Romney legt Steuererklärung vor Millionen für Mormonen

Romney verdient immer noch an Bain Capital: Vergangene Woche berichtete der Sender ABC, dass Romney Millionen Dollar in Bain-Fonds auf den Cayman Islands in der Karibik angelegt hat. Mit einer gewissen Chuzpe ließ der einen Sprecher verkünden, dass er auf diese Investitionen - in einem berüchtigten Steuerparadies - die gleichen Abgaben zahle, die in den USA fällig wären.

Romneys Geld ist also gut angelegt und vermehrt sich ordentlich. Das Vermögen, dass er bei Bain machte, konnte er wohl schon damals niedrig versteuern. Private-Equity-Kapitalgesellschaften sammeln Geld von privaten oder institutionellen Investoren ein. Mit dem Geld investieren sie in andere Unternehmen oder kaufen sie ganz auf - um sie dann umzubauen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Da das Geld von Investoren geliehen ist - und damit als Schulden gilt - können sie noch mal Steuern sparen, weil Zinsen auf Schulden nur reduziert besteuert werden. Hedgefonds und Private-Equity-Firmen werden von Kritikern als "Heuschrecken" kritisiert, die keinerlei langfristiges Interesse an den gekauften Unternehmen und deren Angestellten hätten.

Private-Equity-Manager wie Romney erhalten einen Großteil ihres Gehaltes als carried interest: Übersteigt der Gewinn aus dem Firmenverkauf eine bestimmte Hürde - meist etwa acht Prozent - werden sie üblicherweise mit weiteren 20 Prozent am Profit beteiligt, den sie mit dem Geld fremder Investoren erzielt haben. Das führt nicht nur zu astronomischen Einnahmen: Der Staat sieht dieses Geld auch nicht als Einkommen an, für das 35 Prozent Einkommenssteuer fällig wären. Stattdessen wird dieses Geld behandelt wie Zinsen und besteuert wie Einnahmen auf einem Sparbuch: mit 15 Prozent.

Romney hatte zunächst in Aussicht gestellt, seine Steuern erst im April offenzulegen. Daraufhin warfen ihm seine Gegner vor, darauf zu spekulieren, dass bis dahin bereits eine Vorentscheidung gefallen sein könnte. Vor allem Gingrich witterte nun seine Chance und setzte Romney mit der Veröffentlichung seines eigenen Einkommens von drei Millionen Dollar unter Druck. Allerdings hat auch Gingrich ein Problem: Zwar zahlt er einen höheren Steuersatz als Romney, doch er setzt sich dafür ein, die Kapitalertragssteuer komplett abzuschaffen. Romney will sie nur reichen Amerikanern ersparen, die mehr als 200.000 Dollar im Jahr verdienen.

Beide argumentieren klassisch konservativ-wirtschaftsliberal: Wer die Kapitalisten niedrig besteuert, ermöglicht ihnen Investitionen, die wiederum Schwung in die Wirtschaft bringen und dringend benötigte Jobs schaffen.

Die Veröffentlichung der Steuererklärung hatte sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Romney hatte versucht, vorzubauen und darauf gedrängt, auf die wohltätigen Spenden seiner Familie in den Dokumenten zu achten. Das Weiße Haus wies vergangene Woche genüsslich darauf hin, dass ausgerechnet Romneys Vater George diese Tradition begründete. Er bewarb sich 1968 erfolglos um die Kandidatur der Republikaner und gewährte der Öffentlichkeit damals Einsicht in seine Steuerunterlagen der vergangenen zwölf Jahre.

Seit 2010 hat Romney sieben Millionen Dollar für wohltätige Zwecke ausgegeben, mindestens vier Millionen an die Mormonenkirche. Die Religionsgemeinschaft erwartet von ihren Mitgliedern, ein Zehntel ihres Einkommens an die Kirche abzuführen. Romney hat in den vergangenen zwei Jahren 800.000 Dollar mehr gespendet, als er an den amerikanischen Staat abgeführt hat.