Ein Kommentar von Nicolas Richter

Der Reiz der G-8-Idee bestand ursprünglich darin, dass sich wenige Politiker relativ zwanglos austauschten. Zu diesem Konzept, das sich von dem starren Protokoll internationaler Konferenzen abhebt, sollte die G8 zurückfinden -und "Emporkömmlinge" nicht länger ignorieren.

Die Gruppe der 8 verschlägt es kommende Woche nicht zufällig in das Seebad Heiligendamm. "Frohsinn erwartet dich hier, entsteigst du gesundet dem Bade", steht am Kurhaus. Der umstrittene Klub der Mächtigen sollte dies als Mahnung verstehen, sich endlich um den eigenen Zustand zu kümmern. Der Kurgast ist angeschlagen, ihm dämmert, dass seine Kraft nicht mehr ausreicht, um die Probleme der Welt zu lösen.

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Den Auftrag, dies zu versuchen, haben sich die Großen 1975 gegeben, als Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, die USA und Japan am Kamin die Ölkrise erörterten. Bald trat Kanada bei, 1998 Russland. Die ewige Frage nach der Legitimität des Zirkels beantworten die Mitglieder so: Wir sind demokratisch gewählt und sprechen nur für uns.

Prinzipiell brauchen Staaten keine Erlaubnis, wenn sie mit anderen reden wollen. Gleichwohl vermittelt die G8 den Eindruck, dass Geld die Welt regiert, dass sich die Reichsten selbst genug sind, um zu besprechen, was global von Belang ist.

So viel Anmaßung ist provokant, inzwischen aber wird sie auch von den Wirtschaftsdaten in Frage gestellt. Gemessen daran haben China, Indien und Brasilien mindestens den gleichen Anspruch auf Klubmitgliedschaft wie Frankreich oder Italien.

Längst hat die G8 ihre Agenda mit Themen überfrachtet, die sie mit eigenen Mitteln gar nicht lösen kann. Sie will nicht nur Impulse für die Wirtschaft geben, sondern auch für Gesundheit, Klima und Sicherheit.

Doch Asien und Südamerika, wo sich im vergangenen Jahrzehnt verheerende Wirtschaftskrisen und rasantes Wachstum abwechselten, sind in der Gruppe nicht vertreten. Der Nahe Osten, von dem der Westen seine Sicherheit am stärksten bedroht fühlt, ebenso wenig.

Es ist bezeichnend, dass US-Präsident George W. Bush nun die 15 größten Luftverschmutzer der Erde in die Pflicht nehmen will, unter ihnen Indien und China. Wenige Tage vor Heiligendamm bestätigt er damit, dass auch ihm der Rahmen der Großen Acht zu klein geworden ist. Bleibt die G 8 also bei ihrer Zusammensetzung, wird sie bald nicht mehr in der Lage sein, Entscheidungen von globaler Tragweite zu treffen; die Supergipfel werden überflüssig.

Zeit für Selbstreflexion

Zeit also für Selbstreflexion im Ostsee-Sanatorium. Da sich die Staats- und Regierungschefs bei jedem Mal hinter noch höheren Mauern verschanzen, müssen sie wohl die Demonstranten nicht fürchten. Nicht länger ignorieren können sie allerdings, dass auch die Aufsteiger der Weltwirtschaft immer stärker an den Gittern des exklusiven Zirkels rütteln.

Der britische Premier Tony Blair hat darauf schon vor längerer Zeit mit seiner G-8+5-Idee reagiert. In Heiligendamm sind China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika vertreten, aber nur als Gäste. Dies wird nicht reichen.

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