Rente mit 67 Gabriels Wahrheiten

Es ist Blödsinn, wenn Union und FDP glauben, dass sich Sigmar Gabriel gegen die Rente mit 67 ausgesprochen habe. Der SPD-Chef hat recht, wenn er auf die schlechte Arbeitssituation der über 60-Jährigen hinweist. Deshalb will die SPD die Verlängerung der Lebensarbeitszeit vertagen - ein Fehler.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner

Keine Rolle rückwärts: Sigmar Gabriel über die Rente mit 67.

(Foto: dpa)

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist für eine unbedachte Äußerung immer gut. Was er am Wochenende zur Rente mit 67 gesagt hat, fällt nicht darunter. Der SPD-Chef hat nur mit anderen Worten wiederholt, was seine Partei beschlossen hat. Es ist deshalb schlichtweg Blödsinn, wenn Union und FDP so tun, als ob er in der Rentenpolitik eine Rolle rückwärts eingelegt hätte. Außerdem hat Gabriel recht: Wer über 60 ist, hat es in vielen Betrieben immer noch verdammt schwer.

Gewiss, die Anzahl derjenigen, die kurz vor der Rente noch voll im Job sind, hat sich deutlich erhöht. Forscher der Bundesagentur für Arbeit haben aber festgestellt, dass dies nicht vor allem an den Unternehmen liegt, die den Wert von älteren Mitarbeitern zu schätzen gelernt haben. Vielmehr zählen zur Generation 55plus zunehmend Frauen, für die Arbeiten schon immer selbstverständlich war. Noch schlechter sieht es bei Neueinstellungen aus: Schon über 50-Jährige haben hier nach wie vor ganz schlechte Karten.

Die Forderung der SPD, die Rente mit 67 erst einzuführen, wenn die Hälfte der über 60-Jährigen eine sozialversicherungspflichtige Stelle hat, ist trotzdem falsch. Die längere Lebensarbeitszeit, die die Rentenbeiträge der Jüngeren langfristig stabil halten soll, braucht einen festen Fahrplan. Bis zur endgültigen Einführung im Jahr 2029 ist genug Zeit, sich darauf einzustellen. Die SPD hätte daran besser gar nicht erst herumdoktern sollen.