Was kompliziert klingt, ist in Wahrheit einfach: Ich, die Kanzlerin, werde nächstes Jahr Verständnis für die Grenzen haben, die sich aus der Schuldenbremse ergeben. Das heißt: Bei der zweiten Steuerreform wird der Bund Kiel und andere nicht zwingen, etwas zu tun, was sie nicht mehr schultern können.

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Das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns

Diese Botschaft wollte Carstensen auf Dauer haben, zumal Merkel am Mittwoch auf dem Bildungsgipfel das zweite Zugeständnis folgen ließ. Der Bund wird im nächsten Sommer mit den Ländern umfassend über zusätzliche Anteile an den Umsatzsteuereinnahmen verhandeln. Wer die Steuerschätzung im Mai 2010 dazu zählt, weiß, worauf das alles hinaus läuft. Es wird die zweite, größere Steuerreform, wie sie sich die FDP so wünscht, kaum mehr geben. Carstensen spricht seitdem lächelnd davon, dass er auf das Prinzip des "ehrbaren Kaufmanns" vertraue.

Ein CDU-Mann aus der Regierung kommentiert es weniger prosaisch: "Jetzt bekommen FDP und CSU ihre Klientelgeschenke, aber mehr wird es nicht mehr geben." Hilfreich war dabei, dass der FDP-Mann Kubicki und der FDP-Chef Guido Westerwelle sich nicht eben grün sind. Sich mit Kubicki gegen weitere Steuersenkungen zu organisieren - ein echter Coup Merkels und der CDU-Spitze. Wie sagt es einer aus ihrer Riege: "Allmählich fallen die Puzzlesteine doch so, wie wir es brauchen."

Dass das alles nicht kostenlos ist, zeigte sich am Mittwoch. Als Merkel nach dem Bildungsgipfel auftrat, sprach sie plötzlich von einem "kleinen Rest an Kompetenz", ja von einer "Restkompetenz des Bundes" bei der Bildung. So kleinlaut ist Merkel bei diesem Thema noch nie zu erleben gewesen.

Immerhin hat es diese Woche aber auch einen wirklich fröhlichen Moment für sie gegeben. Als die Unionsfraktion am Dienstag ihre Weihnachtsfeier abhielt, kletterten Merkel und Volker Kauder auf die Bühne und begannen zu singen. "Oh, du fröhliche" hatten sie sich ausgesucht, um ihre Fraktion als Vorsinger zu beglücken. Dabei wurde mit großem Schmunzeln registriert, dass Kauder diesmal auch Merkel ein Mikrofon organisiert hatte. "So hörte man gut, dass auch Frau Merkel nicht jeden Ton trifft", heißt es seither.

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  1. Nun singet und seid froh
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(SZ vom 18.12.2009/aho)