhaltung dürfte ihm den Respekt mancher Wähler eingebracht haben.

Steinbrück hat Glück gehabt, dass es doch noch reicht für Rot-Grün. In jedem anderen Fall wäre die Debatte um seine Person womöglich eskaliert. Das Wahlergebnis führt nun dazu, dass der Schuss nicht traf, sondern knapp vor dem Bug einschlug. Jeder weiß, dass die SPD ohne ihn vermutlich besser dastünde.

Die Debatte darüber ist allerdings müßig. Neben Steinbrück gibt es derzeit weit und breit keinen ebenbürtigen und dazu noch willigen Ersatzkandidaten. Die SPD wird mit Steinbrück leben müssen. Die Sozialdemokraten können nur hoffen, dass ihr Kandidat das Signal von Hannover gehört hat. Eine Kanzlerkandidatur ist keine One-Man-Show für Ego-Shooter. Sondern immer ein Teamspiel. Nicht er braucht Beinfreiheit. Die Partei braucht sie. Es ist Steinbrück, der sich glaubhaft anpassen muss. Das hat er bisher nicht wahrhaben wollen.

Wenn er jetzt die Kehrtwende schafft, dann kann er die Honorare schnell vergessen machen. Dann hat Rot-Grün eine Chance, die Bundestagswahl zu gewinnen. Nicht trotz, sondern vielleicht sogar wegen Steinbrück.