Hinter verschlossenen Türen hat die hessische SPD-Spitze über einen zweiten Anlauf für eine Regierungsübernahme beraten. Die große Unbekannte dabei: Die Linke.
Während ein zweiter Anlauf der hessischen SPD zur Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung immer näher rückt, lässt die Linke weiter offen, zu welchen Bedingungen sie diese tolerieren würde. Dies sei innerhalb der Partei noch "überhaupt nicht geklärt", sagte die hessische Landesvorsitzende Ulrike Eifler der Süddeutschen Zeitung.
Bild vergrößern
Die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti (© Foto: dpa)
Anzeige
So sei es problematisch, SPD und Grünen vor einer Regierungsübernahme zu garantieren, den nächsten Haushalt mitzutragen. "So lange wir den Haushalt nicht kennen, so lange können wir auch keine Zusagen geben", sagte Eifler.
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke hatte der Frankfurter Rundschau gesagt, die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti könne sich zunächst nur für ihre Wahl zur Ministerpräsidentin auf die Stimmen der Linken verlassen.
SPD und Grüne aber wollen die wichtigsten Eckpunkte einer Zusammenarbeit vor einem Machtwechsel abstecken, um sich nicht zu abhängig zu machen. Der hessische Grünen-Chef Tarek Al-Wazir sagte, die Linke müsse sich "endlich ihrer Verantwortung bewusst" werden. "Für ein Himmelfahrtskommando sind die Grünen nicht zu haben."
Eifler sagte, die Linke müsse sich in den nächsten Wochen erst darauf einigen, was für sie unabdingbare Voraussetzungen einer Tolerierung wären. Die Aussagen des ehemaligen Landesvorsitzenden Ulrich Wilken, der in den vergangenen Tagen immer wieder Zustimmung in zentralen Punkten signalisiert hatte, hätten innerparteilich bislang "keine Basis". Die Linken-Landtagsfraktion werde aber Ypsilantis Kabinett "sehr wahrscheinlich" das Vertrauen aussprechen.
Derweil zeichnete sich vor der Sitzung des SPD-Landesvorstands ein Konsens über die wichtigsten Punkte jenes Fahrplans zur Regierungsübernahme ab, den das Gremium am Mittwochabend beschließen soll. Demnach würde der Landesparteitag vom 13. September auf den 4. Oktober verlegt. Noch vor dem Parteitag würde die SPD auf Regionalkonferenzen über das Verhältnis zur Linken debattieren.
Geplant war vor der Sitzung außerdem, dass Ende August oder Anfang September ein Parteirat zusammenkommen und jene Kriterien verabschieden wird, die Grundlage für eine Tolerierung durch die Linke sein sollen. Zudem könnte er Sondierungsgespräche mit der Linken beschließen, bevor der Parteitag am 4. Oktober für Koalitonsverhandlungen mit den Grünen stimmt. Ein weiterer Parteitag etwa einen Monat später würde dann die Koalition absegnen.
- Ypsilantis Weg zur Wand Rennen bis es kracht 12.08.2008
- SPD und Linke "Wo ist der Stolz der SPD?" 12.08.2008
- Regierungsbildung in Hessen Freie Bahn für Ypsilanti 11.08.2008
(SZ vom 14.8.2008/vw)
Staatsbesuch in Israel
Die Demontage einer Politikerin, balldieb? Eher das Gegenteil. Da wird so oft darüber berichtet, dass man meinen könnte, es muss so sein, dass Ypsilanti mit Die Linke zusammenarbeitet, auf welcher Ebene auch immer. Weil, wenn etwas so oft gesagt wird, dann muss das wohl "normal" sein.
Aber es muss NICHT. Sie kann es auch ganz einfach lassen. So wie sie es versprochen hat.
Wenn die CDU dann auch noch Ostbayers Vorschlag aufgreift:
"Nun denn, vielleicht hat die SPD ja ganz einfach nur Angst vor Neuwahlen, weil die CDU sich besinnt und diesen Herrn Koch nicht wieder aufstellt, was den Hessen zu wünschen ist."
Dann hat die SPD in Hessen natürlich endgültig verloren. - Oder auch gewonnen, denn dann wäre Koch ja endlich abgelöst. Nur eben anders als erhofft.
Aber ist ja auch schon wieder rum ums Eck. Die nächste Artikel-Kolonne steht schon Schlange. So wie es aussieht, ist das Konzept aufgegangen.
rack66
Warum ist dann Frau Ypsilanti noch nicht Ministerpräsidentin und lässt Herrn Koch weiter machen, wie bisher?
Übrigens, Bildung setzt auch den Willen zur Bildung voraus und gerade diesen Willen zur Bildung vermisse ich bei vielen.
Siehe dazu auch das entsprechende Interview mit einem Schulleiter in der SZ.
Mein Gott, über welche selbstverständlichen Kinkerlitzchen zur Vorbereitung einer hessischen rot-grün-roten Kooperation berichtet die SZ denn noch im Stil von Sensationsberichterstattung?
Natürlich steckt da System dahinter.
Die Redaktionsjungs und -mädels haben offenber noch nicht ihre Absicht aufgegeben, der Ypsi in die Suppe zu spucken. Wie nennt man das? Konstruktivistischer "Journalismus"!
Claro, die kleine Ehe zwischen LINKSPARTEI und SPD die bei einer Grössenordnung von 38,1 : 6,1 wenigstens noch mit kleiner Mitgift geschlossen werden kann, muss ja völlig in die Hose gehen, zumal sich hinter dem Brautschleier von Ypsilanti ja auch noch soviel Raffinesse versteckt, dass es der rasende Roland nun wirklich langsam mit der Angst zu tun bekommen muss.
Peinlich auch die Forderungen von Pofalla, Steinmeir, der doch gerade im Kaukasus die Kreidekreise neu ziehen muss, solle endlich Rabbatz machen.
Eine ganze Generation neoliberal verhätschelter Leitartikler wird dann wohl demnächst abtreten müssen, wenn wieder Sinn und Verstand in Deutschland einig Vaterland regieren.
Wenn Frau Ypsilanti nicht von der SPD wäre, könnte dieser Verdacht schon nahe liegen.
Aber die SZ ist ja eigentlich eher SPD-nahe stehend, vor allem wenn man München ansieht, wo bislang kein Wort zu den Vorgängen um die Auftragsvergabe in der Online-Ausgabe auftaucht.
Das Frau Ypsilanti nun die Medien beherrscht ist verständlich, schließlich geht das Gewürge in Hessen schon lange genug.
Paging