Das Gedenken an die Reichspogromnacht darf nicht dafür benutzt werden, alte ideologische Rituale neu zu inszenieren.
In wenigen Tagen jährt sich die Reichspogromnacht zum siebzigsten Mal. Nicht nur für ganz junge Menschen liegt diese Nacht, die der Auftakt zur Verfolgung und Ermordung der Juden in Europa war, Äonen zurück. Es wäre Aufgabe der Politik, dabei mitzuhelfen, dass die Erinnerung wach bleibt. Doch die Parteipolitik ist mit anderem beschäftigt. Für sie ist dieser Tag immerhin so nah, dass er sich für merkwürdige Spiele eignet: Union und Linkspartei streiten darüber, ob nach dem Krieg der Antisemitismus in der DDR oder der in der Bundesrepublik schlimmer war. Die Wahrheit ist: Er war im Osten und im Westen schlimm genug. Und er ist es leider immer noch.
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Er zeigt sich nicht nur in achthundert Gewalttaten jährlich, nicht nur in umgestürzten Grabsteinen und nicht nur dann, wenn in der U-Bahn einem Mädchen der Davidstern vom Halskettchen gerissen wird. Man kriegt den Antisemitismus in vielen Diskussionen als Dreingabe. Von der Finanzkrise bis zur israelischen Politik gibt es genug Gelegenheiten, bei denen sich die Diskutanten antisemitischer Klischees bedienen: Man wird doch noch sagen dürfen, dass die "Lehmann-Brothers" Juden sind ...
Zum aktuellen Streit: Rechtskonservative aus der CDU/CSU werfen der Linkspartei vor, dass die DDR antisemitisch gewesen sei. Die Union weigert sich daher, zusammen mit der Linkspartei im Bundestag eine gemeinsame Erklärung zum Gedenktag abzugeben. Und die Linkspartei liefert daraufhin eine Suada von Erklärungen ab, die den Antisemitismus der DDR verharmlost. Das ist eine törichte Fortsetzung des Kalten Krieges.
Sowohl die CDU als auch die Vorgängerin der Linkspartei haben so viel braunen Dreck am Stecken, dass sie damit nicht auf andere zeigen sollten. Muss man die CDU an ihre Geschichte von Hans Globke bis Martin Hohmann erinnern? Muss man die Linkspartei erst in die beeindruckende Ausstellung führen, die den Titel trägt "Das hat's bei uns nicht gegeben - Antisemitismus in der DDR"? Es ist traurig und beschämend, wenn der Gedenktag dafür benutzt wird, alte ideologische Rituale neu zu inszenieren. Es kehre ein jeder vor seiner Tür.
Sicherlich: Das offizielle Deutschland hat sich bemüht und bemüht sich immer noch. Es gab Wiedergutmachung, schon unter Konrad Adenauer; es gibt die Woche der Brüderlichkeit.Christlich-jüdische Gemeinschaften sind entstanden, jüdische Gemeinden wurden neu- und wiedergegründet, Gedenkstätten werden gepflegt, Denkmäler errichtet, auch mitten in Berlin; an den Feiertagen der Republik sitzen die Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in der ersten Reihe. Das alles ist schön und gut, aber nicht ausreichend, wenn sich die Antisemitismen wieder einschleichen in die Gesellschaft, zugleich die letzten Zeitzeugen sterben und die Erinnerung an 1938 verblasst.
Politiker fordern gern den "Mut" gegen neue braune Gewalt. Dieser Mut beginnt damit, parteipolitischen Hickhack beim Thema Antisemitismus zu beenden.
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(SZ vom 05.11.2008/beu)
Die Ärzte in München
"DENN die HAMAS ist nicht Ursache, sonder FOLGE der israelische Unterdrückungs-Politik! " Genau diese Form von "Humanismus" meinte ich im Beitrag zuvor. Nicht die Politik Israels ist die Ursache des Antisemitismus, sondern die pure Existenz von Juden, egal was sie machen. Der Wikipedia-Eintrag zum Grossmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini ist mehr als lesenswert. Nur ein paar Ausschnitte: Husseini habe mehreren Nazigrößen, unter ihnen Hitler, Ribbentrop und Himmler, ihre Ausrottung empfohlen. Als einer der besten Freunde Eichmanns soll der Mufti, nach Wisliceny, der dieses auch in den Nürnberger Prozessen wiederholte, sogar das KZ Auschwitz-Birkenau besucht und die dortigen Gaskammern besichtigt haben. Für Husseini habe die Endlösung die Lösung der Probleme in Palästina dargestellt. .... Nach dem Sieg der Alliierten bei el-Alamein rief er zum Dschihad gegen die Juden: Ich erkläre einen heiligen Krieg, meine Brüder im Islam! Tötet die Juden! Tötet sie alle!
Das war alles lange vor der Gründung Israels.
Eine absurde Solidarität mit Terroristen, die das Wohl der eigenen Bevölkerung nicht als Ziel haben, als humanistische Sorge verpackt ist wunderbar solange es Juden trifft.
Wie demokratisch oder wirklich engagiert gegen "antisemitische Tendenzen" eine Gesellschaft wirklich ist, kann nicht von der Obrigkeit per Dekret festgelegt werden.
Überaus demokratisch war die DDR in der Tat. Wenn man sichs recht überlegt, sogar noch viel demokratischer als die BRD. Die DDR hatte eine Verfassung- die BRD hat bis heute nur das Grundgesetz. Es gab haufenweise Parteien in der DDR- die waren natürlich alle in der Nationalen Front vereinigt- genau wie heute in der BRD, wo alle demokratischen Parteien sich auf den Ausschluss bestimmter undemokratischer Parteien von der parlamentarischen Meinungsbildung geeinigt haben.
Danke für den Denkanstoss.
In der DDR hat natürlich die Mehrheit der Leute gewußt oder wenigstens gefühlt, dass das alles nur Theater ist. Die von der SED vereinnahmten Medien zeichneten ein völlig anderes Bild, als das, was die Leute im Alltag erlebten.
Heute in der BRD ist das völlig anders. Die Medien sagen alle die Wahrheit und spiegeln genau wieder, was wirklich passiert.
Ein Forist, rain66, schrieb u.a.
"Der Anti-Antisemitismus muss verinnerlicht sein. "
Dem kann ich voll zustimmen.
ABER, gilt dasselbe nicht ebenso für die
Beachtung der Menschenrechte?
Und werden diese unveräusserlichen Rechte von dem jüdischen Israel überall, besonders aber im GAZA-Strip beachtet?
Die Antwort ist ein glasklares NEIN!
Aktuell nachzulesen in einem Interview der BBC mit der früheren UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, der Irin Mary Robinson
http://newsvote.bbc.co.uk/mpapps/pagetools/print/news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/77.
die die dortigen Verhältnisse "terrible" nannte und hinzufügte
- "Is`s almost unbelievable that the world doesn`t care while this is happening."
- "Theire whole civilisation has been destroyed, I am not exaggerating."
DAZU "passt" eine Erklärung des deutschen Bundestages gegen Antisemitismus, die diesen unbestreitbaren, allseits längst bekannten Sachverhalt mit keiner Silbe erwähnt, nicht nur schlecht; sie entpuppt sich als ausgesprochene Heuchelei und auch als Komplizenschaft mit den für diese Zustände Verantwortlichen in Israel!
Wer nun die Verantwortung für die Menschen verachtenden Zustände auf die HAMAS zu schieben versucht, der verwechselt -wieder einmal und vermutlich absichtsvoll- URSACHE mit WIRKUNG. DENN die HAMAS ist nicht Ursache, sonder FOLGE der israelische Unterdrückungs-Politik!
Und wer`s noch genauer wissen will, der lese, was URI AVNERY auch dazu seit langem sagt und schreibt!
Die Resolution wurde im Jahr 1975 von der Sowjetunion und zahlreichen arabischen Staaten initiiert. Die BRD stimmte damals dagegen. Sie wurde aus gutem Grund im Jahr 1991 wieder aufgehoben. Kofi Annan äußerte sich am 25.03.1998 wie folgt dazu:
"We must use the occasion to denounce anti-Semitism in all of its manifestations. This brings me to the lamentable resolution adopted by the General Assembly in 1975, equating Zionism with racism and racial discrimination. That was, perhaps, the low-point in our relations; its negative resonance even today is difficult to overestimate. Fortunately, the General Assembly rescinded the resolution in 1991."
(Dies bringt mich auf die bedauerliche Resolution, die 1975 von der Generalversammlung verabschiedet wurde und in welcher der Zionismus mit Rassismus und Rassendiskriminierung gleichgesetzt wurde. Das war womöglich der Tiefpunkt unserer Beziehungen; die negativen Auswirkungen sind bis auf den heutigen Tag kaum zu unterschätzen. Glücklicherweise hat die Generalversammlung die Resolution im Jahre 1991 widerrufen.)
un.org/News/Press/docs/1998/19980325.SGSM6504.html
Glücklicherweise wurde die Resolution im Jahr 1991 widerrufen. Welchen Schaden sie angerichtet hat, der bis heute nachwirkt, ist aus Ihrem post erahnbar.
rack66
Ich finde vieles in Ihrem post richtig und finde den unterschwelligen Antisemitismus noch gefährlicher als den offen zur Schau gestellten,wobei ich persönlich denke,dass viel zu schnell das Wort Antisemit o.ä. benutzt wird.
Allerdings benutzten sie das Wort"Religion" in dem Zusammenhang und das ist mir ein bißchen zu schwammig.
Es ist Gottes erwähltes Volk in einem von Gott geschenkten oder versprochenen Land-so oder so ähnlich verstehe ich die Thora.
Zu einer Religion kann ich mich bekennen-Jude kann ich nur sein wenn meine Mutter Jüdin ist.Das ganze dann noch mit Gottes Verheißungen zu verknüpfen macht die Sache für mich schwer verdaulich.
Ein Freund von mir(Israeli) sagte mal:"Ich weiß das hier vieles falsch läuft, aber das ist mein Heimatland.Ich kann mir kein 2es aussuchen."
Wenn jemand von "den Juden" oder so spricht, dann ist das genauso wie die Parole "Alle Polen klauen".....nämlich frei von jedem Hirn....mfg
Paging