Ein Kommentar Thorsten Denkler, Berlin

Die geplante Erhöhung der Renten ist falsch. Sie belastet die Jüngeren zugunsten einer Rentnergeneration, der es so gut geht wie keiner vor ihr.

Mehr Geld macht nicht glücklich, beruhigt aber die Nerven. Um mehr dürfte es wohl auch nicht gehen, wenn die Bundesregierung am kommenden Dienstag ihre umstrittene Rentenerhöhung beschließt. Es fällt einem für diesen Schritt einfach kein anderer Grund ein.

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Im Gegenteil: Seit Jahren müht sich die Politik ab, die Lohnnebenkosten zu senken, um den Arbeitsmarkt anzukurbeln. Arbeit muss billiger werden. Sonst ist die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in Gefahr, die Arbeitslosenzahlen würden steigen und damit wiederum die Beiträge zu den Sozialversicherungen. Das waren die Argumente.

Sie scheinen nicht mehr zu gelten. Kommt die Erhöhung, prophezeien Experten spätestens von 2020 an einen Beitragssatz von mehr als 20 Prozent; derzeit liegt er schon bei 19,9 Prozent. Ohne die Rentenerhöhung von 1,1 Prozent könnte er gesenkt werden, um bis zu 0,3 Prozentpunkte.

Nötig wäre das. Seit Jahren sinken die realen Einkommen. Tarifabschlüsse gleichen - wenn überhaupt - gerade noch die Inflation aus. Die Belastungen für die Jüngeren nehmen zu. Ob in der Kranken-, der Pflege- oder der Rentenversicherung - überall müssen sie sich zusätzlich privat absichern.

Zwar sinken derzeit die Arbeitslosenzahlen, aber mit 3,5 Millionen ist sie immer noch reichlich zu hoch. Geringere Rentenbeiträge könnten hier einen Schub bringen.

Gleichzeitig aber leistet sich die Gesellschaft Renten in nie da gewesener Höhe. Ein Rentnerehepaar hat im Schnitt knapp 2400 Euro netto im Monat zur Verfügung. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen der arbeitenden Bevölkerung liegt gerade um 400 Euro darüber. Der jetzigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner vor ihr.

Dabei sind es die Jüngeren, die den Wohlstand der Alten finanzieren. Manche Rentner vergessen das ganz gerne, verweisen auf ihre 45 Berufsjahre, und dass sie sich ihre heutige Rente ja wohl redlich verdient hätten.

Mag sein. Aber die umlagefinanzierte Rente ist nun mal keine Sparanlage. Nach dem Generationenvertrag zahlen die Jüngeren die Renten der Älteren.

Das Problem ist nur: Es gibt immer weniger Jüngere. Fachleute nennen das den demographischen Wandel. Die Gesellschaft vergreist. Das lässt zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder die Rentner müssen auf Geld verzichten - oder die Jüngeren.

Gerecht kann nur sein, diejenigen zu entlasten, die heute arbeiten und Kinder großziehen. Das bedeutet: Beitragsätze runter auf Kosten der Rentner. Für Politiker keine leichte Aufgabe. Rentner sind eine enorm wichtige und vor allem wachsende Wählergruppe.

Da liegt es nahe, eine milliardenteure Rentenerhöhung als kleinen Stimmungsaufheller in trüben Tagen einzusetzen. Man könnte aber auch sagen: Die Politiker haben sich wieder zur Lobby der Alten gemacht. Leisten kann sich der Staat das nicht mehr.

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(Süddeutsche Zeitung Audio / jja)