Report von Human Rights Watch Bulgarische Polizisten sollen Flüchtlinge ausrauben

Grenzzaun zwischen EU-Land Bulgarien und der Türkei bei Elhovo.

(Foto: dpa)
  • Laut einem Bericht von Human Rights Watch sollen bulgarische Polizisten Flüchtlinge teilweise mit vorgehaltener Waffe Wertgegenstände abgenommen haben.
  • Fast alle von der Organisation Befragten erzählen zudem von Polizeigewalt, Schlägen und Hundebissen.
  • Aus Mazedonien kommen ähnliche Berichte. Das Land hat am Dienstagabend seine Grenze für alle Geflohenen geschlossen.
Von Oliver Das Gupta

Human Rights Watch (HRW) beschuldigt Angehörige der bulgarischen Polizei, wehrlose Flüchtlinge ausgeraubt zu haben. In einem Report erhebt die Menschenrechtsorganisation massive Vorwürfe: Beamte hätten teilweise mit vorgehaltener Waffe den Hilfesuchenden Wertgegenstände abgenommen.

Für ihren Bericht befragte die Menschenrechtsorganisation 45 Asylsuchende im Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 2015. Die Menschen kamen demnach aus Syrien, Afghanistan und Irak und waren von der Türkei aus nach Bulgarien gelangt.

Die Flüchtlinge hätten von 59 Vorfällen berichtet, deren Verlauf sich meist ähnelte. Nachdem sie aufgegriffen wurden, wurden sie HRW zufolge durchsucht. Dabei seien ihnen Geld, Schuhe, Handys sowie Essen und Trinken weggenommen, "in manchen Fällen mit vorgehaltener Waffe", schreibt Human Rights Watch.

Fausthiebe, Tritte, Hundebisse

Bis auf eine Ausnahme berichteten alle Befragten von Polizeigewalt, bevor sie über die Grenze in die Türkei abgeschoben worden sind. Die bulgarischen Beamten sollen die Wehrlosen mit Fausthieben, Schlagstöcken und Tritten traktiert haben. Auch von Hundebissen ist die Rede.

Auch Minderjährige sollen entsprechend behandelt worden sein. "Wir haben acht unbegleitete Kinder interviewt, die genauso wie die Erwachsenen verprügelt worden sind", sagt Lydia Gall von HRW zur Süddeutschen Zeitung. Sie hat den Bericht federführend verfasst.

Zusätzliche Glaubhaftigkeit bekommen die Schilderungen der Flüchtlinge durch die in Fotos dokumentierten Verletzungen. Gall zufolge sind Spuren von Schlagstöcken und Hundebissen zu sehen.

Mitte Dezember teilte HRW die Erkenntnisse dem bulgarischen Innenministerium mit. Bis heute gab es keine Reaktion aus Sofia.

Aus Mazedonien gibt es ähnliche Berichte

Ähnliche Berichte über gewalttätige und räuberische bulgarische Sicherheitskräfte gab es bereits zu Beginn der Flüchtlingskrise. Ähnlich soll sich die Polizei in einem Nachbarland verhalten: in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Vier Flüchtlinge aus Marokko und Iran berichteten unabhängig voneinander der SZ, dass sie geschlagen worden seien. In zwei Fällen behaupteten Flüchtlinge, die Polizisten hätten ihnen Geld abgenommen.

Ihre Berichte decken sich mit den Erfahrungen westlicher Helfer, die an der Grenze nahe des griechischen Orts Idomeni die Flüchtlinge mit Nahrung und trockener Kleidung versorgen. Demnach wurden in den letzten Wochen immer wieder Flüchtlinge aus Mazedonien ausgewiesen, die zuvor verprügelt worden sein sollen. Auch von Knochenbrüchen ist die Rede. Mitunter sollen den Menschen auch Schuhe und Geld weggenommen worden sein.

Tausende Flüchtlinge sind nach wie vor unterwegs, um aus Griechenland kommend über Mazedonien nach Norden in Richtung Serbien zu reisen. Die so genannte Balkan-Route war seit November nur noch für Asylsuchende aus den Bürgerkriegsländern Syrern, Irak und Afghanistan offen. Die übrigen wurden an der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni nicht durchgelassen. Viele der Abgewiesenen lassen sich von Schleusern über die grüne Grenze nach Mazedonien führen. Die meisten werden von der mazedonischen Polizei aufgespürt.

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Am Dienstagabend hat Mazedonien die Grenze auch für diese Menschen geschlossen. Etwa 650 Geflohene aus Syrien, Afghanistan und dem Irak sitzen nach Angaben der griechischen Polizei in einem Lager an der Grenze fest. Die mazedonischen Behörden begründeten diesen Schritt damit, dass in Slowenien derzeit keine Züge die Menschen an die österreichische Grenze brächten. Mazedonien sei nur das letzte Glied in einer Kettenreaktion.