Roman Herzog präsentiert neues Buch Ein Weckruf für Deutschland

Es sind zwar einfache Wahrheiten, die Alt-Bundespräsident Herzog und seine Mitstreiter in dem Buch "Mut zum Handeln" zu verkünden haben. Doch sie treffen den Nerv der Zeit. 600 Seiten über die Orientierungslosigkeit der Bürger und warum der Politik der Mut fehlt.

Es sind einfache Wahrheiten, die Alt-Bundespräsident Roman Herzog, Vorsitzender des Vereins "Konvent für Deutschland", und seine Mitstreiter im ihrem Buch "Mut zum Handeln" zu verkünden haben. Elf Jahre nach seiner berühmten "Ruck"-Rede beklagte er den mangelnden Reformwillen im Land.

Alt-Bundespräsident Herzog und Wolfgang Clement präsentieren das Buch "Mut zum Handeln". Foto: dpa

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Für das Buch, das im Campus-Verlag erschienen ist und heute in Berlin vorgestellt wurde, hat Herzog eine Reihe namhafter Journalisten gewinnen können, die Deutschlands selbsternannte Reformer-Elite interviewte. Revolutionäre Statements lies sich die Elite jedoch nicht entlocken. Dafür wurde viel wehgeklagt über den Reformstau im Land.

SZ-Chefredaktuer Hans Werner Kilz etwa befragte in dem Buch Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Dieser bemängelt, dass der von ihm geforderte Mentalitätswechsel in Deutschland nicht stattgefunden habe, dass die Leute "keine klare Orientierung" mehr hätten, weil etwa ein CDU-Politiker wie Jürgen Rüttgers inzwischen versuche, den SPD-Chef Beck links zu überholen.

Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel fordert auf dem Podium eine "Reform der Reformfähigkeit", was so viel heißen soll wie: Am besten soll Deutschland nur noch alle fünf Jahre wählen. Und: Am besten sollte man auch alle Wahlen, egal ob auf Landes- oder Bundesebne, auf den gleichen Wahltermin legen.

Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bezeichnete das Buch als eine Art "Weckruf", um Deutschland aus der Reformstarre zu befreien. Erst wenn Deutschland wieder auf Reformfähigkeit eingestellt sei, hätte Mut auch wieder Platz.

Der Sozialdemokrat, der einem Parteiausschluss kürzlich nur knapp entgangen war, beklagt eine "Gesetzesflut im Übermaß" und fordert, die Eigeninitative der Bürger zu fördern.

Außerdem outet er sich in dem mehr als 600 Seiten starken Buch als Anhänger des Mehrheitswahlrechts. Dabei ziehen nur solche Kandidaten in das Parlament ein, die in ihrem jeweiligen Wahlkreis die Mehrheit an Wählerstimmen auf sich vereinigen konnten. Alle anderen Stimmen verfallen.

Alt-Bundespräsident Herzog sagt schließlich auf die Frage, wie denn das Volk für die Konvent-Ideen begeistert werden könne: "Das Volk folgt. Das sagt ja schon der Name". Wenn nur alles so einfach wäre.