Roland Koch "Nur wer den Pranger aushält, überlebt die Politik"

Klare Worte zum Abschied: Klare Worte zum Abschied: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch über seine Fehler, seinen Rücktritt und warum er von Joschka Fischer profitiert hat.

Interview: Heribert Prantl und Marc Widmann

Roland Koch, 52, begann seine politische Karriere schon mit 14 Jahren. Da gründete er eine Ortsgruppe der Jungen Union in seiner Heimatstadt Eschborn. Von 1998 bis 2010 war der Jurist Landesvorsitzender der CDU in Hessen, seit 1999 ist er hessischer Ministerpräsident. Am 25. Mai gab Koch ("Politik ist nicht mein Leben") überraschend seinen Rückzug aus der Politik bekannt. Er wolle künftig in der Wirtschaft tätig werden. Am 31. August legt er nun sein Ministerpräsidentenamt nieder. Mit der Süddeutschen Zeitung sprach der Politiker über sein Leben in der Politik.

Roland Koch tritt zurück: "Wer mit 14 anfängt ist kein Weichei, wenn er nicht bis 75 durchhält."

(Foto: ddp)

Roland Koch über...

... seinen Rückzug und welche Rolle die Frage, was als Nächstes kommt, dabei gespielt hat.

"Man kann bei so einer Überlegung keine Facette ausblenden. Ich frage mich aber: Muss man in der Politik wirklich den Anspruch haben, richtig gut ist man nur, wenn man sehr früh anfängt und bis ganz spät bleibt? Meine amerikanischen Freunde verstehen diese ganze Diskussion nicht. Weil sie den Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft selbstverständlich finden. Wir sollten nicht jeden zum Weichei erklären, wenn er nicht wie ich mit 14 angefangen hat und nicht durchhält bis zum 75. Geburtstag."

...die "Hassfigur" Roland Koch.

"Nach meinem Verständnis von Demokratie muss es die Debatte über kontroverse Themen gerade da geben, wo die Menschen emotional sind. In der Diskussion um Zuwanderung oder Staatsbürgerschaft habe ich häufig die These gehört, solche Themen müsse man aus Wahlkämpfen heraushalten. Das habe ich immer für Unsinn gehalten, für tendenziell demokratiefeindlich. Denn die Diskussionen müssen in der Politik geführt und auch ausgehalten werden. Sonst suchen Meinungen sich neue politische Kräfte, womöglich sogar extreme."

...sein Verhältnis zu den Medien.

"Ich habe einmal in einer Zeitung, die in meinem Heimatgebiet produziert wird, morgens ein Ausschnittspiel mit einem Kopf gefunden. Das Spiel bestand darin, mir den Hals umzudrehen, jeder Leser konnte das mal probieren. Diese Zeitung würde heute ohne meine später getroffene Entscheidung, ihr eine Bürgschaft zu geben, nicht mehr existieren. Aber ich habe keinen Grund, prinzipiell über die Presse zu lamentieren, nach dem Motto: Die sind alle unfair zu mir."

...die Schwarzgeldaffäre der hessischen CDU.

"Ich würde jegliche Äußerung vermeiden in einer Zeit, in der ich gerade einen Tatbestand aufkläre und deshalb öffentlich nicht alles sagen kann, was ich weiß. Meine öffentliche Erklärung, aus meiner Sicht sei in den Büchern alles in Ordnung, war ein schwerer Fehler. Alles andere ist kaum vermeidbar gewesen, weil ich in die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes hineingefallen bin und zu meiner Überraschung ein schlimmes Erbe angetreten hatte. Ich hatte keine Chance, irgendeine Vorgeschichte zu kennen, Zusammenhänge zu kombinieren. Das, was ich später entdeckt habe, war aus meiner Sicht alles unvorstellbar."

Das Stehaufmännchen sagt tschüss

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