Verteidigungsminister Guttenberg setzt eine Kommission ein, die die Bundeswehr reformieren soll. Grundlegende Änderungen aber wird es am Ende nicht geben.
Es scheint so, als habe kaum ein Verteidigungsminister in den letzten vierzig Jahren die Gelegenheit versäumen wollen, während seiner Amtszeit eine Reformkommission einzusetzen.
Verteidigungsminister Guttenberg will die Strukturen der Bundeswehr straffen. (© Foto: Getty)
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Es gab kleine und große Kommissionen, die zu allerlei Änderungen in der Wehrstruktur, dem Beschaffungswesen, der regionalen Verteilung von Kasernen und Depots sowie der Organisation von Wehrverwaltung und Streitkräften führten.
Manche dieser Kommissionen sind, außer bei altgedienten, leid- und kommissionsgeprüften Soldaten und Zivilangestellten, längst vergessen; andere, wie etwa die Weizsäcker-Kommission aus dem Jahre 2000, spielen immer noch eine Rolle.
Jetzt tritt auch Minister Guttenberg, ein Mann, der es liebt, über Taten zu reden, in die Reihe der Reformer ein.
Es gab große Umbrüche in der Bundeswehr, in erster Linie die Abwicklung und Teil-Integration der Nationalen Volksarmee nach der Vereinigung sowie die Verkleinerung der Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Krieges.
Beides ging erstaunlich gut vonstatten und wurde, trotz vieler Reibereien, professionell gemanagt. Bis heute ist die Bundeswehr allerdings von der Struktur über die Ausrüstung bis zum sicherheitspolitischen Konzept im Grunde immer noch die Post-DDR-Armee der neunziger Jahre.
Einsätze wie im Kosovo und vor allem in Afghanistan haben aber zu einer Zweiteilung der Streitkräfte geführt.
Zwei-Klassen-Armee mit Reformbedarf
Im Ausland dient eine De-facto-Freiwilligen-Truppe, die nicht optimal ausgerüstet ist und bisweilen stark improvisieren muss. Sie wird von einer tarngewandeten Beamtenkultur umhegt, in der, so mutet es an, für jedes Sturmgewehr auf Patrouille drei Stabsoffiziere in Kundus, Potsdam und Brüssel zuständig sind.
Im Inland dagegen muss die Bundeswehr aus politischen Gründen den Anschein aufrecht erhalten, sie sei immer noch eine ganz normale Wehrpflicht-Armee. Die Bundeswehr braucht heute aber keine Wehrpflichtigen mehr und sie wird bei einer Dienstzeit von gerade mal sechs Monaten in Zukunft keine Soldaten mehr ausbilden, sondern jährlich 50.000 Militär-Praktikanten beschäftigen.
Der Reformbedarf in der Zwei-Klassen-Armee also ist groß. Allerdings wird die Kommission des Reserve-Obersts Frank-Jürgen Weise den Riss, der durch die Bundeswehr geht, nicht schließen können, weil dies von der Union politisch nicht erwünscht ist. Eine konsequente, der modernen Zeit angepasste Reform würde die Aussetzung der Wehrpflicht ebenso mit sich bringen müssen wie den keineswegs billigen Ausbau vor allem einiger Teile von Heer und Luftwaffe, bei denen dann ausschließlich Zeit- und Berufssoldaten dienen.
Zu einer Reform dieser Tragweite wird es nicht kommen. Die Weise-Kommission wird vielmehr am Ende des Jahres vermutlich für eine Mischung aus Bürokratie-Abbau, Privatisierung und weiteren Studien plädieren. Die Hybrid-Armee aus Gezogenen und ins Ausland Ziehenden wird vorerst erhalten bleiben.
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(SZ vom 13.04.2010/vbe)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
9 Monate habe ich "gedient", wenn man das so nennen darf.
3-4 Monate waren davon meines Erachtens sinnvolle, genutzte Zeit in denen man etwas fürs Leben mitbekommt. Das waren 3 Monate Grundausbildung und einen Monat Spezialausbildung.
Danach, jedenfalls bei mir war es so, war es ein absitzen der Zeit mit teilweisen kleinen spielchen auf der grünen Wiese. Zechgelage, Unordentlichkeit, Disziplinlosigkeit, teilweise Unteroffiziere die 4-5 Jahre jünger waren als man selbst und den Beruf nur gewählt haben weil sie für die freie Marktwirtschaft zu blöd sind. Tschuldigung, vor so einer Armee kann man den Respekt verlieren. Als Richtschütze auf einen Panzer, habe ich die wahren Gedankengänge meiner Vorgesetzten zum Teil mitbekommen. Da wurde sich in manchen Abteilungen damit gebrüstet, wieviel schwere Munition in fünfstelligem Preisegment in diversen Übungen sinnlos verschossen wurde. So ungefähr nur damit die kleinen was zu spielen hatten. Da kann man den Respekt vor der "Offizierselite" doch verlieren, oder ? Es liegt vieles im Argen in der BW, aber da sollte man als erstes nicht immer an die Auslandseinsätze denken. ( Stichworte = Rüstungsverträge, Missbrauchsfälle etc. )
Zitat:"Mit Verlaub Herr Kister, sie dürfen ja gern dieser Meinung sein. Ich und meiner festen Überzeugung nach, der Großteil der Bundesbürger dürften anderer Meinung sein. Die Menschen wollen raus aus der Kriegslogik. Es MUSS anders gehen. Wenn wir den Menschen einen Dienst erweisen wollen, dann müssen wir die mächtige Waffenlobby in ihre Schranken weisen."
Mit Verlaub Python, aber der Großteil der Bundesbürger ist nicht so naiv, und kann zwischen dem Wunsch nach einem "Raus aus der Kriegslogik" und dessen Realisierbarkeit unterscheiden. Ich kann ja verstehen, das es ihrer Ansicht nach so sein muss aber das ändert an der Realität wenig.
Und die mächtige Waffenlobby ist auch ein mächtiger Arbeitgeber. An einer einzigen U-boot Werft hängen tausende unbefristeteter Arbeitsplätze.
Zitat:"Was würde Kriege erschweren? Knappheit von Munition z.B. "
Haben Sie die SIPRI Database mal benutzt? Nein? Schade eigenlich. Denn wenn Sie die Nordkoreaner, Russen, Chinesen, Ukrainer und Israelis davon überzeugen könnten keine Munition (von Waffen ganz zu schweigen) in Spannungsgebiete zu liefern.
Dann wären wir nicht genötigt, unsere Bundeswehr zu Friedensmissionen in den Kongo und anderswo zu schicken.
Aber wenn sie mit dem Ansinnen bei den genannten Staaten vorstellig werden, wird man Sie vermutlich herzlich auslachen.
Der kalte Krieg ist zum Glück vorbei. Es gibt nicht wenige, die ihn sich zurückwünschen. Schließlich gab es da klare Verhältnisse. Die Sowjets waren Gegner, aber sie waren wenigsten rationale Gegner.
Heute geht die größte Bedrohung für den Frieden von den Failed States aus. Und von Staaten die an der Grenze stehen, zu Failed States zu werden. Zu Territorien in denen keine Rechtstaatliche Ordnung existiert und die zu Rückzugsgebieten für Kriminelle und Terroristen werden.
Man kann versuchen, diese Probleme vor Ort zu lösen. Oder den Kopf in den Sand stecken und warten, bis die Probleme zu einem kommen. Ich bevorzuge ersteres.
Wenn "allesaußerWillem" etwas kann, dann dieses: Vollgas im Leerlauf mit angezogener Handbremse".
Wo sind die mutigen Volksvertreter, die sich FÜR das Volk einsetzen?
Um am Ende festzustellen, daß man eigentlich nichts erreicht hat, braucht es keine "Experten"kommission. Das weiß man doch heute schon. Eine Armee, bestehend aus Praktikanten, mehr sind Wehrpflichtige doch heute schon nicht, kann man sich genauso wie die Mittel für ihre mangelnde Ausrüstung sparen.
Als Hofgarde für Präsentationszwecke ist nicht mehr als das Proben von militärischen Gesten notwendig. Und das kann man in der Freizeit im Ehrenamt erledigen.
Ich habe kein Problem damit, daß die Bundeswehr für Einsätze, die das Grundgesetz verletzen, nicht gerüstet ist. Die Konsequenz darf aber nicht die Forderung nach besserer Ausrüstung in Afghanistan sein, sondern sie muß darin bestehen, daß unsere Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden.
wenn der Großteil der Bundesbürger mal eine Reihe von Anschlägen kriegt, wird sich der Pazifismus in eine angstvolle Aggression wandeln, so wie wir das aus den USA kennen.
Den meisten Leuten hier ist Ruanda schon gar kein Begriff mehr. Auch die großflächigen Vertreibungen in Ex Jugoslawien, verbunden mit Massenerschießungen. Die Flüchtlinge aus Ruanda konnten irgendwo in Ruhe verhungern - mit Ruhe ist die deutsche Öffentlichkeit gemeint. Die "Jugoslawen" drängten vor unserer Haustür und wurden also soweit berücksichtigt.
Die Menschheit hat Waffen, seit es Werkzeuge gibt. Für Macheten in Ruanda, oder Steinewerfer in Hamburg und Kreuzberg braucht es keine Waffenlobby. Da ist Gewalt, die nur durch Repression und Abschreckung bekämpft werden kann. Gotteskrieger und ihre Brüder im bösen Geiste z.B. Rassisten kann man nur selten mit Verhandlungen befrieden. Bei Hitler hat man es ja noch versucht, was viele Tschechen mit dem Tod bezahlen mußten.
Kister hat leider recht. An der Wehrpflicht hält aber leider auch die SPD noch fest, um dem ganzen einen "friedlichen" Anstrich des kalten Krieges zu geben.
Paging