Rechtsextremismus Nauen: Neonazizelle soll Flüchtlingsheim angezündet haben

Hinter dem Brand in einer Turnhalle in Nauen im August soll eine Neonazizelle um einen NPD-Stadtverordneten stecken.

(Foto: dpa)

Auch ein NPD-Stadtverordneter gehört zu den Verdächtigen. Womöglich hat die Gruppe noch mehr Straftaten begangen. Nun schaltet sich auch die Bundesanwaltschaft ein.

Nach dem Brand einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen steht auch ein NPD-Funktionär unter Verdacht. Der Mann soll an dem Anschlag auf die Sporthalle Ende August beteiligt gewesen sein, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Potsdam mitteilten.

Der NPD-Stadtverordnete aus Nauen soll der Polizei zufolge "der Kopf oder einer der Köpfe" der rechtsextremen Gruppierung sein, zu der etwa ein halbes Dutzend Verdächtige gehören soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Es geht um mehrere Straftaten, darunter auch Anschläge auf ein Büro der Linken. Auch die Bundesanwaltschaft hat sich eingeschaltet. Sie prüft, ob sie Ermittlungen wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung aufnimmt.

Die Gruppe habe sich "extrem abgeschottet", sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. "Die haben sich Alibis verschafft. Am Anfang sah das fast wasserdicht aus. Sie haben konspirativ gearbeitet." Mörke sprach von einer "rechten Zelle". Einen Vergleich mit der Neonazizelle NSU wolle er "zum jetzigen Zeitpunkt" noch nicht ziehen. "Aber wir werden schauen, was die Ermittlungen bringen."

Die Halle brannte, kurz bevor die ersten Asylbewerber einziehen konnten

In der Sporthalle eines Oberstufenzentrums in Nauen sollten 100 Asylbewerber vorübergehend unterkommen. Kurz bevor die ersten einziehen konnten, ging die geplante Notunterkunft in Flammen auf. Menschen wurden bei dem Brand nicht verletzt. Es war aber schnell klar, dass es sich um einen Brandanschlag handelt. Auch ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde gleich vermutet.

Zuvor hatte es Demonstrationen gegen die geplante Aufnahme von Flüchtlingen gegeben. Auch eine Stadtverordnetenversammlung zu dem Thema war von rechtsextremen Demonstranten gestört worden. Gegen die Rechtsextremen hatten sich allerdings auch zahlreiche Bürger gewandt und immer wieder Gegendemonstrationen organisiert.

Klaus Beier, Sprecher der NPD und Vorsitzender der rechtsextremen Partei in Brandenburg, sagte Spiegel Online zu den Vorwürfen gegen den Stadtverordneten aus Nauen, sein Landesverband werde den Fall am Wochenende beraten. Erst einmal gelte aber die Unschuldsvermutung. "Seltsam ist der Zeitpunkt, punktgenau zum Verbotsverfahren." Wenn die Vorwürfe aber zuträfen, hätten die Männer nichts in der NPD zu suchen. "Wir lehnen Gewalt ab."