Politischer Rechtsruck in den Niederlanden: Knapp vier Monate nach den Parlamentswahlen haben sich Rechtsliberale und Christdemokraten auf ein Minderheitskabinett geeinigt. Sie sind auf Unterstützung des Islamgegners Geert Wilders angewiesen.

Die Niederlande werden künftig von einem rechten Minderheitskabinett regiert, das auf die Duldung durch den erklärten Islamgegner Geert Wilders angewiesen ist. 111 Tage nach den Parlamentswahlen einigten sich die Rechtsliberalen (VVD) und die Christdemokraten (CDA) am Dienstag mit dem Rechtspopulisten weitestgehend auf entsprechende Abkommen. Das verlautete aus Verhandlungskreisen in Den Haag.

Holland bekommt rechte Regierung von Wilders Gnaden Bild vergrößern

Rechtsruck in den Niederlanden: Die neue Regierung in Den Haag wird vom umstrittenen Islamgegner Wilders geduldet werden. (© dpa)

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Der Rechtsliberale Mark Rutte wird voraussichtlich Regierungschef. Der Entwürfe eines Koalitionsvertrages zwischen VVD und CDA sowie eines Duldungsvertrages beider Parteien mit Wilders' Partei für die Freiheit (Partij voor de Vrijheid, PVV) sollten noch am selben Tag den Parlamentsfraktionen zur Begutachtung vorgelegt werden. Mit ihrer Zustimmung wird allgemein gerechnet. Am Donnerstag wollen die Verhandlungsführer dann den von Königin Beatrix eingesetzten Vermittler offiziell in Kenntnis setzen. Bei den Christdemokraten muss der Einigung auch noch ein Parteitag zustimmen, der für Samstag nach Arnheim einberufen wurde.

In den Reihen des Christdemokratischen Appells (Christen Democratisch Appèl, CDA) hatte es erheblichen Widerstand gegen eine politische Zusammenarbeit mit Wilders gegeben. Mehrere prominente CDA-Mitglieder hatten den Abbruch der Verhandlungen gefordert. Sie warfen Wilders vor, Muslime aus der Gesellschaft auszugrenzen und damit die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit zu verletzen. Die PVV hatte im Wahlkampf neben einem Einwanderungsverbot für Muslime in die EU eine Reduzierung der niederländischen EU-Beiträge und die Streichung von Entwicklungshilfe gefordert.

Die am 9. August begonnenen Verhandlungen der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie, VVD) unter ihrem Fraktionsvorsitzenden Rutte und der CDA unter dem amtierenden Außenminister Maxime Verhagen mit Wilders' PVV waren wegen der Kritik bei den Christdemokraten zeitweilig ausgesetzt worden. Sie wurden fortgesetzt, nachdem der prominenteste Wilders-Kritiker, der amtierende Gesundheitsminister Ab Klink, sein Mandat niederlegte und die CDA-Fraktion verließ.

Die 2006 von Wilders gegründete PVV hatte bei den Wahlen am 9. Juni 24 der 150 Mandate gewonnen und war drittstärkste politische Kraft geworden. Eine direkte Regierungsbeteiligung des Islamgegners stieß jedoch mit Ausnahme der VVD bei allen Parteien auf Widerstand. Die VVD war bei den Wahlen mit 31 Mandaten knapp stärkste Partei geworden. Die sozialdemokratische Partei der Arbeit (Partij van de Arbeid, PvdA) kam auf 30 Mandate. Die Christdemokraten, die mit Jan Peter Balkenende den Chef der noch amtierenden Regierung stellen, waren von 41 auf 21 Mandate abgestürzt. Zusammen kommen VVD und CDA auf 52 Mandate, mit der Wilders-Partei auf 76 und damit auf die denkbar knappste Mehrheit von einer Stimme. Für ein linkes Bündnis gibt es keine ausreichende Mehrheit. Bemühungen um eine große Koalition scheiterten an wirtschafts- und sozialpolitischen Differenzen zwischen der VVD und der PvdA.

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(dpa/dgr)