Die Aufregung um die Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners war eine PR-Panne, glaubt Eberhard von Gemmingen. Papst Benedikt XVI. werde oft missverstanden.
Für Papst Benedikt XVI. hagelt es derzeit scharfe Kritik, weil er vier Bischöfe der erzkonservativen und politisch umstrittenen Bruderschaft von Marcel Lefebvre wieder in die Kirche aufgenommen hat. Besonders angegriffen wird seine Entscheidung, auch die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson aufzuheben.
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Eberhard von Gemmingen über Papst Benedikt XVI.: "Er wird oft missverstanden." (© Foto: AP)
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Medien sehen darin eine Spaltung der Kirche und einen neuen, konservativen Kurs des Papstes, ein katholischer Theologe ist aus Protest aus der Kirche ausgetreten, ein deutscher Bischof hat protestiert und Katholiken auf der ganzen Welt sind empört. Doch kaum einer versteht, was da los ist - deswegen hat sueddeutsche.de im Vatikan nachgefragt: bei Eberhard von Gemmingen, dem Redaktionsleiter von Radio Vatikan.
sueddeutsche.de: Der Papst hat vier äußerst umstrittene Bischöfe wieder in die Kirche aufgenommen, darunter ist einer, der den Holocaust leugnet. Wie konnte das passieren?
Pater Eberhard von Gemmingen: Die internationale Medienwelt hat eine Schwachstelle des Vatikans ausgenutzt und verbreitet jetzt eine Falschmeldung, die lautet: Der Papst rehabilitiert einen Holocaust-Leugner. Das ist falsch.
Ich nenne es aber bewusst eine Schwachstelle des Vatikans, denn die Kommunikation über die Lefebvre-Leute war sehr unglücklich.
sueddeutsche.de: Warum nennen Sie es eine Falschmeldung?
von Gemmingen: Der Papst hat die Exkommunikation der vier umstrittenen Priester aufgehoben, aber das betrifft deren Suspendierung nicht. Die vier werden dadurch keine normalen katholischen Bischöfe, keine normalen katholischen Priester. Der Vatikan hätte hier viel besser und ausführlicher erklären müssen, worum es eigentlich geht.
sueddeutsche.de: Was bedeutet das, wenn Sie sagen, die vier sind keine normalen Bischöfe?
von Gemmingen: Die Bischöfe sind suspendiert, ebenso wie die Priester der Piusbruderschaft. Das heißt, sie dürfen keine Sakramente spenden, nicht normale Seelsorge in der Kirche ausüben. Suspension bedeutet: Verbot der Amtsausübung.
sueddeutsche.de: Ein anderes Missverständnis ist der Zeitpunkt der Äußerungen: Bischof Richard Williamson hat seine Zweifel am Holocaust erst nach seiner Rehabilitierung durch den Papst öffentlich bekräftigt.
von Gemmingen: Ja. Man kann vermuten, dass das Zufall war. Ich kann aber nicht ausschließen, dass das gezielt lanciert wurde ...
sueddeutsche.de: Von Williamson?
von Gemmingen: Von wem oder von wo auch immer. Das führte aber auf jeden Fall dazu, dass alle bösen Äußerungen von Williamson der Weltöffentlichkeit derzeit noch einmal präsentiert werden.
sueddeutsche.de: Sogar einer Ihrer Redakteure hat dem Vatikan in der Causa Williamson Schlamperei vorgeworfen.
von Gemmingen: Bisher haben mehrere Bischöfe und Kardinäle zarte Kritik am Vatikan geübt. Dem schließen wir uns an - gerade um zu sagen: der Papst selbst ist eigentlich unschuldig.
Und dann muss man fragen: Wer ist eigentlich "der Vatikan"? Es gibt dort sowohl simple als auch Leute, die vielleicht ihre eigene Suppe kochen wollen, und es gibt vielleicht auch Ecken, in denen etwas nicht stimmt. Aber es ist völlig falsch, damit den ganzen Vatikan oder die ganze katholische Kirche abzuqualifizieren.
sueddeutsche.de: Wer ist denn schuld an dieser für den Papst sehr unglücklichen PR?
von Gemmingen: Nun, ich kann Ihnen nicht sagen, wer im Vatikan wann, warum und wo was getan hat. Ich weiß auch nicht, warum der zuständige Kardinal Darío Castrillón Hoyos so uninformiert war. Der Kolumbianer hat, nachdem die Äußerungen Williamsons publik geworden waren, in einem Interview gesagt, in seinen Gesprächen mit den Lefebvrianern war von Williamson nie die Rede.
Mit anderen Worten: Der Verantwortliche im Vatikan war nicht informiert, schlecht beraten und hat sich nicht genügend gekümmert. Das ist wirklich eine Katastrophe. Das heißt aber auch: Papst Benedikt XVI. ist unschuldig an dieser großen Dummheit.
sueddeutsche.de: Am Wochenende hat die Ernennung des konservativen Priesters Gerhard Wagner zum Weihbischof in Linz die Gemüter erregt. Steht die verstärkte Berufung von Traditionalisten für eine Richtungsänderung des Papstes?
von Gemmingen: Die Gesamtlinie von Papst Benedikt XVI. sollte aufgrund einiger erstaunlicher Schritte nicht in Frage gestellt werden. Sein Ziel ist es vor allem, dass die Kirche und damit Europa nicht die Werte und christlichen Wurzeln verlieren, die sie im Laufe der Jahrhunderte erkämpft haben - zusammen mit der Aufklärung.
Und das bedeutet für Benedikt, dass nicht über alle Werte und Verfassungsrechte demokratisch entschieden werden kann. Zum Beispiel: Wie lange soll ein Mensch gepflegt werden? Welcher Mensch hat mehr Wert, der Gesunde oder der Kranke, der Junge oder der Alte? Diese Fragen dürfen nie durch Abstimmungen entschieden werden. Es gibt Grundwerte, die nicht in Frage zu stellen sind.
Wenn über alles demokratisch entschieden werden könnte, zerstörte sich die Gesellschaft. Zur Zeit aber tut die Welt so, als könne über alles abgestimmt werden. Das ist nicht so, und das zu verdeutlichen ist das zentrale Anliegen von Papst Benedikt XVI. Er wird in der Öffentlichkeit oft missverstanden.
sueddeutsche.de: Warum ist das so?
von Gemmingen: Nur umstrittene Entscheidungen machen Schlagzeilen: Daher nimmt die Öffentlichkeit nur diese wahr: Die Rücknahme der Exkommunizierung der Lefebvrianer. Die Aufwertung der auf Latein gelesenen Messe. Oder die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte, in die einige nun wieder eine indirekte Aufforderung zur Missionierung der Juden hineininterpretieren. Aber das alleine ist nicht Benedikts Pontifikat.
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(sueddeutsche.de/bosw/bgr)
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Wer um alles in der Welt soll die Behauptung ernst nehmen, dass Ratzinger nichts wusste? Ratzinger hat sich bereits seit den1980er Jahren mit Lefebvre und den Piusbrüdern beschäftigt und versucht diese mit dem Vatikan zu versöhnen. Aber in über 20 Jahren soll Ratzinger und andere noch nie was von Williamson und seinen eindeutigen immer wieder antisemitischen Äußerungen gehört haben? Sehr glaubwürdig!!! Seltsamerweise reichen gerade mal 5 Minuten im Internet um so etwas zu recherchieren. Ratzinger, der jahrelang als Professor wissenschaftlich gearbeitet hat, als intelligent galt, hat sicher noch nie etwas von Internet und eigener Recherche gehört, oder!?
Bei der ungeheuren Anzahl von gleich 4 Bischöfen auf einmal kann man aber auch schnell die Übersicht verlieren. Wer so etwas glaubwürdig findet, der glaubt wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann und Osterhasen - und...- hoppla, genau das gehört ja zu dieser Religion, dass man nur dann ein guter Christ ist, wenn man bereit ist das absolut Unlogische, Unwirkliche und Unwahrscheinliche zu glauben (Jungfrauenempfängnis, Unsterblichkeit, übers Wasser laufen, Meerteilung etc.). In Südamerika verzichtete der Papst vor Indios geflissentlich die entsetzlichen Massaker zu nennen, die im Namen Jesu und der katholischen Kirche vor 500 Jahren an ihren Vorfahren begangen wurden, um sie zu "bekehren". Das sorgte für viel Aufruhr unter den Indios. Aber Ratzinger setzte noch einen oben drauf: Die Indios hätten die Christianisierung damals innerlich herbeigesehnt. Jetzt empfängt er alte berüchtigte Bekannte mit offenen Armen, die sich noch nicht mal zu Religionsfreiheit und freiem Willen bekennen, misogyn und bekanntermaßen Antisemiten sind und einer davon nicht erst zum ersten Mal den Holocaust leugnet - das ist alles andere als ein bloßer Zufall. Tage- und wochenlang versteht es Ratzinger nicht adäquat zu reagieren und da gibt es nur eine Lösung: Die Ex-Kommunizierung dieses üblen Vereins schleunigst zu erneuern. Sollte er das nicht tun, macht er sich gemein mit ihnen. Da helfen dann auch alle frommen Sprüche und vermeintliche Erklärungen nichts mehr. Wenn Ratzinger die Piusbrüder nicht schnellstens ausgrenzt, dann hoffe ich, dass nicht nur alle deutschen Katholiken geschlossen aus der Kirche austreten.
PS: Aufschlussreich - hier ein weiteres Beispiel dafür, was Ratzinger für fragwürdige Vereine unterstützt:
http://www.wdr.de/tv/monitor//extra/rueckblick/fundamentalismus.php5
besonders ab min 9:50
"mein Wissen basiert nicht auf Dan Browns Romanen, sondern eben auf Fachbüchern!"
Nur immer her mit den Titeln und den Namen der Verfasserinnen, damit alle Ihren Informationsstand erreichen können!
Es war mir immer bekannt, dass Papst Benedikt ein Hardliner ist und Sympathisant von Opus Dei, das noch heftiger ist als diese Piusbruderschaft! Ich will mich nicht wiederholen, aber ich schrieb heute morgen über meine Erfahrungen gerade mit Opus Dei, von denen ich am Arbeitsplatz - dazu muss ich sagen, dass ich evangelisch bin - nicht nur von behelligt wurde, ich wurde auch subtil bedroht, als ich klar Stellung zu allem bezog, weil ich mich inzwischen mit Fachliteratur eingedeckt hatte - mein Wissen basiert nicht auf Dan Browns Romanen, sondern eben auf Fachbüchern!
Von Papst Benedikt habe ich nichts Gutes erwartet, schon gar kein ökumenisches Ansinnen - schließlich betont er inzwischen sogar verstärkt, dass die evangelische Kirche keine Kirche sei, was mich bei allem, was zurzeit vor sich geht, nun doch zu der Hoffnung bringt, dass er zurücktreten wird. Ihm ist christliche Nächstenliebe nicht bekannt - ihm geht es auch nur um die Macht der katholischen Kirche, die sie eben niemals mehr haben wird, auch wenn u.a. über Opus Dei auf heftigste Art und Weise versucht wird, sie ihr wieder zu geben, und ich denke mir, dass sich der Papst die Zeiten des Ablasses zurück wünscht, aber insbesondere die Zeit vor der Reformation. Welch' ein Glück, dass es einen Luther gab, und welch ein Glück, dass es der Traum und die Illusion einiger Hardliner der katholischen Kirche bleibt, sie könne erneut auch über den Staat bestimmen und nach und nach über die Gesamtheit der Menschheit - welch ein Wahnwitz, in der Vergangenheit und gerade in der jetzigen Zeit.
Dass Meißner gut heißt, was der Papst auch Williamson betreffend tat, ist für mich das, was ich schon einige Jahre weiß, auch er ist bekennender Sympathisant von Opus Dei. Und schauen wir uns doch mal diese Menschen an: Strahlen sie so etwas wie Menschlichkeit aus? - im Gegensatz zu Lehmann, der bestimmt ein sehr warmes Herz hat, was ich von allen wünsche, die das Evangelium verkündigen, sie sollten eben niemals vergessen, wer Christus war und was er tat und was christliche Nächstenliebe bedeutet.
Es ist ein großes Glück, dass wir heute in einer Demokratie leben mit Pressefreiheit, und dass es Journalisten gibt, die aufdecken, dabei denke ich natürlich nicht an die "Journalisten" der Regenbogen-Presse.
Was hatten die Leute eigentlich erwartet? Dass der Ratzinger auf einmal liberal und tolerant wird, nur weil er Papst ist?
abwegig, dass eine argumentationsorgie von herrn simon aus frankreich etwas daran retten könnte, dass man hier einen holocaust-leugner, den niemand kannte, eine bühne bietet. die genauen wortlaute innerhalb der gesetzgebung des vatikans, in welcher der papst immer recht hat, sind angesichts des kriminellen aktes der holocaust-leugnung vollkommen nebensächlich und irrelevant. zu behaupten diese leugnung sei nebensächlich: das charakterisiert das papstum ausreichend. es besteht selbst aus leugnung.
Paging