Ri Chun-hui Das Fernsehgesicht Nordkoreas

Wenn Kim Jong-un eine Atomwaffe testen lässt, dann verkündet sie das als "perfekten Erfolg". Nachrichtensprecherin Ri Chun-hui hat ein Faible für Emotionen - und Kraftausdrücke.

Von Christoph Giesen

Wenn Ri Chun-hui vor die Kamera tritt, wird es wichtig in Nordkorea, so wie am Sonntag. Es sei gelungen, eine Wasserstoffbombe zu zünden, verkündete sie, "ein perfekter Erfolg". Der Stolz in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Auch Anfang Juli war sie zu sehen, als sie den ersten Test einer nordkoreanischen Langstreckenrakete bekannt gab. Die 74-Jährige ist das Fernsehgesicht des Landes.

Wirklich jeder kennt sie. Als Kim Il-sung, der Staatsgründer, im Sommer 1994 starb, überbrachte sie im Fernsehen die Todesnachricht, und weinte hemmungslos. Hunderttausende Nordkoreaner taten es ihr gleich. Ende 2011 starb der Nachfolger Kim Jong-il, und auch diesmal verlas Ri Chun-hui tränenerstickt die Meldung.

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Zu jeder Nachricht moduliert sie ihre Stimme, auch wer kein Koreanisch spricht, hört ihre Wut, ihre Trauer oder die grenzenlose Freude. Wer sie allerdings versteht, hört oft auch Kraftausdrücke und rassistische Entgleisungen. US-Amerikaner nennt sie konsequent "Bastarde" oder "Kriegstreiber". Den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama bezeichnete sie wiederholt als "schwarzen Affen".

Geboren wurde Ri Chun-hui 1943 während der japanischen Besatzung Koreas. In der Hauptstadt Pjöngjang besuchte sie eine Schauspielschule und fing dann beim staatlichen Sender Korean Central Television (KCTV) an. Seit 1971 verliest sie dort die Nachrichten. 2012 erzählte sie in einem ihrer seltenen Interviews mit dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV, dass sie pensioniert worden sei und bei der Ausbildung mithelfe. Ihre Form der Präsentation gilt als Vorbild für alle nordkoreanischen Sprecher.

Seit anderthalb Jahren ist Ri Chun-hui nun wieder im Staatsfernsehen zu sehen. Im Januar 2016 verkündete sie den vierten Atomtest des Landes. Neun Monate später tauchte sie auf dem Bildschirm auf, um den fünften Nukleartest zu bestätigen. In diesem Jahr war sie bereits zwei Mal aktiv. Ihre Rückkehr sei ein Zeichen, dass das Regime wieder eine harte Linie wie unter Großvater Kim Il-sung verfolgen wolle, vermutet Victor Cha, der höchstwahrscheinlich nächste US-Botschafter in Seoul.

Im Fernsehen trägt Ri Chun-hui stets die traditionelle koreanische Tracht, farblich meist dem jeweiligen Anlass angepasst. Als sie die Todesnachrichten der beiden Kims verlas, trug sie einen schwarzen Hanbok. Verkündet sie Jubelnachrichten, entscheidet sie sich oft für grelle Farben. Den Test der Wasserstoffbombe am Sonntag vermeldete sie in einem rosa Gewand. Besonders unschön wirkt dabei jedoch der Kontrast zu dem knallroten Kim-Anstecker, den sie wie jeder andere Nordkoreaner trägt. Das beliebteste Modell des Ansteckers zeigt Kim Il-sung und seinen Sohn Kim Jong-il auf rotem Grund vereint. Seit Kim Jong-ils Tod ist dieser Pin vor allem hohen Parteikadern wie auch Ri Chun-hui vorbehalten.

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