Rechtsradikale Frauen: Weiblich, smart, extrem Die ganz harten Weichspülerinnen

Sie geben sich sanft, familienfreundlich und behalten ihre Gesinnung erstmal für sich - die NPD setzt verstärkt auf artig auftretende Aktivistinnen

Von Birk Meinhardt

Nicole Florczak trug ein Schlüsselband mit dem Aufdruck "Kein Sex mit Nazis". Als Stella Palau es entdeckte, sagte sie, "das ist ja was ganz Lustiges". Aber bei sich dachte sie, "ach Mädel, wenn du nur wüsstest".

Das war im Familienzentrum von Hohen Neuendorf, an der Peripherie Berlins. Florczak betreut hier mit ihrer Kollegin Susanne Mosch jeden Vormittag Kleinkinder, und Palau war regelmäßig mit ihrer Tochter und ihrem Sohn dort.

Sympathische Frau, meinten die beiden, die dem grünen Milieu nahestehen. Kauft wie sie im Bioladen. Schenkt Kaffee aus für andere Mütter. Eine Freundin im Grunde.

Beim Kaffeeausschenken hat ein Fotograf der Regionalzeitung Stella Palau abgelichtet, und nachdem das Bild erschienen war, fasste ein Redakteur der Zeitung, der etwas Ahnung von der rechtsextremen Szene hat, sich an den Kopf: Diese Mutter ist im Vorstand der NPD und ist Pressesprecherin des Rings Nationaler Frauen (RNF), der jener Partei nahesteht. Vater ihrer Kinder ist Jörg Hähnel, ein NPD-Aktivist und rechter Liedermacher.

Der Redakteur lief ins Frauenzentrum und fragte Florczak und Mosch, ob sie davon wüssten. Großer Gott, nein. Woher denn. Sagen Sie, dass das nicht wahr ist.

Spricht man Nicole Florczak jetzt darauf an, verhärten sich ihre Züge. Wenn sie Stella Palau begegnet, grüßt sie nicht, so wie auch Palau sie nicht grüßt.

Susanne Mosch hingegen wird traurig, so wie man eben traurig wird, wenn man sich verraten und verkauft fühlt. "Ich habe sie in mein Herz gelassen", sagt sie, "und nun braucht es einfach Zeit."

"Haben Sie sich nochmal mit ihr auseinandergesetzt?"

"Nein. Um ehrlich zu sein: nicht nur wegen der Enttäuschung. Ich fühle mich ihr nicht gewachsen. Sie ist bestimmt gut geschult. Ich habe Angst, nicht gegen ihre Argumente anzukommen."

Sie hat der Tagesmutter Bescheid gegeben, bei der sie selber und Stella Palau ihre älteren Kinder untergebracht haben, und die Tagesmutter hat Palau sofort gekündigt.

In den Stunden, in denen die ihre Tochter bei mir abgibt, macht die vielleicht ihre politische Arbeit, und das kann ich nicht akzeptieren, sagte sie zu Mosch. Aber das war Tage später. Sie hatte etwas Zeit gebraucht, nach Gründen für ihre spontane Reaktion zu suchen.

Was haben Knete und Rassen gemeinsam? Das erfahren Sie im nächsten Teil.