Am Tag eins nach dem Sturz Prodis hat der italienische Präsident Napolitano mit den Gesprächen über eine neue Regierungsbildung begonnen. Der Staatschef will dem zurückgetretenen Premier erst dann ein neuen Auftrag erteilen, wenn dieser eine stabile Koalition hinter sich hat.

Am Tag eins nach Prodis Rücktritt, empfing Präsident Giorgio Napolitano den Senatspräsidenten Franco Marini. Später waren sodann Treffen mit früheren Präsidenten und mehreren Fraktionschefs geplant.

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Romano Prodi (© Foto: dpa)

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Napolitano sagte, er wolle sich mit einer Entscheidung über das Gesuch Prodis zunächst zurückhalten und Gespräche mit Politikern verschiedener Parteien führen.

Napolitano deutete an, dass er sich bei den Konsultationen um eine stabile Regierungsmehrheit bemühen werde. Es mache keinen Sinn, Prodi nochmals zu beauftragen, solange dieser keine stabile Koalition hinter sich habe.

Prodi scheint das genauso zu sehen: Er machte klar, das er nur dann zu einer erneuten Regierungsübernahme bereit wäre, wenn eine "eisenharte Mehrheit" hinter ihm stehen sollte.

Berater des Regierungschefs deuteten zuvor an, dass Staatspräsident Giorgio Napolitano Romano Prodi erneut mit der Regierungsbildung beauftragen könnte.

Dario Franceschini vom Mitte-links-Bündnis Olivenbaum kündigte weitere Unterstützung für Prodi an: über eine neue Regierung an: "Wir sind bereit, unser volles Vertrauen in Prodi zu bestätigen." In Rom wird frühestens am Wochenende mit einer neuen Regierung gerechnet.

Die Opposition forderte hingegen lautstark einen politischen Neuanfang. Wenn Prodi weitermachen sollte, müsse das Land den Preis dafür bezahlen, sagte der Christdemokrat Pier Ferdinando Casini am Abend im staatlichen Fernsehen.

Aus den Reihen der rechtspopulistischen Liga Nord hieß es, sie hoffe auf vorgezogene Neuwahlen bereits im Frühjahr. Unklar blieb zunächst, ob der im April 2006 abgewählte Silvio Berlusconi die Regierungsbildung beanspruchen will. Eine neue Regierung muss sich zunächst einer Vertrauensfrage im Parlament stellen.

Napolitano bat Prodi, die Amtsgeschäfte kommissarisch weiter zu führen. Der ehemalige EU-Kommissionspräsident verließ den Präsidentenpalast ohne eine Bemerkung zu den wartenden Journalisten und setzte sich lächelnd in seine Limousine.

Auslöser des Rücktritts war eine Abstimmungsniederlage der Regierung im Senat. Mehrere Abgeordnete der Mitte-Links-Koalition verweigerten dem Afghanistan-Einsatz ihre Zustimmung.

Für die außenpolitische Vorlage stimmten 158 Senatoren und damit zwei weniger als zur absoluten Mehrheit erforderlich.

Außenminister Massimo D'Alema hatte zuvor erklärt, die Regierung sollte im Fall einer Niederlage zurücktreten. Prodis Regierung verfügte im Senat nur über eine hauchdünne Mehrheit.

Vor allem die Partei der kommunistischen Neugründung (PRC) von Fausto Bertinott lehnt den Afghanistan-Einsatz ab.

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(sueddeutsche.de/AP/dpa/AFP)