Von Claus Hulverscheidt, Berlin

Aller Konjunkturprogramme zum Trotz: Regierungs-Experten rechnen für 2009 mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent.

Die von der Koalition beschlossenen Konjunkturprogramme werden die Rezession in Deutschland kaum lindern. Experten der Bundesregierung kamen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bei internen Beratungen zu dem Schluss, dass die Wirtschaftsleistung 2009 um gut zwei Prozent einbrechen dürfte. Ohne die Hilfspakete würde das Minus demnach drei Prozent betragen.

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Folgen der einbrechenden Konjunktur: in einem Zwischenlager bleiben Neuwagen lange stehen (© Foto: dpa)

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Insgesamt will die Bundesregierung in diesem und im nächsten Jahr 80 Milliarden Euro zur Stützung der Konjunktur in die Hand nehmen. Angesichts einer gesamtwirtschaftlichen Leistung von etwa 2600 Milliarden Euro pro Jahr wird aber selbst diese enorme Summe für nicht mehr reichen, als die Rezession einzudämmen und eine Beschleunigung der Talfahrt zu verhindern.

Noch debattiert die Regierung intern darüber, welche Zahl in ihrem neuen Jahreswirtschaftsbericht stehen soll. Während das Kanzleramt davon ausgeht, dass das Bruttoinlandsprodukt dank der beiden Hilfspakete nur um 2,0 Prozent schrumpfen wird, rechnet das Finanzministerium mit einem Minus von 2,5 Prozent.

Am Ende dürfte die amtliche Prognose deshalb nach Angaben aus Regierungskreisen bei minus 2,2 oder 2,3 Prozent liegen. Der Jahreswirtschaftsbericht soll kommenden Mittwoch veröffentlicht werden.

Wegen der Krise wird allein der Bund in diesem Jahr neue Kredite im Umfang von 40 bis 50 Milliarden Euro aufnehmen müssen. Das wäre der höchste Wert aller Zeiten. Auf dem Papier wird die Neuverschuldung allerdings hinter dem Rekord von 40 Milliarden Euro zurückbleiben, den im Jahr 1996 der damalige Finanzminister Theo Waigel (CSU) aufgestellt hatte.

Grund ist, dass der Bund etwa 17 Milliarden Euro seiner für 2009 und 2010 geplanten Konjunkturausgaben über einen sogenannten Tilgungsfonds finanzieren will. Um dessen schrittweise Rückführung zu gewährleisten, soll gesetzlich festgeschrieben werden, dass Teile des Bundesbankgewinns oder künftiger Steuermehreinnahmen für die Bezahlung der Kredite verwendet werden müssen.

Für Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hätte das den Vorteil, dass seine Kabinettskollegen keinen Zugriff auf diese Mehreinnahmen hätten. Die FDP übte dennoch scharfe Kritik an dem geplanten Fonds. Der Haushaltsexperte Jürgen Koppelin sagte, der Finanzminister wolle damit nur das wahre Ausmaß der Neuverschuldung verschleiern.

Auf den Etat des vergangenen Jahres schlug die Wirtschaftskrise noch nicht voll durch. Im Gegenteil: Obwohl Steinbrück wegen der niedrigen Kurse am Aktienmarkt auf geplante Privatisierungen im Wert von fünf Milliarden Euro verzichtete, fiel die Neuverschuldung dank höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben mit 11,5 Milliarden Euro auf den niedrigsten Stand seit 1989.

Geplant war ein Volumen von 11,9 Milliarden Euro. Ohne die Wirtschaftskrise wäre allerdings sogar der erste ausgeglichene Haushalt seit 1969 möglich gewesen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) nahm ihren Leitzins am Donnerstag um weitere 0,5 Punkte auf nun 2,0 Prozent zurück. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet begründete dies mit dem nachlassenden Inflationsdruck, der der Notenbank Spielraum für einen weiteren Schritt im Kampf gegen den Konjunktureinbruch gegeben habe.

Für die privaten Haushalte und Unternehmen bedeutet die Entscheidung, dass Kredite billiger werden. Die Gewerkschaften und mehrere Bankenverbände bezeichneten die Zinssenkung in seltener Eintracht als völlig unzureichend.

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(SZ vom 16. Januar 2009/odg)