Referendum in Katalonien Pep Guardiola ruft zu zivilem Ungehorsam auf

Manchester-City-Trainer Pep Guardiola bei seiner Rede in Barcelona.

(Foto: AP)
  • Fußballtrainer Pep Guardiola hat die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung eines angestrebten Referendums über die Unabhängigkeit seiner spanischen Heimatregion Katalonien aufgerufen.
  • Eine entsprechende Abstimmung hatte der Regionalpräsident Carles Puigdemont für den 1. Oktober angekündigt.
  • Immer wieder versucht die wirtschaftsstarke Region sich vom Hauptland abzuspalten.

Es gehe um das "Recht auf demokratische Selbstbestimmung". Damit hat der Regionalpräsident von Katalonien, Carles Puigdemont, seinen Vorstoß begründet, die Einwohner der spanischen Region über ihre Unabhängigkeit abstimmen zu lassen. Für die Offensive bekommt er prominente Unterstützung: Pep Guardiola springt Puigdemont bei.

"Wir werden am 1. Oktober über unsere Zukunft abstimmen, auch wenn der spanische Staat das nicht möchte", sagte der Trainer des britischen Erstligisten Manchester City bei einer Demonstration in Barcelona. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte mehrfach betont, der Loslösung Kataloniens unter keinen Umständen zustimmen zu wollen. Bereits 2014 hatte das spanische Verfassungsgericht ein Unabhängigkeitsreferendum für illegal erklärt. Gegen zahlreiche Unterstützer einer rechtlich unverbindlichen Befragung laufen derzeit Verfahren - unter anderem wegen zivilem Ungehorsam. An der Abstimmung vor drei Jahren hatten sich 2,3 Millionen der 6,3 Millionen Stimmberechtigten beteiligt. Mehr als 80 Prozent stimmten für die Unabhängigkeit.

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Demokratie in Spanien ist bedroht, so Guardiola

Trotz des Widerstands der Zentralregierung in Madrid rücken die Lokal- und Regionalpolitiker nicht von ihrem Begehren ab. Im vergangenen Herbst beschloss das Regionalparlament das Referendum, dessen Termin am Freitag offiziell verkündet wurde.

Guardiola bat bei der Kundgebung am Sonntag - auf Katalanisch, Spanisch und Englisch - "Europa und die Welt" um Unterstützung für Katalonien "gegen die Übergriffe eines autoritären Staates". Die Demokratie sei in Spanien bedroht, rief er. Zehntausende Katalanen waren dem Aufruf von Verbänden und Parteien ins Zentrum von Barcelona gefolgt.

Nach dem Willen von Puidgemonts regierender Mitte-links-Koalition soll ein unabhängiges Katalonien eine Republik sein und nach wie vor der EU, der Euro-Zone und der Nato angehören. Puigdemont zufolge wäre Barcelona bereit, politische Kompetenzen an Brüssel abzutreten. Auch wird mit dem Argument geworben, dass das wirtschaftsstarke Katalonien Nettozahler wäre, somit der EU-Haushalt nicht belastet würde.

Rajoy könnte Regionalregierung entlassen

Die Industrie- und Touristikregion am Mittelmeer stellt mit knapp 7,5 Millionen Einwohnern zwar weniger als ein Sechstel der Bevölkerung Spaniens, doch trägt sie fast ein Viertel zur Wirtschaftsleistung des gesamten Landes bei. Für Unmut in der Region sorgt, dass das in Katalonien erwirtschaftete Geld in andere Landesteile fließt und Infrastruktur auf die Hauptstadt Madrid ausgelegt ist.

Zur Verhinderung des für Oktober angekündigten Volksentscheids könnte die Zentralregierung erneut das Verfassungsgericht einschalten. Dieses könnte Puigdemont wegen "Ungehorsams" suspendieren oder vorübergehend sogar die Kontrolle über die Regionalregierung übernehmen.

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