Regierung in Paris versteigert Weine Schluck für Schluck aus der Krise

Präsident Hollande ist unpopulär. Ob er sich mit dieser Aktion allerdings beliebter macht, ist fraglich: Um die Finanzen zu sanieren, versteigert seine Regierung nun französisches Kulturgut - teure Weine aus Staatsbesitz. Patrioten sind empört.

Von Michael Kläsgen

Im Wein liegt die Wahrheit, heißt es. Die bittere Wahrheit ist in diesem Fall, dass Frankreich dringend Geld braucht - viel mehr Geld natürlich, als diese Auktion einbringen wird. Trotzdem ist die Aufregung groß: "Die Weine der Republik kommen unter den Hammer", titelt der Figaro naserümpfend. "Was sich Flamby nicht alles einfallen lässt, um sich beliebt zu machen", ätzt jemand im Internet. "Soll er doch gleich den ganzen Élysée verkaufen", meckert ein anderer.

Flamby, das ist der Spottname für François Hollande. Frankreichs unpopulärer Staatschef will Ende des Monats 1200 der 12.000 Flaschen aus dem Weinkeller des Élysée-Palastes versteigern lassen. Ein Novum, das manchem Franzosen sauer aufstößt.

Offiziell dient die Versteigerung zwar dazu, den Bestand des Weinkellers zu erneuern. Ein Sprecher des Élysée räumte allerdings kleinlaut ein, dass so auch die Staatsfinanzen saniert werden sollen, ein wenig jedenfalls. Alle Einnahmen über 250.000 Euro, dem jährlichen Weinbudget des Élysée, sollen in den Etat fließen und so helfen, das Defizit zu reduzieren. Weinverkauf zum Schuldenabbau - so machte das im März bereits die britische Regierung. Sie versteigerte 54 ihrer besten Flaschen für knapp eine Million Euro, kaum ein Engländer nahm Anstoß daran.

In Frankreich hingegen ist Wein ein nationales Kulturgut. Im Weinkeller des Präsidenten sieht mancher Patriot "eine Vitrine der französischen Identität", und die ist freilich unverkäuflich. Andere führen an, das Nationalgetränk gehöre unverzichtbar zur "Kunst der französischen Diplomatie", so als wäre diese Kunst nun unter dem Sozialisten in Gefahr.

Als 5000 Flaschen fast eine Million brachten

Nur wenige monieren wie der Abgeordnete René Dosière, ein Parteifreund Hollandes, dass der Élysée eine so große Summe wie 250.000 Euro jedes Jahr nur für Wein ausgebe. Doch trotz der Kritik aus dem eigenen Lager will Hollande daran festhalten. Seine Chef-Sommelière Virginie Routis beteuerte lediglich, günstigeren Wein einkaufen zu wollen. Austerität verpflichtet.

Auch die Preise stehen im Zeichen der Wirtschaftskrise, zumindest teilweise. Die günstigsten Flaschen sollen von 15 Euro an zu ersteigern sein. Im Angebot befinden sich allerdings auch Grands Crus à la Château Petrus und Romanée-Conti, die anderswo schon für mehr als 5000 Euro verkauft wurden, pro Flasche versteht sich.

Wein ist längst zur Geldanlage für Investoren geworden. Ein kleines Etikett, das auf die präsidiale Herkunft der Flaschen hinweist, soll da preissteigernde Wirkung entfalten. Spötter unken, wenigstens der Wein habe als Exportschlager noch nicht ausgedient. Solle die Welt Frankreich doch aus der Krise trinken.

Die Versteigerung von Wein aus Staatsbesitz war schon einmal zum Politikum geworden. 2006 ließ der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë 5000 Flaschen aus dem Rathaus versteigern, die seine rechtsbürgerlichen Vorgänger angesammelt hatten, darunter der damalige Staatspräsident Jacques Chirac. Kritiker argwöhnten, der Sozialist wolle Chirac auf diese Weise als Verschwender bloßstellen.

Wie dem auch gewesen sein mag: Delanoë ersteigerte fast eine Million Euro, ging zum Stehempfang über und servierte Champagner. Sollte das die Zukunft Frankreichs unter Hollande sein? Es gäbe Schlimmeres.