Der türkische Premier Erdogan wütet gegen Israel, doch er sollte sich stattdessen als Friedensstifter profilieren - wenn ihm an einer künftigen Regionalmacht Türkei gelegen ist.
Eine Atempause wäre jetzt hilfreich, ein Moment der Mäßigung. Der türkische Zorn nach dem Tod von neun Hilfsaktivisten durch den Angriff israelischer Soldaten ist verständlich. Und doch sollte die Regierung in Ankara in ihrer Rhetorik einen Gang zurückschalten.
Bild vergrößern
Ein türkischer Demonstrant verbrennt in Istanbul die israelische Flagge: Ein Teil der Bevölkerung sonnt sich derzeit in dem Beifall, der dem Land aus der arabischen Welt entgegenschallt: die Türkei, Kämpferin für eine gerechte Sache; Premier Erdogan, Held der Palästinenser. (© afp)
Anzeige
Premierminister Tayyip Erdogan muss aufpassen, dass er nicht in die Falle tappt, die sich da vor ihm auftut. Er darf die Welle der nationalistischen Empörung, auf der er reitet, nicht noch verstärken.
Das mag gegen die Instinkte Erdogans gehen, der sich nicht bloß moralisch im Recht fühlt in seinem Zorn gegen die "Staatsterroristen" in Tel Aviv, sondern der auch Volkstribun genug ist, um dem Wahlvolk die Parolen zuzuwerfen, nach denen es hungert. Sich zurück zuhalten, läge dennoch in seinem eigenen Interesse.
Seit Erdogans harter Kritik an Israels Gaza-Invasion Anfang 2009 versuchen die Kritisierten umgekehrt die Regierung Erdogan als islamistische Gefahr abzustempeln. Das ist eine Propagandaschlacht, kalkulierte Angstmache, ein Zerrbild: Erdogan ist kein Islamist, er ist ein begnadeter Populist und ein gnadenloser Pragmatiker.
Bei keinem anderen Thema findet Erdogan in der Türkei quer durch alle Lager so viel Anklang wie mit seiner Kritik an Israels Palästinenserpolitik. Das hat mit einer angeblichen Islamisierung der Türkei zwar nichts zu tun, aber Erdogan und das ganze Land müssen sich darauf einstellen, dass die Islamismusvorwürfe nun zunehmen.
Ein Teil der Bevölkerung sonnt sich derzeit in dem Beifall, der dem Land aus der arabischen Welt entgegenschallt: die Türkei, Kämpferin für eine gerechte Sache; Erdogan, Held der Palästinenser. Schon sehen einige hier die Türkei als "den neuen großen Bruder" in der Region.
Aber solcher Jubel könnte bald verstummen, wenn wahr werden sollte, was einige prophezeien: dass die Türkei durch den israelischen Angriff nicht länger nur Beobachter und Vermittler, sondern "Partei" geworden sei. Das aber wäre fatal. Was die Türkei bislang so wertvoll machte, auch für die Vereinigten Staaten, auch für die Europäische Union, war die Tatsache, dass sie eben nicht Partei war. Dass sie Kontakt hatte zu Palästinensern wie Israelis.
Seit dem Wahlsieg der Hamas im Gazastreifen hat Erdogan gegenüber dem Westen darauf beharrt, dass es keine Lösung geben könne ohne Gespräche mit der Hamas. Dafür bezog er viele Prügel, aber er hat Recht.
Nun könnte die Türkei sich umgekehrt beweisen. Wenn durch die traurigen Ereignisse der letzten Woche das Prestige der Türkei unter den Palästinensern tatsächlich gewachsen ist - dann sollte die Türkei ihren Einfluss nun nutzen, der Hamas endlich die Zugeständnisse abzuringen, die Israel zu Recht verlangt: eine Anerkennung seines Existenzrechts, ein Ende der Raketenangriffe.
Das wäre zwar das Gegenteil von dem, was der türkische Volkszorn im Moment verlangt - aber es wäre ein großer Stein im Fundament einer zukünftigen Regionalmacht Türkei.
- Israel: Abschiebung von Friedensaktivisten Kurzer Prozess 06.06.2010
- Israel entert Frachter Voll auf Angriff 05.06.2010
- Angriff auf Gaza-Flotte: Mankell berichtet Bestürzt und bestohlen 04.06.2010
- Israelischer Angriff auf Gazakonvoi Biden sieht Israel im Recht 03.06.2010
- Netanjahu nach Angriff auf Hilfskonvoi "Es war eine Flotte des Hasses" 03.06.2010
- Schießerei in Istanbuls Touristenviertel Polizei tötet Angreifer am Topkapi-Palast 30.11.2011
- Türkei erhöht Druck auf Syrien Erdogan fordert Assad zum Rücktritt auf 22.11.2011
(SZ vom 07.06.2010/pak)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
...egal, was die Türkei oder sonstwer was auch immer sagt/tut.Die Türkei hat höchstens sekundär einen Hebel, mit dem sie bei den USA ansetzen kann: der strategische Aspekt der Türkei für die US-Militäraktionen, dessentwegen die USA die Türkei ein wenig hofieren müssen.
In der New York Times vom 4.Juni (online) ist ein höchst lesenswerter Artikel zu finden:
Helen Cooper: Washington Asks:What to Do About Israel.
Dem Artikel kann man entnehmen, daß sich die Stimmen derer mehren, die sagen, daß die unverbrüchliche Bündnistreue der USA, die alles gutheißt oder zumindest hinnimmt, was Israel dem mächtigen Protektor serviert, inzwischen eine Belastung für die amerikanische Politik geworden und daß Israel in der Bilanz nicht ein "Aktivposten"(asset), sondern inzwischen eine gegen die ureigenen Interessen der USA gerichtete Verbindlichkeit (liability) sei. Im Artikel werden drei Optionen aufgezeigt für die zukünftige amerikanische Haltung zu Israel , eine davon: Abwendung von einem Partner, der den USA nur Probleme bereite.
ist auch keine Einbahnstrasse. Die Äußerungen des Netanjahus sind nicht gerade einladend an die Türkei die Töne zu mäßigen, in dem er von der Hass Flotte spricht und die andere Flotte als die der Liebe.
Schließlich muss er auch daran interessiert sein nach dem Desaster, für die er und seine Kabinett verantwortlich sind, die Wogen zu glätten und eine echte Entschuldigung und Entschädigung ist das mindeste.
hat nicht geholfen. Israel hat die Verhandlungen mit Syrien abgebrochen, weil die neue Regierung wollte die Verhandlungen vom Punkt Null wieder anfangen.
Die Vermittler Rolle wird auch nichts bringen solange Israel nicht bereit ist, das illegal eroberte Gebiet an Syrien und Palästina zurückzugeben. Und zwar ohne jedfe Vorbedingungen, die man schon im Vorfeld weiß, diese werden nicht erfüllt.
Die Türkei hat das Recht auf Bestrafung der Schuldigen zu bestehen, denn dies würde ISrael genauso, sogar in die eigene Hand nehmen, wenn der Fall umgekehrt wäre.
Und im Übrigens, man ist nicht Islamist wenn man auf das Recht pocht, weil man sonst jemand ärgert.
türkische staatsbürger werden massakiert in internationalen gewässern, entführt und hunderte staatsbürger als geiseln gehalten und der türkische ministerpräsident soll neutral bleiben? ergibt das irgendeinen sinn?!
Paging