Republikaner Romney bei Hispanics in Florida "Lasst euch nicht einreden, dass wir Immigration ablehnen"

"Un presidente excelente": Mit einem spanischsprechenden Sohn und einem lockeren Auftritt beeindruckt Mitt Romney die republikanischen Hispanics. Nicht nur vor der Vorwahl in Florida buhlen die Kandidaten um die Latinos - schließlich wächst in Amerika keine Wählergruppe schneller. Die Strategen der Republikaner wissen: Um Obama zu schlagen, müssen sie dessen Popularität bei den Latinos untergraben.

Von Matthias Kolb, Miami

Die Worte kamen flüssig aus dem Mund von Craig Romney. Er sei nach Miami gekommen, über den festen Charakter und die Werte seines Vaters zu berichten. Er sei überzeugt, dass dieser "un presidente excelente" wäre, sagte Craig Romney in makellosem Spanisch, und dass dieser Amerika wieder zu alter Stärke führen werde. Die Sätze des 30-Jährigen, der einige Jahre in Chile für die Mormonen missioniert hat, lösten einen Jubelsturm unter den Besuchern des "Hispanic Leadership Network" aus.

Drei-Generationen-Wahlkampf: Mitt Romney (re.) mit seinem Sohn Craig und Enkel Parker.

(Foto: AP)

Fünf Tage vor der Vorwahl in Florida hatten sich republikanische Politiker, Funktionäre und Strategen in einem noblen Golf-Hotel versammelt, um zu beratschlagen, wie sie ihre beiden großen Ziele erreichen können: Den Einfluss der spanisch-sprechenden Amerikaner zu erhöhen - und Barack Obama aus dem Weißen Haus zu jagen. Eine Stunde vor Romney hatte dessen Konkurrent Newt Gingrich eine Rede gehalten, doch wie schon bei der letzten TV-Debatte ging der 64-jährige Romney als Sieger aus dem Duell hervor. Nachdem Craigs kleiner Sohn Porter fröhlich "Holá" ins Mikro gekräht hatte, wandte sich Ann Romney an das Publikum.

Wichtiger als Mitts beruflicher Erfolg, der ihn zum Multimillionär gemacht habe, sei seine Leistung als Vater von fünf Kindern und Großvater von 16 Enkeln. Nach der gescheiterten Kandidatur 2008 habe sie sich geschworen, dies nie mehr mitmachen zu wollen, verriet die blonde Frau, die seit 42 Jahren mit Romney verheiratet ist. Als der überlegt habe, erneut zu kandidieren, habe sie ihm nur eine Frage gestellt: "Can you fix it?" Er habe dies bejaht und auch sie sei überzeugt, dass ihr Mann eine Lösung für Amerikas Probleme finden und neue Jobs schaffen werde.

Und offensichtlich teilen immer mehr Republikaner in Florida diese Meinung: In einer aktuellen Umfrage liegt Romney mit 38 Prozent neun Punkte vor Newt Gingrich, während Ron Paul und Rick Santorum um den dritten Platz konkurrieren. 22 Prozent der 19 Millionen Einwohner des "sunshine state" sind Hispanics - unter den wahlberechtigten Republikanern haben elf Prozent ihre Wurzeln in Kuba, Puerto Rico, Mexiko oder Nicaragua. Landesweit ist bereits jeder sechste Amerikaner spanisch-sprachig, und 2050 wird ihr Anteil laut US-Statistikbehörde auf 25 Prozent wachsen.

"Die Tatsache, dass Mitt eine so großartige Familie hat, beeindruckt nicht nur mich", sagt eine Anhängerin der Republikaner, die 1961 mit ihren Eltern aus Kuba geflohen ist. Zwar sei die Wirtschaftslage angesichts einer Arbeitslosenquote von elf Prozent unter Hispanics das dominierende Thema in der community, doch die drei Ehen von Newt Gingrich verstörten viele Ältere. Und selbstverständlich hob der 64-jährige Romney in seinem halbstündigen Auftritt seine Wirtschaftserfahrung hervor: Er wolle dafür auch das ökonomische Potenzial Zentral- und Lateinamerikas nutzen, damit mehr Amerikaner Arbeit fänden.

"Wir machen einen Fehler, wenn wir uns nur auf China oder Europa konzentrieren", verkündete Romney. Freihandel und enge ökonomische Beziehungen seien die beste Art, um Demokratie zu fördern. Entsprechende Anreize könnten auch in der Kuba-Frage wirken, in der Barack Obama laut Romney komplett versagt hat. "Wir werden helfen, dass Kuba wieder frei wird", versprach er unter dem tosenden Beifall des Publikums.

Wie in der TV-Debatte wirkte der 64-jährige Ex-Gouverneur aus Massachusetts konzentriert und für seine Verhältnisse locker. Mehrere Minuten verwendete er darauf, den Eindruck zu zerstreuen, er sei gegen Einwanderung. "Mein Vater ist in Mexiko geboren und ich wünsche mir mehr legale Einwanderung", rief Romney. Nichts zeige deutlicher, wie attraktiv der amerikanische Traum für ehrgeizige Menschen sei. "Lasst euch von den Mainstream-Medien nicht einreden, dass die Republikaner Immigration ablehnen", sagte er.

Barack Obama habe die Rezession zwar nicht ausgelöst, doch er habe sie verschlimmert. Am 6. November müsse verhindert werden, dass der US-Präsident das Mandat erhalte, um einen Wohlfahrtsstaat europäischer Prägung einzuführen. Er werde dafür sorgen, dass alle Menschen in Amerika gute Startmöglichkeiten erhielten, so Romney am Ende seiner Rede: "Wir werden Jobs für Latinos und für alle Amerikaner schaffen. Ich liebe dieses Land und danke für eure Unterstützung."

Bei den meisten Zuhörern kam der Ex-Gouverneur gut an. George Schroeder, ein Arzt mit deutsch-spanischen Wurzeln aus Orlando, ist extra der Partei beigetreten, um am Dienstag für den 64-Jährigen zu stimmen und trägt den Aufkleber "Believe in America" stolz am Jackett. "Er ist der Mann, den wir jetzt brauchen", meint Schröder und betont, dass Romney im Gegensatz zu den drei übrigen Bewerbern nicht Teil der verhassten Washingtoner Politkaste ist. Auch Dax Contreras und Breanna Houghton haben sich entschieden: Die beiden 24-Jährigen sind extra aus New Mexico angereist und nach dem Auftritt endgültig ins Romney-Lager gewechselt.