Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" schlägt Alarm: Im vergangenen Jahr sind so viele Journalisten ums Leben gekommen wie seit 1994 nicht mehr. Zudem sei die Pressefreiheit bedroht - auch in EU-Ländern.
Allein im vergangenen Monat wurden nach Angaben der Organisation weltweit zehn Medienvertreter getötet. Im vergangenen Jahr seien 81 Journalisten bei ihrer Arbeit ums Leben gekommen, 871 wurden inhaftiert - so viele wie seit 1994 nicht mehr, heißt es in dem in Berlin veröffentlichten Jahresbericht.
Proteste nach der Ermordung des Journalisten Hrant Dink in der Türkei (© Foto: AFP)
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"Reporter ohne Grenzen" (ROG) wirft den demokratischen Staaten Versagen im Kampf für die Pressefreiheit vor. Die Organisation fordert, dass bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beispielsweise mit Russland oder China freie Meinungsäußerung eingefordert wird.
Auch in den Ländern der Europäischen Union und in den USA gibt es laut ROG immer wieder Einschränkungen. So werde mit dem Argument des Antiterror-Kampfs immer häufiger der Quellenschutz untergraben.
Allein im Januar 2007 wurden drei Medienmitarbeiter in Irak getötet (2006 waren es 64), jeweils einer in China und Haiti. Prominentester Fall war der Mord an den armenischen Journalisten Hrant Dink am 19. Januar durch einen türkischen Nationalisten in Istanbul.
In Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien, Tunesien oder Libyen seien restriktive Pressegesetze und Zensur an der Tagesordnung. Auch in Osteuropa und Zentralasien hat sich die Lage laut ROG verschärft. In Russland hätten kremlnahe Unternehmen weitere Medien aufgekauft, in Weißrussland habe Präsident Alexander Lukaschenko alle unabhängigen Zeitungen zum Schweigen gebracht. In Usbekistan und Kasachstan würden unabhängige Journalisten massiv unter Druck gesetzt.
Übergriffe gab es auch Lateinamerika, vor allem in Mexiko, wo 2006 neun Journalisten ermordet wurden, ohne dass ein Täter gefasst wurde.
In Kuba seien mehr als 20 Journalisten in Haft und in Venezuela und Brasilien gab es zahlreiche Übergriffe. In Asien wurden 16 Medienleute getötet fast alle außerhalb von Kriegsgebieten. In China, Nordkorea oder Myanmar herrsche systematische Zensur.
Afrikanische Regierungen, vor allem jene am Horn von Afrika gehen laut ROG hart gegen kritische Medien vor. 37 Journalisten sind 2006 in Eritrea und Äthiopien hinter Gitter. Mörder von Journalisten würden in Gambia, Burkina Faso und der Demokratischen Republik Kongo von Regierungen und Politikern geschützt.
Auch das Internet wird von den Machthabern streng beäugt. In China, Vietnam, Syrien, Tunesien, Libyen und Iran seien mindestens 60 Internet-Dissidenten in Haft.
(dpa)
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