Richter im NSU-Prozess Im NSU-Verfahren entscheidet: Richter Götzl

Manfred Götzls Wutausbrüche treffen Zeugen, Rechtsmediziner und Psychiater. Einmal faltete er den bekannten Psychiater Norbert Leygraf zusammen, als ihm ein Gutachten als zu oberflächlich erschien. Nachlässigkeiten duldet er nicht. Er gilt als akkurat und detailversessen, als "Wahrheitssucher", wie ihn der Münchner Rechtsanwalt Steffen Ufer im Bayerischen Rundfunk nannte.

Der Mann weiß, dass er juristisch sehr beschlagen ist und lässt das andere spüren. Götzl kann unnahbar wirken, seine Stimme wird oft schneidend. "Er fordert Unterwerfung", sagt ein Verteidiger, der ihn in früheren Verfahren erlebt hat.

Man kann sich gut vorstellen, dass sich Götzl durch die Kritik daran, dass er keine türkischen Journalisten im Saal für den NSU-Prozess zuließ, sogar bestärkt fühlte. Getreu dem Motto: Wer die Paragrafen kennt, muss sich doch sonst keine Gedanken machen. So erklärte er dem türkischen Botschafter, er könne gerne zum Prozess kommen - er müsse sich eben anstellen wie alle anderen. Rechtlich ist das völlig korrekt, ein Preis in Diplomatie ist damit nicht zu gewinnen.

Auch für die Journalisten, die zugelassen wurden, hat sich der Mann besondere Vorschriften ausgedacht. Wer im Gerichtssaal ist, darf nicht raus, um zu berichten - oder er verliert sofort seinen Platz. Wer draußen ist, um zu berichten, weiß nicht, was drinnen los ist. Ein interessantes Verständnis von Öffentlichkeit und freier Berichterstattung.

Götzl zieht seine Prozesse durch

In anderen Fällen zeigte sich der Richter durchaus auch fürsorglich. Einem Angeklagten, der schlecht hörte und deshalb die Fragen des Richters nicht verstand, besorgte er Batterien für sein Hörgerät. Götzl sammelte die Batterien nach jeder Verhandlung wieder ein, damit sie auch beim nächsten Mal noch funktionierten.

Prozesse mit Götzl sind zumindest nicht langweilig. Angeklagten rät er, sie sollten "nicht in Selbstmitleid zerfließen", er herrscht sie an, er wolle "keinen Blödsinn" hören, "keine Märchen". Selbst Tumulte im Sitzungssaal steht Manfred Götzl ungerührt durch.

Als er im Boehringer-Prozess den jungen Neffen der Parkhausmillionärin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte, sprang der Verurteilte auf und schrie Götzl an: "Sie sind es nicht würdig, dass man Ihnen zuhört. Schämen Sie sich." Götzl machte weiter. Der Verteidiger des Angeklagten stand auf und legte mitten in der Urteilsbegründung seine Robe ab. Götzl machte weiter.

Ob sich Manfred Götzl denn nach dem Debakel um die Akkreditierung mit den betroffenen Journalisten beraten werde, wie die Plätze am besten zu verteilen seien, fragte ein Journalist am Montag. Die Sprecherin des Oberlandesgerichts erwiderte: "Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu prophezeien, dass der Vorsitzende das entscheiden wird - und sonst niemand."