SZ: Großstädtische Milieus sind oft auch Einwanderermilieus. Die Grünen haben sich um deren Probleme lange nicht weiter gekümmert.
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Künast: Als die Diskriminierung von Ausländern besonders scharf war, war es richtig, zunächst die Interessen von Migranten zu vertreten. Aber wir haben gelernt, dass dazu auch gehört, etwas zu fordern: dass sie lernen müssen, die deutsche Sprache zu beherrschen, sich weiterbilden und ihre Kinder dabei unterstützen. Wir waren die ersten, die ein schlüssiges Integrationskonzept hatten.
SZ: Und was macht man mit denen, die sich weigern, sich zu integrieren? Wo die Kinder kaum Chancen haben, frühzeitig richtig Deutsch zu lernen?
Künast: Da hilft nur eins: Umwerben, umwerben, umwerben, sowohl die Eltern als auch die Kinder. Wir können Bildung interessant machen, so dass Kinder sagen: Ich will auch da hin, wo mein Nachbarskind ist. Wir müssen in Vereine und Religionsgemeinschaften gehen. Wir Grüne haben immer Ganztagsschulen gefordert. Wir müssen Kindergärten personell so ausstatten, dass jedes Kind altersgemäß entwickelt in die Schule kommt.
SZ: Das kostet viel Geld, aber das Land Berlin, wo die Probleme besonders drängen, ist pleite. Was werden Sie als Spitzenkandidatin vorschlagen?
Künast: Die Berliner Grünen arbeiten jetzt an ihrer programmatischen Aufstellung. Ende des Jahres werden Personalentscheidungen getroffen. Mehr sage ich dazu auch jetzt nicht.
SZ: Glauben Sie, dass die Grünen in Berlin stärkste Kraft werden?
Künast: Wir bleiben trotz aller guten Umfragen auf dem Teppich. Zu Übermut besteht kein Anlass. Aber es ist schon beachtlich, dass wir während der Banken- und Finanzkrise bundesweit bei 10,7 Prozent standen, und das ohne Regierungsperspektive, und jetzt so hohe Zustimmung erfahren. In der bürgerlichen Mitte bewegt sich viel, aber auch bei jungen Frauen, die Beruf und Familie verbinden wollen. Die sagen: "Die Grünen gehen da ganz pragmatisch ran." Finde ich gut.
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(SZ vom 04.09.2010/mob)
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