Rebellengruppe LRA in Uganda Kony-Stellvertreter stellt sich US-Soldaten

  • Ein ranghoher Kommandeur der ugandischen Rebellenorganisation LRA ist von US-Soldaten festgenommen worden.
  • Es soll sich um Dominic Ongwen handeln, einen Stellvertreter des berüchtigten Rebellenführers Joseph Kony.
  • Gegen den Rebellen liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Uganda bestätigt Ongwen's Identität

US-Soldaten haben einen führenden Kommandeur der berüchtigten ugandischen Rebellenorganisation LRA in der Zentralafrikanischen Republik festgenommen. Dominic Ongwen gilt als Mitglied der Führungsebene der Lord's Resistance Army ("Widerstandsarmee des Herrn"). Der 34-Jährige habe sich am Wochenende freiwillig gestellt und werde in einem Armeecamp im zentralafrikanischen Obo festgehalten, sagte der ugandische Militärsprecher Paddy Ankunda.

"Er wurde identifiziert, wir können bestätigen, dass es sich um Ongwen handelt", erklärte Ankunda. Gegen den Rebellen liegt bereits seit 2005 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Einzelheiten zum weiteren Vorgehen wurden nicht bekannt. "Der nächste Schritt ist politischer Natur, und ich kann mich dazu nicht äußern", sagte Ankunda.

Die Sprecherin des US-Außenamts in Washington, Jane Psaki, hatte zuvor betont, man sei noch dabei, die Identität des Mannes eindeutig festzustellen. Seine Verhaftung wäre ein wichtiger Schlag gegen die LRA, sagte die Sprecherin.

Vom Kindersoldaten zum LRA-Kommandeur

Ongwen wurde nach Angaben des "Enough Project" gegen Kriegsverbrechen 1990 im Alter von zehn Jahren von den Rebellen verschleppt und zum Dienst an der Waffe gezwungen. Er gilt als einer der wichtigsten Stellvertreter des LRA-Kommandeurs Joseph Kony. Etwa 200 US-Spezialkräfte unterstützen Truppen der Afrikanischen Union bei der Suche nach dem flüchtigen Kony und seinen engsten Mitarbeitern.

Die LRA hatte seit 1987 den Norden Ugandas terrorisiert und Tausende Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert. Viele Mädchen wurden als Sexsklavinnen missbraucht. 2005 zog sich die Gruppe aus dem Gebiet zurück; seither macht sie das Grenzgebiet zwischen der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan und dem Kongo mit Angriffen und Verschleppungen unsicher.

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