Rheinland-Pfalz Julia Klöckner, die letzte Hoffnung der CDU

Einst war sie Weinkönigin, nun tourt sie lächelnd mit Kinderfotos durchs Land: Julia Klöckner soll die darbende CDU in Rheinland-Pfalz 2011 zum Sieg führen.

Von Marc Widmann

Sie wird gefeiert wie eine Erlöserin. Einige ältere CDU-Anhänger springen schon auf, wenn sie nur die Bühne betritt, applaudieren stehend, mit leicht entrücktem Gesichtsausdruck. In Mainz ist das so in diesen Tagen, auch im überfüllten Kongresszentrum in Bingen.

Julia Klöckner soll für die CDU die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz gewinnen.

(Foto: Foto: dpa)

Da hat Julia Klöckner noch kein Wort darüber verloren, wie sie den Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz, Kurt Beck (SPD), ablösen will. Aber ihrem Publikum reicht es bereits, dass sie da ist, die designierte Herausforderin der CDU für die Wahl im Frühling 2011.

Es gibt derzeit wohl kaum eine Partei, die so ausgehungert ist vom jahrelangen Streit; keine, die sich so dankbar begeistern lässt wie die rheinland-pfälzische CDU - und seien die Verheißungen noch so vage.

Seit 20 Jahren hat sich diese Partei selbst demontiert, hat ihre ohnehin schon farblosen Spitzenkandidaten auch noch aus den eigenen Reihen attackiert. Und jetzt steht da diese junge blonde Frau auf der Bühne und verkündet, dass alles anders wird. "Die Union glaubt zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder daran, dass wir es schaffen können", sagt sie. Und im Publikum ruft einer: "Ja!"

Auf fünf Regionalforen tourt Klöckner derzeit durch "unser schönes Heimatland Rheinland-Pfalz", um den 50.000 CDU-Mitgliedern einen Neuanfang zu verheißen, einen völlig neuen Politikstil. Im April soll sie auf einem Parteitag dann offiziell zur Herausforderin gekürt werden.

"Ich werde es anders machen", sagt die 37-Jährige, "keine Hinterzimmer, sondern ein neuer Ton, ein neuer Stil, Anständigkeit und Verlässlichkeit." Dann erzählt sie, was ihre Leitlinie sei: "Von unten nach oben" müsse sich Politik entwickeln. Das Wahlprogramm will sie daher gemeinsam mit der Basis schreiben. "Ihre Meinung zählt", ruft sie.

Wahrscheinlich hat Klöckner von ihren gescheiterten Vorgängern gelernt, dass sie die Wahl nur gewinnen kann, wenn sie zuvor ihre Partei gewonnen hat. Ihre Auftritte geraten dazu bisweilen fast kitschig: Beim Regionalforum in Bingen werden Kinderfotos auf eine große Leinwand geworfen, und Klöckner erzählt, wie wichtig die Familie doch sei. Danach erscheint ein Bild aus dem Bundestag, und sie berichtet, wie wichtig sie selbst schon ist: "Hier sitze ich auf der Regierungsbank neben Karl-Theodor zu Guttenberg."

Selbst ihre Attacken wirken nett

Es ist ein politischer Diaabend in diesem Moment, der nur deshalb gelingt, weil Klöckner dabei ihre größte Stärke auffahren kann: die völlige Unbefangenheit, mit der die einstige Weinkönigin vor Publikum parliert.

Mit ihrer unschuldig klingenden Stimme kann sie Sätze sagen, die bei anderen Politikern mehr Widerspruch auslösen würden. "Soziale Gerechtigkeit hat nichts mit der Höhe von Hartz-IV-Sätzen zu tun", zum Beispiel. Oder: "Für uns ist Freiheit wichtiger als schlichte Gleichmacherei." Ein FDP-Chef könnte solche Worte mit erhobenem Zeigefinger ebenfalls in den Saal rufen, aber bei ihm würden sie sich deutlich schärfer anhören. Bei Klöckner klingen sogar Angriffe noch irgendwie nett.

Ein bisschen böse wird sie erst, wenn es gegen Kurt Beck geht. Ihrem Gegner wirft sie vor, das Land nach 15 Jahren wie ein Monarch zu regieren. "Die Zeit der Gutsherrenart ist definitiv vorbei", sagt sie. "Wir brauchen eine ganz neue Dialog-und Bürgerkultur." Beispiele, wo sich Beck als absolutistischer Herrscher aufspielt, bleibt Klöckner indes weitgehend schuldig. Überhaupt verliert sie inhaltlich kaum ein Wort zur Landespolitik. Lieber erzählt die Theologin Grundsätzliches: "Mein Fundament ist die christliche Soziallehre."

Die SPD hat durchaus Respekt vor dieser Gegnerin, die wohl mindestens ebenso gut "mit de Leut" kann wie der Amtsinhaber. Als wunden Punkt haben die Sozialdemokraten vor allem inhaltliche Schwächen bei Klöckner identifiziert. Er würde sich ja gerne thematisch mit ihr auseinandersetzen, spottet Beck, wenn sie sich nur einmal klar positionieren würde.

Bei den CDU-Regionalforen dürfen die Zuhörer zwar fachliche Fragen stellen. Komischerweise stehen außer Klöckner aber noch der Parteichef und der Generalsekretär auf der Bühne; die Kandidatin kommt eher selten zu Wort.

Wenig erfreulich für Klöckner war auch die Reaktion auf ein Interview. Darin hatte sie verkündet, als Parlamentarische Staatssekretärin nur "jede zweite Woche für fünf Tage in Berlin und ansonsten im Wahlkreis unterwegs" zu sein. Das sei recht wenig Arbeitszeit für das hohe Gehalt, empörte sich die SPD sogleich. Auf der Bühne pariert Julia Klöckner solche Attacken ganz einfach mit einem herzhaften Lächeln.