Referendum in Schottland Wäre ein unabhängiges Schottland EU-Mitglied?

Sollten die Schotten am 18. September für die Unabhängigkeit stimmen, dann können sie eineinhalb Jahre später ihren eigenen Staat gründen. Das wäre ein Umbruch nicht nur für die Briten, sondern auch für die EU - und ein Präzedenzfall. Die Regierung in Edinburgh argumentiert, dass sie nach Artikel 48 des Vertrags über die Europäische Union aushandeln könnte, von März 2016 an übergangslos ein selbständiges EU-Mitglied zu sein. London hingegen meint, Schottland müsse sich neu bewerben, so wie in Artikel 49 vorgesehen. Im Februar sagte der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, ein EU-Beitritt werde "sehr schwierig, wenn nicht unmöglich" für Schottland, weil alle Mitglieder zustimmen müssen. Und das sind eben auch die Briten.

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Was wären die Folgen für die EU?

Großbritannien bliebe auch ohne Schottland erst einmal EU-Mitglied. Doch langfristig könnte die Abspaltung einen Austritt der Briten aus der Union bewirken, denn die Schotten sind EU-freundlicher als die Engländer. Sollte es 2017 eine Volksabstimmung der Briten über ihre EU-Mitgliedschaft geben, wie David Cameron es in Aussicht gestellt hat, würden den Pro-Europäern die schottischen Stimmen fehlen. Zudem schauen europäische Bevölkerungsgruppen, die selbst gerne unabhängig wären, nun gespannt nach Edinburgh, etwa die Katalanen in Spanien oder die Korsen in Frankreich. Deren nationale Bewegungen könnten Auftrieb bekommen, wenn die Schotten sich für eine Abspaltung entscheiden. Die Republikaner in Nordirland könnten ihrerseits ein Referendum über die Vereinigung mit Irland fordern. Manche Beobachter fürchten gar, ein Ja-Ausgang im schottischen Referendum könnte die Gewalt im Nordirland-Konflikt wieder aufflackern lassen.

Mit welcher Währung würden die Schotten bezahlen, falls sie sich für die Unabhängigkeit entscheiden?

Wenn Schottland neues EU-Mitglied werden sollte, müsste es sich dazu verpflichten, den Euro einzuführen. Nur für Großbritannien und Dänemark gilt offiziell eine Ausnahme. Der Euro allerdings ist bei den Schotten genauso unbeliebt wie überall in Großbritannien. Alex Salmond besteht daher darauf, dass Schottland das britische Pfund behalten darf. Andernfalls will Edinburgh auch keinen Anteil an den britischen Staatsschulden übernehmen. Die drei Parteien in London haben aber erklärt, ihr Pfund nicht mit den Nachbarn teilen zu wollen - ein starkes Druckmittel gegenüber den schottischen Nationalisten.

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Was würde eine Abspaltung Schottlands für Großbritannien bedeuten?

Viele Experten halten die Folgen einer schottischen Unabhängigkeit für schwerwiegend. Großbritannien würden Steuereinnahmen wegbrechen, etwa aus der Erdölindustrie. Auch Schottlands Whisky-Brennereien zahlen jedes Jahr eine Milliarde Pfund in Londons Steuerkasse ein. Finanzexperten von Goldman Sachs prognostizieren im Falle einer Loslösung Schottlands eine Währungskrise, die der des Euro ähneln würde. Andererseits würden dann auch britische Transferzahlungen an die Nachbarn wegfallen: das schottische Bildungs- und Sozialsystem wird vom restlichen UK subventioniert.

Ein weiteres Problem sind die britischen Atomwaffen - 160 auf britischen U-Booten stationierte Atomsprengköpfe, die dann einen neuen Hafen bräuchten. Bislang liegen sie in der Mündung des Flusses Clyde, nordwestlich von Glasgow. Die schottische Regierung will sie loswerden und ohne Atomwaffen Nato-Mitglied werden. Ein Umzug an einen neuen Standort wäre für London aber sehr teuer. Offiziell hat das britische Verteidigungsministerium hierzu keine Pläne in der Schublade.

Ein anderer Streitpunkt ist das britische Öl in der Nordsee: Es gehört zu etwa 90 Prozent den Schotten. Sie wollen aus den Steuereinnahmen einen Öl-Fonds speisen, der künftigen Generationen zugutekommen soll. Wie lange die Öl- und Gasvorräte in der Nordsee noch vorhalten, ist allerdings nicht klar.

Was würde eine Abspaltung politisch für die Regierung in London bedeuten?

Sollten sich die Schotten am 18. September von Großbritannien lossagen, wird es schwer für David Cameron. Er wird sich die Frage gefallen lassen müssen, warum er das Referendum überhaupt zugelassen hat. Britische Zeitungen zitieren schon jetzt anonyme Tory-Abgeordnete, die Camerons politisches Ende voraussagen, falls Schottland sich loslöst. Der Fernsehmoderator Adam Boulton kommentierte es in der Sunday Times so: "Wenn Schottland geht, wäre Cameron wohl vor Weihnachten aus dem Amt, die Unterhauswahl könnte vorgezogen werden, und Großbritannien würde in eine Verfassungskrise schlittern."

Für die politische Landschaft Großbritanniens hätte eine Abspaltung auch strukturelle Folgen. Denn Schottland wählt traditionell links. Würden diese Links-Stimmen wegfallen, würde sich die politische Landschaft in London mit einem Schlag nach rechts verschieben.

Und was sagt die Queen zu alldem?

Eigentlich muss Elisabeth II. in dieser Frage neutral bleiben. Am Rande eines Kirchenbesuchs in Schottland äußerte die Monarchin zuletzt nur den Satz: "Ich hoffe, die Menschen werden gut über die Zukunft nachdenken." Britischen Medien zufolge ist die Queen besorgt und lässt sich täglich über den Fortgang der Dinge informieren. Nach anonymen Palast-Quellen ist sie eine große Anhängerin der Union.

Die Schotten wollen ihre Königin übrigens nicht loswerden: Das unabhängige Schottland soll eine parlamentarische Monarchie mit Elisabeth II. als Staatsoberhaupt werden wie Kanada, Australien oder Neuseeland.