In Rio de Janeiro eskaliert der Kampf zwischen der Polizei und den Drogenkartellen. Der Veranstaltungsort der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Spiele 2016 erstarrt in Angst und Schrecken.
Im Kino tobt die Schlacht um Rio de Janeiro schon seit Wochen. Mehr als zehn Millionen Brasilianer haben den zweiten Teil des Films "Tropa de Elite" gesehen, "Elitetruppe"; die Fortsetzung handelt wie die erste Folge vom Spezialkommando Bope und seinen Invasionen in Rios Armenvierteln. Die Wirklichkeit schien zuletzt friedlicher geworden zu sein, doch nun ist der Kampf mit den Drogendealern wieder entbrannt und versetzt den Veranstaltungsort von Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 in Angst und Schrecken. Seit Samstag bekriegen sich Militärpolizei und Verbrecher, bei Schießereien gab es in vier Tagen 23 Tote. Die meisten von ihnen waren sogenannte Traficantes, Rauschgifthändler, aber auch Unbeteiligte geraten zwischen die Fronten. Es geht um die Kontrolle der Cidade Maravilhosa, der Wunderbaren Stadt.
Drogenrazzia: Flucht in Rio
Anzeige
Begonnen hatte die neueste Auseinandersetzung am Wochenende, als Traficantes mit Brandbomben ein Panzerfahrzeug der Sondereinheit Bope anzündeten und sich mit den Polizisten beschossen. Das Duell ereignete sich in Vila Cruzeiro, einer von 1000 Favelas von Rio. Mindestens eine Million Menschen leben in den verschachtelten Siedlungen, oft in Sichtweite der reichen Stadtteile wie Ipanema, Leblon oder Botánico. In vielen Favelas bestimmt eine kriminelle Minderheit das Geschehen - und der Staat hält sich fern. Es folgten Angriffe auf Wachen und schießwütige Razzien der Polizei. Banden attackierten außerdem Zivilisten, auch auf der Autobahn Línea Vermelha zum internationalen Flughafen. Linienbusse und Autos gingen in Flammen auf. "Das ist ein Krieg", sagte Gouverneur Sérgio Cabral. "Und wie in jedem Krieg muss man Gebiete erobern, das tun wir."
Als Anlass der Gewalt gilt vor allem der Versuch der Regionalregierung, weitere Favelas zu besetzen und die Drogenbarone zu vertreiben. In 14 Konfliktgebieten hat Rios Verwaltung in den vergangenen zwei Jahren die Friedenseinheit UPP stationiert und in Infrastruktur investiert, vorausgegangen waren schwere Gefechte. In manchen Bereichen wurde es deutlich ruhiger. Bald sollen auch besonders unzugängliche Gegenden wie die Favelas Rocinha, Vidigal und Complexo do Alemao in den Hügeln gestürmt werden.
Dort herrschen die Drogenkartelle Comando Vermelho (Rotes Kommando) und Amigos dos Amigos (Freunde der Freunde). Angesichts der Bedrohung durch die Ordnungshüter haben sich die Erzfeinde offenbar fürs Erste verbündet. Gesteuert werden viele ihrer Aktionen aus dem Gefängnis, in Zellen war das Comando Vermelho einst entstanden. Mehrere Anführer sollen jetzt in abgelegene Haftanstalten verlegt werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Drogenkrieg RSS
- Rio de Janeiro Zwischen Strand und Slums 13.01.2010
- Rio de Janeiro Stadtbummel durch Armenviertel? 13.09.2010
- Obdachlosen-WM in Rio de Janeiro Turnier der guten Hoffnung 27.09.2010
- Drogenkrieg in Mexiko Nachdenken über das Undenkbare 26.08.2010
- Drogenkrieg in Mexiko "Wir bekämpfen sie frontal" 08.09.2010
Szene München
Beschaffungskriminalität. Alte Omas überfallen und ausrauben. Prostituierte, die nur für den nächsten Schuss anschaffen gehen, zur Freude ihrer Zuhälter. Dealer, die noch nie im Leben was gearbeitet haben, aber in Saus und Braus leben.
Von den Bossen mit ihren Paramilitärs (Motorradbanden bei uns) ganz zu schweigen.
Technisch und politisch problemlos umzusetzen. Zum Wohle Vieler – zum Nachteil Weniger.
Nicht wenige Grünuniformierte und andere Staatsdiener sind auf diese kriminelle Geschäfte angewiesen, um ihren ergaunerten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können, bzw. dass ihnen ihre Mädels nicht davon laufen.
Bis vor ein paar Jahren war Frankfurt/M und Berlin der Drogenumschlagsplatz, heute ist es Leipzig. Ab und zu werden auch Erfolge bei der Aufklärung vermeldet, vor allem dann, wenn diese Jungs denen in den grünen Uniformen in die Quere kommen.
Drogen haben schon unendliches Leid über die Menschheit gebracht. Drogen auf Rezept könnte auf Anhieb viele Probleme lösen. Nur die Staatsdiener müssten sich nach einem neuen (kriminellen) Zweitberuf umsehen. Doch diesen Nachteil könnte man doch in Kauf nehmen.