Rechtes Gedankengut in Skandinavien Sehnsucht nach einer Welt ohne Fremde

Sie kämpfen gegen die "schleichende Islamisierung" ihres Landes: In Norwegen gilt die rechtsextreme Szene als klein, doch die Rechtspopulisten haben Zulauf. Auch der mutmaßliche Attentäter war einmal in der rechtspopulistischen Fortschrittspartei aktiv. Die als gemäßigt geltende Parteichefin sagt, das mache sie "traurig".

Von Gerhard Fischer

An einem kalten Morgen im Januar 1990 wird Kommissar Kurt Wallander zu einem abgelegenen Hof gerufen. Der Bauer ist grausam zugerichtet, seine Frau schwer verletzt. Bevor sie stirbt, presst sie noch zwei Wörter heraus: "Ausländer, Ausländer."

"Mörder ohne Gesicht", der erste Band von Henning Mankells Wallander-Reihe, erschien 1991 in Schweden. War Mankell seiner Zeit voraus, oder gab es bereits damals Spannungen zwischen Einheimischen und Einwanderern - in Skandinavien, einer Region, die Deutsche lieber mit Bullerbü und heiler Welt in Verbindung bringen? Tatsächlich haben die Rechtspopulisten in Nordeuropa seit vielen Jahren Zulauf; die norwegische Fortschrittspartei etwa erreichte in Umfragen zuletzt 30 Prozent.

Die "Wahren Finnen" kamen bei der jüngsten Wahl immerhin auf 18,6 Prozent, die Dänische Volkspartei ergattert stets über zehn Prozent, die Schwedendemokraten haben den Einzug in den Reichstag geschafft.

Das Klima anheizen

Die Fortschrittspartei agiert wie ihre Nachbarparteien gegen die "schleichende Islamisierung" das Landes; gleichwohl ist sie "nicht unmittelbar verantwortlich für Gewalttaten wie in Oslo und Utøya. Aber das kann das Klima anheizen", sagt Hajo Funke, Rechtsextremismus-Forscher an der Freien Universität Berlin. "Jede Form von Rechtspopulismus senkt die Hemmschwelle für solche vermutlichen Einzeltäter."

Immerhin: Der mutmaßliche Täter der Anschläge, Anders Behring Breivik, war zwischen 1999 und 2006 Mitglied der Fortschrittspartei; zwei Jahre lang hat er eine verantwortliche Stellung innerhalb der Jugendorganisation innegehabt, wie die Parteizentrale meldet. Parteichefin Siv Jensen, die als gemäßigt gilt, sagt, das mache sie "traurig".

Die Ablehnung einer offenen Gesellschaft eint alle Rechtspopulisten. Timo Soini, Chef der "Wahren Finnen", bekundete einmal, er wolle ein "Finnland wie früher". Ähnliches liest man auch in den Internetforen, in denen sich Breivik herumtrieb. In document.no etwa heißt es, die Einwanderer wollen "ausnutzen, was unsere Vorväter aufgebaut haben".

Angst vor Überfremdung und Arbeitslosigkeit

Wähler der Rechtspopulisten haben Angst vor Überfremdung und Arbeitslosigkeit, sie sind unzufrieden mit der angeblich zu liberalen Regierung, suchen eine Gemeinschaft. Und in manchen Familien hat eine nazifreundliche Einstellung bis heute überlebt, vor allem im schwedischen Schonen, das nahe an Deutschland liegt. Historiker sprechen von einem "historischen Erbe".

Ein Land weint

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