Rechtsradikalen-Treffen Kein Kölsch für die Mafia

Die Bürger wollen in Köln den öffentlichen Raum für die Werte der Toleranz zurückerobern - und zeigen mit ihren Aktionen auch der CDU, was Zivilcourage heißt.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Die weltoffene Stadt Köln hat es nicht verdient, dass diese obskure Vereinigung sich ausgerechnet "Pro Köln" nennt. Diese Vereinigung, die eigentlich "Contra Köln" heißen müsste, will die Muslime aus der Stadt hinauskehren; seit Freitag veranstaltet sie in Köln einen "Anti-Islamisierungskongress", der Sammelpunkt für Rechtspopulisten und Rechtsradikale aus ganz Europa sein soll.

Dagegen stellt sich in Köln ein Bündnis von Initiativen, die nicht zulassen wollen, dass am Fundament des Zusammenlebens gerüttelt wird in einer Stadt, in der Menschen aus 180 Nationen und 120.000 Bürger muslimischen Glaubens leben. Sogar die Wirte machen dabei mit; sie wollen, so haben sie es auf die Bierdeckel gedruckt, der braunen Mafia kein Kölsch ausschenken.

Die Stadt Köln hat, als wolle sie sich Mut machen, den Konrad-Adenauer-Preis an Leoluca Orlando verliehen, den Mafia-Bekämpfer von Palermo. Orlando hat gezeigt, was Bürgersinn ist und Unbeirrbarkeit vermag. Seiner Stadt, in der einst die Straßenlaternen nur leuchteten, wenn die Mafia es wollte, hat er neuen Glanz gegeben. Er hat den öffentlichen Raum für die Werte der Toleranz zurückerobert.

Darum geht es auch in Köln: den öffentlichen Raum nicht "denen" zu überlassen. Die Mafia in Deutschland hat andere Namen und eine andere Geschichte; aber sie richtet vergleichbares Unheil an.

Die Parteipolitik in Köln hat muslimfeindlichen Vorurteilen leider Zunder gegeben. Die CDU hat im Moscheen-Streit eine jämmerliche Figur gemacht. Allein CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma hat den Moscheen-Bau standhaft verteidigt. Die Bürger Kölns wollen mit ihren Aktionen nun auch der CDU zeigen, wie Zivilcourage aussieht.