Regierungsbildung in Italien Warum Berlusconi von Grillos Kurs profitieren könnte

Bei der schwierigen Regierungsbildung in Italien hängt viel von der Protestbewegung des Komikers Grillo ab. Doch ihre Maximalforderungen könnten dazu führen, dass die Chancen für den ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi steigen.

Ein Kommentar von Andrea Bachstein, Rom

In Italiens Parlament ist die Konstellation nach den Wahlen mit einem Sieger ohne Mehrheit so einzigartig verfahren, dass auch Politologen mit den Szenarien ringen. Die Hoffnung ruht nun auf der Überzeugungskraft von Staatspräsident Giorgio Napolitano. Zu unterschätzen ist der alte Herr nie, schließlich hat er es geschafft, vor 16 Monaten den sehr widerstrebenden Silvio Berlusconi aus dem Amt zu bugsieren.

Aber jetzt hat er es mit einem völlig neuen Tableau zu tun wegen der Politikneulinge der Fünf-Sterne-Bewegung. Ihr Führer hat gerade Premier Mario Monti, PD-Chef Bersani und Berlusconi allesamt als "Hurenböcke" bezeichnet, was das Niveau der Auseinandersetzung bezeichnet.

Die Fünf Sterne präsentieren so etwas wie die Pubertät einer politischen Entwicklung - trotzig, verbockt; gegen jede Vernunft bestehen sie auf ihren Maximalforderungen. Die sind ihnen wichtiger als die unwägbaren Risiken, die eine Unregierbarkeit bedeutet. Stets berufen sich die Grillo-Leute dabei auf den Wählerwillen, der den radikalen Wandel wünsche - aber genau ihre Kompromisslosigkeit lässt Berlusconis Chancen steigen.

Dann wäre der Wille der Wähler wirklich mit Füßen getreten: Zu 70 Prozent haben sie nicht Berlusconi gewählt, sondern Parteien und Bewegungen, die für einen Bruch mit ihm stehen. Aber vor allem haben die Menschen zu hundert Prozent gewählt, um eine Regierung zu bekommen.