Religionsfreiheit Gefahren des Glaubens

In manchen Ländern ist es leicht, missliebige Menschen aufgrund ihres Glaubens ins Gefängnis zu bringen. Ein Kirchenbericht mahnt an, dass das Recht auf Religionsfreiheit weltweit zunehmend verletzt wird. Und es betrifft alle Religionen auf allen Kontinenten.

Von Matthias Drobinski

Asaia Bibi zum Beispiel, Landarbeiterin, Mutter von fünf Kindern, Christin aus Pakistan. Du hast den Propheten beleidigt, hieß es auf einmal, und dann stand sie vor dem Bezirksgericht in Nankana Sahib in der Provinz Punjab, und die Richter verhängten die Höchststrafe, die Hinrichtung wegen Gotteslästerung. Die Anschuldigung war eine Intrige, stellte sich heraus, aber Asaia Bibi sitzt immer noch im Gefängnis, und noch immer droht ihr die Todesstrafe. Es ist leicht, mit Hilfe des Blasphemiegesetzes in Pakistan einen missliebigen Menschen ins Gefängnis zu bringen, wenn man die richtigen Leute kennt, ob Christ, Muslim, Atheist.

Die Zahl solcher Geschichten hat zugenommen, sagt ein Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit, den der Menschenrechts-Experte Theodor Rathgeber im Auftrag der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verfasst hat - es ist der erste dieser Art, den die Kirchen in ökumenischer Zusammenarbeit in Auftrag gegeben haben. Seit 2007 hätten "Verletzungen des Rechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit beständig zugenommen" sagte er bei der Vorstellung des Berichts am Montag in Berlin, ob durch staatliche Gesetze oder durch soziale Anfeindungen, die der Staat nicht unterbindet. Dies betreffe alle Religionen auf allen Kontinenten, am meisten betroffen seien jedoch Christen und Muslime, schon allein deshalb, weil die beiden Religionsgemeinschaften zusammen ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung umfassten. In 111 Ländern der Erde werden dem Bericht zufolge Christen bedrängt oder verfolgt.

Ausdrücklich beschränkt der Bericht sich nicht allein auf die Christenverfolgung, er vermeidet auch Begriffe wie "Märtyrer" oder "Glaubenszeugen". Die evangelische und die katholische Kirche prangern insgesamt die weltweite Einschränkung der Religionsfreiheit an, betonten der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und Bischof Martin Schindehütte, der im Kirchenamt der EKD die Hauptabteilung Ausland und Ökumene leitet: "Wir treten nicht für ein Christen-Recht ein, sondern für das Menschenrecht auf religiöse Freiheit", betonte Schick.

Krisenherde eingeschränkter Religionsfreiheit

Am stärksten betroffen von den Einschränkungen der Religionsfreiheit seien die Regionen im Mittleren Osten und Nordafrika heißt es in dem Bericht, aber auch in Asien mit den autoritären Regierungen in China, Nordkorea oder Myanmar und den zunehmenden Religionskonflikten in Indonesen, Indien und Pakistan sieht es nicht gut aus. In Europa trifft die Kritik vor allem osteuropäische Länder, in denen nicht orthodoxe christliche Gemeinschaften behindert und Muslime verdächtigt würden. Aber auch ein Land wie Kanada kommt als schlechtes Beispiel vor: Seit zwei Jahren ist in der Provinz Quebec jegliche religiöse Unterweisung in staatliche und staatlich finanzierte Kindertagesstätten untersagt; für Pfarrer, Rabbiner und Imame ist der Zutritt verboten.

Immerhin gilt für Kanada nicht, was ansonsten als Faustregel gilt: Wird die Religionsfreiheit eingeschränkt, ist es meist auch um die anderen Menschen- und Minderheitenrechte schlecht bestellt, vor allem um Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Und dort, wo Christen unter Druck gesetzt werden, trifft die Verfolgung in der Regel auch andere Gruppen. Nicht immer allerdings gehe es allein um den Glauben, schränkte Schick ein - manchmal würden auch Konflikte um den Zugang zu Ressourcen oder um staatliche Privilegien religiös aufgeladen. Was die Sache nicht besser mache.