Matthias Platzeck hat uneinsichtige Ex-Stasi-Leute scharf angegriffen, sich aber hinter die Linke gestellt. Der CDU versetzte er eine schallende Ohrfeige.
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat am Donnerstag den Abgeordneten, die ihre Stasi-Vergangenheit verheimlicht hatten, "eklatantes moralisches und politisches Versagen" vorgeworfen, sich aber gleichzeitig hinter seinen Koalitionspartner Die Linke gestellt. Der CDU, die die Linkspartei scharf angegriffen hatte, warf er Vereinfachung und Scheinheiligkeit vor.
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) geißelt in seiner Regierungserklärung das Verhalten von Abgeordneten aus Linkspartei und CDU. (© Foto: dpa)
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Platzeck gab in seiner sehr souveränen und sehr persönlichen Regierungserklärung in der Sondersitzung des Landtags zu, dass die Koalitionsregierung aus SPD und Linken seit der Wahl im September "ihrem Anspruch nicht gerecht geworden" sei, die Probleme des Landes zu lösen. Vielmehr war die Regierung mit Personal-Skandalen beschäftigt.
Es hatte sich herausgestellt, dass von den ursprünglich 26 Mitgliedern der Linksfraktion nicht nur jene drei der Stasi angehört hatten, die das bereits vor der Wahl offengelegt hatten, sondern noch vier weitere - in mehr oder weniger umstrittenen Funktionen.
Besonders geißelte Platzeck in seiner Rede die Abgeordneten Renate Adolph und Gerd Rüdiger-Hoffmann. Sie hatten versucht, ihre Vergangenheit zu verheimlichen. Hoffmann wollte auch sein Mandat nicht niederlegen und trat erst am Donnerstagmorgen aus der Fraktion aus, um einem Ausschluss zuvorzukommen.
Verstoß gegen Richtlinien
Das widerspreche einerseits internen Richtlinien der Linken, andererseits dem Koalitionsvertrag. In dessen Präambel steht, dass es eine Verharmlosung des SED-Regimes nicht geben dürfe und man mit der Vergangenheit offen umgehen müsse. "Diese Sätze gelten uneingeschränkt, nicht nur für die SPD", sagte Platzeck.
Die Koalition habe nur zustande kommen können, sagte Platzeck, weil man sich einig war, dass es eine rigorose Aufarbeitung der Vergangenheit geben müsse. In den Tiefen der Linkspartei sei das wohl nicht passiert. "Vielleicht war ich zu optimistisch." Jeder habe das Recht auf eine zweite Chance. Aber nicht ohne tätige Reue, ohne Nachdenken, ohne Offenheit.
CDU-Chefin Johanna Wanka sah das anders. "Der Landtag ist keine Selbsthilfegruppe, die Tätern dazu verhilft, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten." Sie könne die Rede von "Vertrauen" nicht mehr hören. "Mir kommt's schon manchmal hoch."
"Keine Regierungskrise"
Platzeck wollte im Gegensatz zu einigen CDU-Mitgliedern die Verfehlungen der enttarnten Abgeordneten nicht der ganzen Partei anlasten. Es sei eine Krise einzelner Personen, nicht der Regierung oder der Linken.
Der Ministerpräsident steht also weiter zu seinem Koalitionspartner, entgegen Forderungen aus der CDU. Die Fraktionschefin der Linken, Kerstin Kaiser, die selbst eine Stasi-Vergangenheit hat, konnte bei diesen Worten Platzecks Tränen der Erleichterung nur mühsam unterdrücken.
Mindestens ebenso deutlich wie gegenüber den betroffenen Linken-Abgeordneten wurde Platzeck gegenüber der Opposition, vor allem der CDU, mit der er in der Legislaturperiode zuvor regiert hatte. Er akzeptiere nicht, dass das Recht auf eine zweite Chance an Parteizugehörigkeit gebunden werde. "Nicht, weil man in der CDU ist, ist man ein besserer Mensch."
Scharfe Worte für Dombrowski
Besonders das Verhalten des CDU-Generalsekretärs Dieter Dombrowski verurteilte er als scheinheilig, als "Philistertum". Es sei unwürdig, einmal in einem Zeitungsinterview die Linken als geläutert zu bezeichnen und sie dann im Häftlingsanzug zu verdammen.
Linken-Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser betonte in ihrer Ansprache, dass die Offenlegung von Stasi-Mitarbeit "keine Formalie" für ihre Partei sei. Aber sie bitte, auch zwischen den einzelnen Fällen zu differenzieren. Täter müssten erkannt und das DDR-Regime wissenschaftlich erforscht werden. Wenn sich die Debatte dagegen nur auf inoffizielle Mitarbeiter der Stasi beschränke, vermute sie dahinter eine politische Debatte gegen eine ungeliebte Koalition.
(sueddeutsche.de/dpa/sukl/gba)
Bundespräsident Gauck
Mit Sicherheit nicht, wenn man in der SED war und obendrein mit der Stasi zusammenarbeitete. Gab es auch gute Menschen in der NSDAP? Nein! Sie waren alle verrückt, unzivilisiert, verbogen und ein Großteil war schlicht kriminell!
So war das auch mit den Mitgliedern der SED. Es ist eine Schande - wieder mal -, dass Menschen, die einer Diktatur gutes abgewinnen konnten, sich heute politisch betätigen und sogar, Dank Herrn Platzek, in gut bezahlte Staatsämter kommen.
Herr Platzek, sie sollten sich was schämen!! Und, die SDZ, so lese ich es aus den Zeilen des Artikels, findet die Haltung dieses Ministerpräsidenten noch ehrenhaft!!
In den wirklich demokratischen Parteien CDU, SPD und FDP - und da braucht Herr Platzek garnicht so polemisch daherreden - sind neben vielen Dummköpfen, tatsächlich die vernünftigeren und besseren Menschen.
Norbert Berger
Matthias Platzeck ist der einzige SPD Politiker den man vertrauen kann. Dieser Mann zeig
Chorasche Stärke und Entschlossenheit und Mut zum neuem.
Klar ist aber auch das alle Parteien nicht nur Linke ihre Mitglieder überprüfen sollte, den die Stasi wahr früher auch in der BRD Aktiv auch in der Politik wo sind die alle ab oder untergetaucht ( Unter gekommen) alle Stasi Mitarbeiter sollten entlarvt werden und ohne irgend welche Abfindungen aus den Amt geworfen werden. auch in den Kommunen, Rathäusern nur dann wird sich etwas ändern.
Hir noch ein Schmuzler:http://www.youtube.com/watch?v=KX_ov86H4ZU
Einfach nur Durchsichtig die Kanonaden der Ex-Blockpartei CDU. Hätte Platzeck mit ihnen die Regierungskoalition fortgesetzt, würde die CDU auch der Kettenhund Dombrowski hübsch in den Zwinger sperren und alles wäre bei der brandenburger Linken in Ordnung.
Am meißten hätte vermutlich die CDU vor der Vorderung des Linkenmitglied Nord Angst, für alle Landtagsmitglieder eine Untersuchung auf Stasivergangenheit vorzunehmen. Dann könnten ihnen buchstäblich die Knüppel aus der Hand genommen werden, die sie gerade fleissig der Regierung medienwirksam zwischen die Beine wirft und so versucht Stimmung zu machen. Leider scheint nur noch diese Thema an die bundesweite Berichterstattung herangetragen, als ob es sonst nichts aus der brandenburger Politik zu berichten gäbe.
... helfen in Brandenburg und auch sonstwo bestimmt nicht weiter. Das Herumeiern des Herrn Platzeck ist in höchstem Maße peinlich. Dieser Mann hat persönlich alles getan um zu verhindern, dass Landtagsabgeordnete überprüft werden. Er hat die Versöhnung mit Leuten gepredigt, die alles daran setzen, um die Wahrheit über die DDR als Diktatur und über sich selbst, über ihre klägliche Rolle in dieser Diktatur zu vertuschen.
Jetzt gibt Platzeck sich generös und räumt seinen "Fehler" ein. Konsequenzen aus diesem Fehler, aus diesem Versagen aber zieht er nicht.
http://www.infopartisan.net/archive/1977/7703.html
Man sollte schon genau hiner die bürgerlichen Fassaden blicken!
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