Russlands Präsident Medwedjew plädiert für mehr Demokratie - und geht auf Abstand zu seinem Vorgänger Putin.
Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew hat in seiner Rede zur Lage der Nation für eine umfassende Modernisierung seines Landes geworben. Grundlage dafür sollten erstmals demokratische Werte sein, sagte er am Donnerstag im Moskauer Kreml. Ziel sei "eine Gesellschaft freier Menschen", die Zugang zu Informationen haben. Das Wohlergehen und das Prestige Russlands dürften nicht allein auf den "Errungenschaften der Vergangenheit" beruhen.
Überall Medwedjew: Eine Frau sieht sich die jährlichen Rede zur Lage der Nation in einem Elektro-Geschäft an. (© Foto: AFP)
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In seiner zweiten landesweiten Ansprache an das Volk kritisierte Medwedjew vor allem die Rückständigkeit der russischen Wirtschaft und die Abhängigkeit von den Rohstoffen. Die Wirtschaftskrise habe Russland daher härter getroffen als andere Staaten. Der Kremlchef sprach von "primitiven Strukturen" und der fehlenden Konkurrenzfähigkeit russischer Unternehmen. "In den vergangenen Jahren wurde nicht genug getan, um die Wirtschaft voranzubringen", sagte er. Es müsse mehr auf Informationstechnologie und Telekommunikation gesetzt werden. Ausdrücklich forderte er, Visa einfacher und schneller auszustellen, um ausländische Experten ins Land zu holen. Medwedjew sagte, die Modernisierung sei eine Frage des Überlebens.
In seiner fast zweistündigen Rede versuchte sich der Präsident spürbar von seinem Vorgänger und jetzigem Ministerpräsidenten Wladimir Putin abzugrenzen. So bezeichnete Medwedjew die Staatskorporationen, die Hunderte Betriebe zusammenfassen und während der Präsidentschaft Putins gegründet wurden, als "perspektivlos". Einige sollen in Aktiengesellschaften umgewandelt und für private Investoren geöffnet werden.
Medwedjew betonte auch die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Erneuerung und knüpfte dabei an seine Rede im vorigen Jahr an, als er die Rolle des Staates in der russischen Geschichte kritisierte. Statt einer "archaischen Gesellschaft, in der die Führer für alle denken und entscheiden", forderte Medwedjew mehr Eigenverantwortung jedes Bürgers.
Um seinen Wunsch nach einer größeren Teilhabe der Bevölkerung zu unterstreichen, hatte sich Medwedjew zuletzt an verschiedene gesellschaftliche Gruppen gewandt und Anregungen erbeten. Allein auf seiner Internetseite habe es 16000 Einträge gegeben, sagte er. Einzelne Personen, deren Meinungen er aufgriff, nannte der Präsident beim Namen. Er sagte aber auch, dass "alle Versuche, mit demokratischen Losungen die Situation im Land aufzuheizen, den Staat zu destabilisieren und die Gesellschaft zu spalten", unterbunden würden. "Die Stärkung der Demokratie bedeutet nicht die Schwächung der öffentlichen Ordnung."
Mit Spannung wurden seine Äußerungen zur Wahlgesetzgebung erwartet, nachdem es bei den Kommunalwahlen im Oktober Manipulationen gegeben hatte. Im Stadtparlament von Moskau sind nur die Regierungspartei Einiges Russland und die Kommunisten vertreten. Medwedjew will nun den Zugang zu den Wahlen erleichtern und auf das vorhergehende Sammeln von Unterschriften verzichten. Er verlangte auch, dass die Parteien künftig gleichberechtigten Zugang zu den Massenmedien erhalten sollten.
Die Außenpolitik nahm in Medwedjews Jahresansprache nur einen kleinen Teil ein. Pragmatisch müsse sie sein und der Modernisierung Russlands helfen. "Wir haben keinen Grund, unsere Backen aufzublasen."
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(SZ vom 13.11.2009/woja)
Staatsbesuch in Israel
Ich finde diesen Medwedjew einfach nur super. Indes kann ich natürlich (noch) nicht beurteilen ob er auch so gut handelt wie er schonmal redet. Aber alleine was er bisher gesagt hat entfaltet seine eigene, positive Wirkung soviel steht fest.
Dafür gebührt im der Dank aller.
Ich wünsche Russland alles Gute, und hoffe darauf daß möglichst viele Menschen zu einer guten Zukunft für Russland und seine Bevölkerung beitragen können. Dieses Land hat mehr Unheil erlebt als hinnehmbar wäre - Zeit, daß dieses sich endlich ändern kann!
Selbsterkenntnis usw. Die machen das schon die Russen. Und die die unken.... Wer hätte vor 15 Jaren geglaubt dieses Land wäre da wo es heute ist?
Wäre Russland zu wünschen, allerdings ist der alte Filz aus der Sowjetunion sehr zäh.
gibt es auf der ganz Welt nicht, die in Rußland notwendig wären, um der gröbsten Unrat wegzuräumen.
Das wird nix, Herr Putin äähhh Medwedjew.
eine Stärkung der öffentlichen Ordnung, heißt dann mehr Gelder für das Ministerium der Staatssicherheit.
2) "Auflösung öffentlicher Unternehmen" - Klasse Sache! weniger Konkurrenz für die Prvatunternehmer, auch wenn dadruch mal ein paar "wenige Jobs" verloren gehen.
3) "Neue Ausrüstung für das Militär" - jetzt wo man endlich die ganzen AK47 nach Afganistan verkauft hat, hat man wieder die eine oder andere Lagerhalle frei bekommen, die jetzt mit neuem Zeug gefüllt werden muss.
Auch wenn es etwas pessimistisch klingt, aber die Erfahrung der letzten Jahre hat bewiesen, dass außer diesen 3 Punkten nichts eingehalten wird
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